In Österreich ist der Papst evangelisch

In Österreich ist der Papst evangelisch
Zumindest für die Zeitung „Der Standard“

Eigentlich war es evangelischerseits keine Meldung, denn es galt als Privatsache des österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen: Bereits vor Monaten ist er – nach einem Austritt vor langer Zeit, als er sich über einen örtlichen Pfarrer geärgert hatte – wieder in die evangelische Kirche eingetreten. Natürlich freuen wir uns über solche Berichte, müssen sie aber auch nicht immer an die große Glocke hängen.

Offenbar hat van der Bellen mit etwas Verspätung nun aber selbst im Gespräch mit Pressevertretern diesen Umstand erwähnt – neben vielen anderen Themen, etwa der Neuregelung der österreichischen Mindestsicherung, vergleichbar mit Hartz IV.

Für die Zeitungen wurde natürlich diese Meldung der Aufhänger: "Rückkehr des verlorenen Sohnes" titelte die Zeitung "Der Standard" und wies auch völlig korrekt darauf hin, dass er in die evangelische Kirche A.B. eingetreten sei: Die "evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses", wie sie in Österreich, aber beispielsweise auch in Rumänien und vielen weiteren osteuropäischen Staaten heißt. So weit, so gut. 

Doch für's Internet braucht's halt irgendwie zu jedem Artikel ein illustrierendes Foto. "Van der Bellen beim Unterschreiben seines Wiedereintritts" stand leider nicht zur Verfügung, und an der Zeitmaschine, die einen Fotografen zu diesem Termin befördert hätte, war mal wieder der Fluxkompensator defekt. Also halt "irgendwas mit Bellen und Kirche". Und siehe da: Das Archiv förderte prompt ein Foto ans Tageslicht. War halt nicht wirklich evangelisch, sondern ein Bild mit dem Papst. "Symbolfoto" nennt man so was. Immerhin wiesen sie sogar in der Bildunterschrift darauf hin: "Alexander Van der Bellen besuchte im November 2017 den Papst. Eingetreten ist Österreichs Bundespräsident trotzdem nicht in die katholische, sondern in die evangelische Kirche." Die Botschaft des Neuen Testaments sei ihm eben doch wichtig.

Was lernen wir daraus? 

  1. Jeder Text im Internet braucht irgendwie ein Foto. Und sei es ein an den Haaren herbeigezogenes Symbolbild.
  2. Der Papst ist evangelisch, jedenfalls in Österreich. 
  3. Ein Besuch beim Papst macht auch nicht katholisch, sondern evangelisch.
  4. Auch dieser Blog hat ein Symbolfoto, und wenn Sie nicht verstehen, was das alles hier mit einem alten VW-Bus zu tun hat, lesen Sie einfach hier nach, wie es dazu kam.

weitere Blogs

Eine Buzzfeed-Recherche über die kriminellen Methoden der Firma Ads Inc. zeigt, wie weit es mit der totalen Entgrenzung in unserer Welt schon ist.
Eine gezielte Veränderung der sexuellen Präferenz ist nicht möglich. Auch nicht durch Therapie. Trotzdem wehren sich Menschen aus dem christlich- fundamentalistischen Lager vehement gegen ein Verbot solcher pseudotherapeutischer Verfahren. Ihre Argumente bleiben dabei haltlos und verweisen vielmehr auf die pathologisch anmutenden Zustände in vielen ihrer eigenen Gemeinden.
Beten hilft. Was für ein lapidarer Satz von einer, die glaubt. Wie arrogant er daherkommt! Wie überheblich. Wie muss er erst Leuten erscheinen, die nicht glauben?
... bleibt ein spannendes Echtzeit-Experiment: weil völlig unklar ist, was daraus wird. Die letzte Medienkolumne auf evangelisch.de.