Kirche: Du kommst hier nicht raus!

Kirche: Du kommst hier nicht raus!
Kirche als Escape-Room

Ein ziemlich cooles Spiel verbreitet sich seit einiger Zeit: Die Escape-Rooms. Zuerst dachte ich, das sei so etwas wie ein Panikraum, also ein sicherer Ort, an den man bei Gefahr flüchten kann. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Ein Escape-Room ist ein Raum, aus dem man zu fliehen versucht. Eine Gruppe von Spielerinnen und Spielern lässt sich – oft auch nur symbolisch – irgendwo einsperren, um dann einen Weg zu finden, sich wieder zu befreien. Dazu sind dann verschiedene Aufgaben zu erledigen und Rätsel zu knacken. Spannend und sicher auch lustig, so etwas in einer Gruppe mit Freunden zu machen!

Je ungewöhnlicher der Ort, desto packender ist natürlich das Erlebnis. Ein altes, verwunschenes Haus bietet da sicher ein anderes Erlebnis als eine moderne Turnhalle, auch wenn die ebenso die Heimat interessanter Fluchtversuche sein kann.

Aber warum nicht gleich eine Kirche? So manche Konfirmandin, mancher Konfirmand hatte sicher schon mal sonntagmorgens den Gedanken: "Wie komm ich hier am schnellsten wieder raus?" Kann man doch auch ein Spiel draus machen!

Die Stadtkirche Langen war mit ihrem kirchlichen Escape-Room letzten Monat groß in der Presse – urlaubsbedingt bei uns ein wenig später. Die haben das auch wirklich sehr schön umgesetzt: Mit einem biblischen Thema, nämlich den zehn Plagen des Alten Testaments. Das alles mitten in der Kirche, die allerdings nicht wirklich abgesperrt wurde.

Die ersten, die einen Kirchen-Escape-Room eingerichtet haben, waren sie aber bei weitem nicht. Bereits im Lutherjahr 2017 gab's ein Düsseldorf einen ökumenischen "Luther-Escape-Room", der allerdings zugegebenermaßen nicht innerhalb einer Kirche lag, sondern in einem Container, dessen Inneres Luthers Studierstube nachempfunden war. Die evangelische Kirchengemeinde Wiedenest bietet gleich drei verschiedene Escape-Rooms an, und zwar im kommenden Oktober. Alle drei Themen sind aber nicht wirklich christlich, und die Aktion ist im Gemeindehaus gelegen. Auch in Büsum scheint es laut Google mal so etwas gegeben zu haben, auf der Homepage findet sich dazu aber nichts mehr.

"Du kommst hier nicht raus!": Für manche, die wie das Kaninchen vor der Schlange auf die sinkenden Mitgliederzahlen starren, sieht das aus wie die Lösung aller Probleme. Alle, die aus der Kirche raus wollen, müssen erst mal in einen Escape-Room. Und wer die Lösung nicht innerhalb von 0,75 Millisekunden raus hat, kann halt auch nicht raus. Tut uns Leid. Sie hatten ja die Möglichkeit. Wollen Sie nicht noch ne Runde mit uns?

Ein kurzer Moment des verschmitzten Träumens sei uns doch mal gewährt. Aber in Wirklichkeit ist so ein Kirchenaustritt doch sowieso schon schwierig genug. Wer weiß denn schon als Normalsterblicher, dass der Austritt nicht beim Pfarramt zu erfolgen hat, sondern in einer staatlichen Behörde, die je nach Bundesland auch noch unterschiedlich sein kann und die für diese Handlung auch noch eine Gebühr verlangt? Nein, ernsthaft, da können wir als Kirche nichts dafür. Das hat der Staat so festgelegt, eigentlich, um Menschen des Austritt leichter zu machen, denn sie müssen dafür keinen Kontakt mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin aufnehmen.

Jeder Austritt schmerzt. Und Escape-Rooms werden die Austrittswelle nicht bremsen. Oder doch? Wenn wir fröhlicher und spielerischer umgehen mit den Menschen, denen wir unsere Botschaft erzählen wollen – vielleicht ist das ja der richtige Weg? 

Niemand wird sich wohl durch den Besuch eines Kirchen-Escape-Rooms davon abhalten lassen, aus der Kirche auszutreten, wenn er oder sie das wirklich will. Aber vielleicht ist es dann doch die Gemeinschaft in der Gruppe, der Kontakt zu einer freundlichen Kirchenmitarbeiterin, eine Frage, die einen berührt und die etwas Neues in Gang setzt in einem Menschen. Ja, und vielleicht wirkt ja sogar mal der Heilige Geist in einer zugesperrten Kirche. Er weht ja bekanntlich, wo er will. Wir müssen ihn nur lassen – und ihn nicht in der Kirche einsperren.

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Ein Mann, der sich nie getraut hat, seine Liebe zu leben, stirbt, verzerrt von Kummer über das Verpasste. Angesichts solchen Leidens fühle ich mich manchmal hilflos. Doch Gottes Trost wirkt über den Tod hinaus. Der Herr bleibt unsere lebendige Hoffnung, auch im Leben nach dem Tod.
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