Evangelischer Verband: "Geflüchtete Mädchen sind oft unsichtbar"

Ein Flüchtlingsmädchen schaukelt  auf einem Spielplatz in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen in Braunschweig.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Etwa 20 Prozent der unbegleiteten Flüchtlingskinder sind weiblich.

Evangelischer Verband: "Geflüchtete Mädchen sind oft unsichtbar"
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit sieht die Pläne der Bundesregierung kritisch, alle ohne Eltern aufgegriffenen Flüchtlingskinder von einer zentralen Stelle auf die Länder zu verteilen.
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Bundesgeschäftsführer Michael Fähndrich sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), bei der Reform müsse besonders darauf geachtet werden, dass geflüchtete Mädchen "geschlechtssensibel betreut werden". Er warb deshalb dafür, dass sich in der Jugendhilfe nur Frauen um die Mädchen und jungen Frauen kümmern sollten.

Fähndrich zufolge unterscheiden sich die Schicksale von Mädchen und Jungen auf der Flucht oft ganz deutlich. "Bei Mädchen kommen auch Erfahrungen von sexueller Gewalt und Fremdbestimmtheit etwa bei der Partnerwahl, Schwangerschaft oder den eigenen Lebenskonzepten hinzu", sagte der Experte. Dadurch verstärke sich die Gefahr, "immer wieder Opfer von sexualisierter Gewalt, Menschenhandel oder Zwangsehen zu werden". Diese traumatisierenden Erfahrungen prägten insbesondere Mädchen und jungen Frauen.

Diese Zielgruppe stelle die Jugendhilfe vor besondere Herausforderungen. Fähndrich zufolge werden Mädchen, die gemeinsam mit ihren Familien geflüchtet sind, oft "unsichtbar", weil sie später von ihren Angehörigen abgeschirmt und extrem beschützt werden. "So treten sie in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe oft gar nicht in Erscheinung." Bei der Betreuung zeige sich, dass der Spagat zwischen den Traditionen dieser Familien und den hiesigen Werten schwer zu bewältigen ist. "Den Kontakt oder die Zusammenarbeit mit Männern kennen viele Mädchen aus ihren Herkunftsländern nicht", erläuterte der Fachmann.

Nach Zahlen von Eurostat kamen 2014 rund 25.000 weibliche und rund 27.000 männliche Flüchtlinge im Alter von bis zu 14 Jahren nach Deutschland. Dazu kamen 8.000 männliche und 4.000 weibliche Flüchtlinge bis zum Alter von 18 Jahren. Rund 20 Prozent der unbegleiteten jungen Flüchtlinge sind weiblich.

Weibliches Personal als Bezugspersonen einsetzen

Für eine geschlechtssensible Betreuung sei es wichtig, niedrigschwellige Zugänge etwa zu aufsuchenden Angeboten zu schaffen. "Unverzichtbar ist fremdsprachliche Elternarbeit sowie die Weiterqualifizierung und Fortbildung von Fachkräften, Lehrern und ehrenamtlichen Helfern: "Ideal ist es, wenn nur weibliches Personal als Bezugspersonen eingesetzt werden kann", sagte Fähndrich.

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