Die U-Bahn fährt Wal

Die U-Bahn fährt Wal
Was haben Jona und die U-Bahn in Rotterdam gemeinsam? Seit gestern einiges.

Jona. Eine der bekanntesten Geschichten aus der Bibel. Vielleicht einfach deshalb, weil sie so schön bildhaft zu erzählen ist in Kindergottesdiensten, Religionsunterricht oder Kinderbibelwochen. Wer's nicht mehr so genau zusammenbekommt: Jona wird von Gott beauftragt, in Ninive als Prophet tätig zu werden und die Zerstörung der Stadt anzukündigen, wenn die Menschen nicht ihr Leben von Grund auf ändern. Doch er flieht mit einem Schiff übers Meer. Das Schiff kommt in einen schweren Sturm, durch Losentscheid erkennen die Matrosen, dass Jona der Schuldige ist und werfen ihn kurzerhand über Bord, woraufhin das Unwetter umgehend aufhört und die Matrosen sich zu Gott bekennen.

Jona wird dann von einem "großen Fisch" (nicht unbedingt von einem Wal) verschlungen und betet drei Tage und Nächte in dessen Bauch, bevor er in Ninive wieder ausgespuckt wird und seine Aufgabe nun doch antritt. Auch die weitere Geschichte Jonas ist lesenswert, aber für diesmal interessiert sie uns nicht.

In der Nacht von Sonntag auf Montag gab es eine neuerliche Rettung durch einen Wal: Eine U-Bahn überfuhr kurz nach Mitternacht aus noch unbekannten Gründen den Prellbock am Ende des Bahnhofs De Akkers in Spijkenisse (bei Rotterdam). Dahinter geht es etwa zehn Meter in die Tiefe – was für eine Katastrophe!

Doch die Bilder von der wundersamen Rettung sind wirklich erstaunlich: Die Bahn kam auf einer großen Skulptur einer Walflosse zum Stillstand. In zehn Metern Höhe schwebt die U-Bahn zwischen Walflosse und der in dieser Höhe gebauten Endstation der Metrolinie. Gerettet in größter Not! Wahrhaftig ein Wunder. Wie bei Jona. Offenbar wurde niemand verletzt, die Bahn war bis auf den Fahrer leer, denn sie sollte nach Dienstschluss dort abgestellt werden. Also, natürlich nicht auf der Walfischflosse, sondern kurz davor. 

Auch der Architekt der Anlage, Maarten Struijs, sprach von einem "Wunder". Gedacht waren die Flossen als ein Zeichen, dass hier etwas Neues beginne: Nämlich die vor 20 Jahren eingeweihte U-Metrolinie Richtung Rotterdam. Nun waren die Walflossen die Rettung für den U-Bahn-Fahrer. Bis jetzt ist allerdings nicht bekannt, dass der Fahrer sich nun als Prophet betätigen würde. Aber möglicherweise wird er in seinem zukünftigen Leben den 2. November als "zweiten Geburtstag", als Tag seiner Rettung, feiern. Und manche Menschen sollen ja nach einer derartigen Rettung aus höchster Not auch ihr Leben geändert haben. Vielleicht wäre das mit dem "Leben ändern" für uns alle wichtig – auch ohne Wal. Was würden Sie tun, wenn Sie wie durch ein Wunder gerettet wurden?

Und warum tun Sie's nicht auch so? Sie haben – entschuldigen sie das schlechte Wortspiel – die Wahl.

 

weitere Blogs

Flaggen-Vielfalt in Europa
Kommunen und Kreise in Polen erklären sich zu "LGBT-freien Zonen", Ungarn schreibt die Diskriminierung von Queers in der Verfassung fest - und die EU-Kommission veröffentlicht eine "Strategie für die Gleichstellung von LGBTIQ-Personen". Zugleich versuchen Polen und Ungarn durch ihr Veto zum EU-Haushalt Sanktionen wegen Verletzung grundlegender Rechtsstaatsprinzipien zu verhindern. Kann die EU-Kommission Vielfalt, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit überhaupt noch garantieren -. oder hat sie die "Seele Europas" längst schon verkauft?
Was uns Corona beschert, was meinen Vorfahren ihre Zeit bescherte und was am Horizont auftaucht
Inspekteure der italienischen Küstenwache ("Guardia Costeria") haben eine "Porte State Control", eine Art technische Inspektion, auf der "Sea-Watch 4 durchgeführt.
Nach einer elfstündigen Inspektion des Rettungsschiffes fanden die italienischen Kontrolleure nach ihrer Ansicht 22 Mängel, die vor einem neuen Auslaufen der "Sea-Watch 4" behoben werden müssen. Die Festsetzung ist keine Überraschung für die Crew, schildert Constanze Broelemann aus Palermo. Die Behörden hätten schon in der Vergangenheit die Praxis der expliziten Fehlersuche gewählt, um Schiffe von Nichtregierungsorganisationen (NGO) an die Kette zu legen.