Begräbnis mit Notdienstrichtereinsatz

Begräbnis mit Notdienstrichtereinsatz
Eine etwas größere Beerdigung führte zu lautstarken Konflikten

Die Meldung ist zwar schon ein wenig älter, aber was sind schon zwei, drei Monate in Anbetracht unserer Hoffnung auf ein ewiges Leben. So sei uns verziehen, dass wir jetzt erst auf die Meldung von einer Beerdigung reagieren, die, na ja, sagen wir mal: Ein wenig aus dem Ruder gelaufen ist. 

Also: Es war einmal vor langer Zeit, genauer gesagt: Mitte November 2018, also in bester kirchenjahreszeitlicher Trauerstimmung, als ein wirklich sehr großes Begräbnis in Feldkirchen (Bayern) anstand. So groß, dass die Kirche des Ortes die Massen überhaupt nicht fassen konnte. Was tun? In der heutigen Zeit sehr einfach: Man stelle ein paar Lautsprecher auf dem Friedhof auf, so dass auch alle, die keinen Platz mehr gefunden haben, trotzdem der Trauerfeier folgen können.

Alles kein Problem – wären da nicht die lieben Nachbarn gewesen. Genauer gesagt: Einer. Der fühlte sich durch die Lautsprecherdurchsagen offensichtlich in seinem heiligen Recht auf ewige Ruhe gestört (kleine Verwechslung am Rande: Das mit der ewigen Ruhe ist normalerweise der IM Sarg, nicht der Nachbar im Haus neben dem Friedhof.) Klar hätte er das auch einfach abtun können mit "Na ja, ist sicher bald wieder vorbei, lassen wir die mal, kommt ja schließlich nicht so sehr oft vor." Doch so geduldig konnte er die Prozedur nicht über sich ergehen lassen und ging zum Gegenangriff über, mit durchaus schlagkräftigen Argumenten: Er übertönte die Lautsprecher kurzerhand mit Heavy-Metal-Musik. Leiser war das jetzt wohl auch nicht gerade, und Krach gegen Krach ist auch nicht gerade ein Mittel zur Deeskalaton, aber das war wohl auch nicht so gemeint.

Nun habe ich als Pfarrer zwar auch schon mal ein Metal-Stück zur Grundlage meiner Beerdigungsansprache genommen – ja, es gibt auch in der Metal-Szene wunderschöne, ruhige Stücke – doch dürfte es weniger in der Intention des Metal-Nachbarn gelegen haben, einen wichtigen Gedanken zur Trauerrede beizutragen.

Wenn schon eskalieren, dann richtig: Der renitente Metal-Musiker reagierte auf kein Klingeln, kein Klopfen, kein Bitten. Schließlich wurde sogar ein Notdienstrichter eingeschaltet, um eine Genehmigung zum Öffnen der Tür durch die Feuerwehr zu erwirken, doch schließlich machte er dann doch auf. Im Anschluss müssen wohl einige ziemlich böse Worte gefallen sein – jedenfalls gab es laut Meldung nicht nur eine Anzeige wegen Störung der Totenruhe, sondern auch wegen Beleidigung. Ja, bei so einer Beerdigung gehen die Emotionen hoch.

Zu meiner Schande muss ich ja gestehen, dass ich unfreiwillig und unwillentlich schon mal in einer vergleichbaren Situation war. Wir hatten mit etwa 150 Konfirmandinnen und Konfirmanden in einer Turnhalle übernachtet und feierten am späten Sonntagmorgen einen Jugendgottesdienst mit ziemlich lauter Jugendband. Dass gleich auf der anderen Straßenseite am Volkstrauertag eine Gedenkfeier am örtlichen Kriegerdenkmal stattfand, hatten wir in unserer Planung leider nicht bedacht. Zwar gab es nicht gleich einen Polizeieinsatz, aber doch recht säuerliche Gesichter der an der Feierlichkeit teilnehmenden Prominenz. Zumal wir ja kein Fettnäpfchen ausgelassen haben: Die Band spielte mit Inbrunst Highway to Hell …

weitere Blogs

Eine gezielte Veränderung der sexuellen Präferenz ist nicht möglich. Auch nicht durch Therapie. Trotzdem wehren sich Menschen aus dem christlich- fundamentalistischen Lager vehement gegen ein Verbot solcher pseudotherapeutischer Verfahren. Ihre Argumente bleiben dabei haltlos und verweisen vielmehr auf die pathologisch anmutenden Zustände in vielen ihrer eigenen Gemeinden.
Beten hilft. Was für ein lapidarer Satz von einer, die glaubt. Wie arrogant er daherkommt! Wie überheblich. Wie muss er erst Leuten erscheinen, die nicht glauben?
Auch der Terrorist von Halle hat seinen Angriff auf die Synagoge live gestreamt. Es sind die neuen Bekennerschreiben - und wirksam verhindern lassen sie sich nicht.
... bleibt ein spannendes Echtzeit-Experiment: weil völlig unklar ist, was daraus wird. Die letzte Medienkolumne auf evangelisch.de.