Der Geist weht, wo er will

Der Geist weht, wo er will
Der Vorsitzende der Atheisten in Kenia ist zurückgetreten – aus einem interessanten Grund

Die "Atheists in Kenya Society" muss sich einen neuen Vorsitzenden suchen: Vor kurzem gab die Atheisten-Gemeinschaft bekannt, dass der bisherige Amtsinhaber Seth Mahiga zurückgetreten ist. Grund: Er habe "Jesus gefunden". Passenderweise gab er seinen Rücktritt in einer Kirche bekannt. Er habe – verständlicherweise – "kein Interesse mehr daran, den Atheismus in Kenia zu fördern", so die Erklärung der Gesellschaft. Der Präsident der Society wünscht Mahiga "das Beste in seiner Beziehung mit Jesus Christus". Das ist doch mal ein guter Anfang: Egal, wie wir in Glaubensfragen zueinander stehen – dem anderen "das Beste" zu wünschen ist ein wunderbarer Umgang miteinander.

Schadenfreude jedenfalls über "die Atheisten", die jetzt jemanden "verloren" haben, ist fehl am Platz. Menschen, die sich mit Glaubensfragen intensiv beschäftigen, verlieren manchmal den Glauben – oder finden ihn plötzlich. Ich kenne ebenso ehemalige Pfarrer, die ihren Glauben hinter sich gelassen haben, wie ehemals aktive und "missionarische" Atheisten, die heute tief gläubig sind. Glauben oder auch bewusstes Nicht-Glauben ist eben nichts Festes. Es beinhaltet Zweifel in die eine oder die andere Richtung. Es bedeutet, sich selbst und die eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen. Und es zuzulassen, dass sich alles ändert. Das ist unbequem und manchmal verunsichernd. Manche flüchten sich in extremistische Formen, denn sie geben vermeintlich Sicherheit ohne Zweifel. Wo das mit dem Extremismus hinführt, sehen wir leider viel zu oft – nicht nur im Bereich der Religion.

Für heute wünschen auch wir hier Mahiga natürlich das Beste in seiner Beziehung mit Jesus Christus. Willkommen, Bruder!  

weitere Blogs

Geschichten machen stark, sie kommen zu mir wie Personen, die meine Welt erhellen.
Gezeigt wird das Cover des Romans Shuggie Bain, auf dem ein kleiner Junge zu sehen ist, der mit seiner Mutter im Bett liegt. Sie schauen sich in die Augen
In "Shuggie Bain" erzählt Douglas Stuart von einem jungen schwulen Außenseiter in prekären Verhältnissen im Schottland der achtziger Jahre. Ein Buchtipp anlässlich der derzeit stattfindenden Frankfurter Buchmesse.