Stilvoll Streiflichten

Stilvoll Streiflichten
Die Süddeutsche Zeitung hat unseren Blog entdeckt. Werden wir jetzt alle berühmt?

Streiflicht. Sie müssen nur dieses eine Wort sagen und alle wissen Bescheid. Im Deutschunterricht – zumindest in Bayern – wurde uns diese Kolumne angepriesen als die höchste, nein allerhöchste literarische Ausprägung der Glosse. Darüber geht einfach nix. „Eine Art Leuchtturm im Sturmgebraus der täglichen Hiobsbotschaften“, so nannte es im Jahre 1946 Franz Josef Schöningh, der Erfinder jener Kolumne, die schon immer 72 Zeilen und drei Absätze beinhaltet und deren Autor*innen normalerweise im Streifdunkel der weitgehenden Anonymität verbleiben.

Es geht die Kunde, ein angehender Pfarrerskollege habe einst über seinen Beitrag im Prüfungsfach „Christliche Publizistik“ – ja, wir müssen tatsächlich alle beweisen, dass wir nicht nur Buchstaben zu Papier bringen können, sondern sie auch noch sinnvoll und ansprechend anordnen können – geschrieben: „im Stil des Streiflichts“. Woraufhin er auf seinen an und für sich guten oder zumindest brauchbaren Text eine schlechtere Note bekommen habe, denn fürs Streiflicht, diese Streiflichtgestalt des süddeutschen glossy Redaktionswesens, war er natürlich bei weitem nicht gut genug.

Eingedenk dieser durchaus nicht unberechtigten Lobeshymnen liegt es uns fern, diesen Blog auch nur im entferntesten mit dem Streiflicht zu messen, sonst werde ich womöglich noch nachträglich entexaminiert. Außerdem hat unser Beitrag hier vier Absätze, das ist also was völlig anderes. Puh. Nochmal Glück gehabt. Obwohl wir Theolog*innen ja eigentlich biblischerseits über Glossolalie bestens Bescheid wissen. Ich sage nur: 1. Korinther 13,8. Ja, Glossolalie, das ist das, was gemeinhin mit „Zungenrede“ übersetzt wird, also unverständliches Reden, das laut Bibel einer Interpretation bedarf, was wiederum ja irgendwie auch auf die meisten Glossen zutrifft.

Jenes sagenumwobene Streiflicht also nahm sich am 22. Februar dieses Jahres - nicht ohne unsere vorhergehende Expertise explizit und namentlich zu würdigen – einer Tatsache an, die seit unserem glorreichen Stilvoll-Glauben-Text (nicht: Glosse) vor einigen Jahren offensichtlich still und unbeleuchtet in einer Ecke des glossalen Raumes vor sich hinkümmerte. Es geht um die Herkunft des geflügelten Wortes: „Und wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Streiflichtlein her“. Laut Streiflicht wurde dieses hochliterarische Werk des öfteren dem großen Rilke oder gar dem noch viel größeren und zeitloseren Unbekannt zugeschrieben. Doch wie wir ja mittels einer extra dafür angesetzten pfarrlichen Exkursion ins ferne Wernigerode bereits abschließend geklärt hatten, hat Jesus dieses Wort im Rahmen der Einsetzung des Vaterunsers in Lukas 11, Vers 2 mal eben so flugs mitgeprägt. Kann also nicht Rilke gewesen sein. Und auch nicht Unbekannt. Hamse sich geirrt, die Streiflichterer.

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