Jetzt wird’s bunt!

Kunstprojekt
Jetzt wird’s bunt!
St. Martin Dortmund tut was gegen graue Wände

Na, haben Sie auch zu Hause graue Kirchtürme rumstehen? Vermutlich nicht. Aber ganz ehrlich: Was die Leute so vor fünfzig Jahren schön fanden, kann heute mancherorts kaum noch jemand nachvollziehen. Beton war halt einfach der coole Baustoff. „Beton-Brutalismus“ ist sogar ein bekannter Baustil, der aber den 50er-Jahren Einzug hielt. Wobei das eher auf das französische „beton brut“, also „Sichtbeton“ zurückgeht als auf das, was wir unter „brutal“ verstehen, aber irgendwie passt das schon.

Na ja, jedenfalls, da steht so ein Betonturm bei St. Martin in Dortmund, eine katholische Kirche, aber das tut hier nicht viel zur Sache. Ziemlich eckig, ziemlich dominant und sehr grau. Das wurde den Martins zu bunt: Sie veranstalteten einen Wettbewerb um das schönste Kunstwerk, das die grauen Wände in Zukunft zieren sollte. Gewonnen hat eine Art Wortwolke aus verschiedenen Wörtern, die auf die eine oder andere Weise mit dem Glauben oder der Kirche zu tun haben. Respekt: Auch sehr kritische und provokante Wörter sind dabei. Das erste Wort am Turm war passenderweise „oben“. Im Fernsehbeitrag zur Entstehung des Ganzen sehen wir unter anderem Frieden, Toleranz, Auferstehung – aber auch Misstrauen, Lüge und Missbrauch.

Klaus Korfmacher, mittlerweile pensionierter Pfarrer der Gemeinde, hatte vor zwei Jahren die Idee zu dem Projekt, das nun von zwei Street Art-Künstlern umgesetzt wurde. Er damit zeigen: Wir stehen als Kirchengemeinde mitten im Leben, mitten in der Stadt.

Inzwischen sollte das Projekt fertig umgesetzt sein. Seltsamerweise findet man online keinerlei Beiträge über die Fertigstellung, nur über die Planungsphase sowie einen Fernsehbeitrag über den Beginn der Umsetzung. Nicht mal auf der Homepage der Kirchengemeinde gibt es einen Beitrag dazu, geschweige denn auf Wikipedia.

Trotzdem: Eine coole Idee, Impulse in der Stadt zu setzen – und gleichzeitig eine brutal betonfarbige Wand neu zu gestalten.

Von Dauer wird das Ganze allerdings nicht sein: Der Turm muss nämlich bald grundsaniert werden. Dann verschwinden die Worte wohl wieder. Aber bis dahin lösen sie hoffentlich viele Diskussionen und Gespräche aus.

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