Ich leg's dann mal ins Fach.

Ich leg's dann mal ins Fach.

Gibt es diese Postfächer, die man dann bei jeder Gelegenheit selbst leeren muss, eigentlich auch anderswo? In unserem Dekanat (wer nicht weiß, was das ist: So eine Art Kirchenbezirk, bestehend aus mehreren Kirchengemeinden) jedenfalls gibt es eine ganze Schrankwand mit Fächern, für jede Gemeinde eines.

Da kommt alles rein, was für die Gemeinde wichtig ist und in Papierform verteilt wird. Einladungen zu Stehempfängen. Einladungen zu Festveranstaltungen. Einladungen zu Einweihungen. Veranstaltungsflyer, die bitte verteilt werden sollen. Plakate, die bitte aufgehängt werden sollen. Zeitschriften für Mesner, Sekretärinnen, Kirchenvorsteher, Umweltbeauftragte, Missionsbeauftragte, Diakoniebeauftragte, Kindergartenbeauftragte..., die bitte verteilt werden sollen. Fortbildungsverzeichnisse der verschiedensten Anbieter, die bitte verteilt werden sollen. Die Monatszeitschrift des Vereins für christliche Mohrrübenevangelisation, der bitte in einer Auflage von 100 Stück in der Kirche ausgelegt werden soll. Flyer vom Pizzataxi, die bitte im Jugendhaus ausgelegt werden sollen (nein, das ist übertrieben: Das nimmt die Dekanatssekretärin nicht an). Post vom Landeskirchenamt (was wirklich wichtig ist, kommt allerdings per Mail). Werbung für Kirchenbänke, Orgeln, Kindergartenmobiliar (nein, auch das ist übertrieben: Die kommen per Post).

Kurz: Ich hätte nie gedacht, dass ein so großer Anteil meiner Arbeitszeit als Pfarrer daraus bestehen würde, Papier zu sortieren, wegzuschmeißen, aufzuhängen oder weiter zu verteilen. Und trotzdem befülle auch ich eifrig die Fächer der Kolleginnen und Kollegen mit meinen eigenen Werbematerialien – vielleicht erbarmt sich ja einer und hängt tatsächlich ein Plakat von mir auf. Die Plakate für einen Gottesdienst Ende Juli hatte ich, so weit ich mich erinnern kann, irgendwann im Juni in die Fächer gelegt. Manche liegen da noch heute.

Damit es nicht so langweilig wird, ist zwischen diesen ganzen Materialien natürlich auch mal die eine oder andere wichtige Mitteilung. Allerdings sollte man schon beachten: Mindestens einen Monat muss man einrechnen, damit die Nachricht auch wirklich ankommt. Manche Landgemeinden haben ja auch wirklich einen langen Weg in die Zentrale und Besseres zu tun, als ein, zweimal die Woche ihr Fach zu leeren. Besser, zuverlässiger und schneller ist da doch die Post. Zum Glück hat ja fast jede Kirchengemeinde eine Postfachadresse.

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