Wegbereiter der Normalität...

Guido Westerwelle

Foto: dpa/Hannibal Hanschke

Guido Westerwelle war offen schwul - auch als Außenminister. Grund genug für einen weiteren Nachruf, findet Wolfgang Schürger.

Nachrufe auf Guido Westerwelle gibt es gut zwei Wochen nach seinem Tod in Fülle. Die Ansprachen bei dem ökumenischen Trauergottesdienst am letzten Samstag in Köln und bei der Trauerfeier im Außenministerium gestern in Berlin sind ebenfalls gut im Netz zu finden (auch über die Suchmaschine von evangelisch.de). Dennoch: Auch auf kreuz & queer möchte ich noch einmal an Guido Westerwelle erinnern.

In den Berichten über die Trauerfeier im Außenministerium heißt es fast beiläufig, dass auch sein Lebenspartner Michael Mronz anwesend war, die BILD spricht völlig selbstverständlich von Westerwelles "Witwer". Westerwelle konnte polarisieren und provozieren - Angela Merkel hat in Köln bei ihrem sehr persönlichen Rückblick davon gesprochen, dass ihr vertrauter Freund sie auch zur Weißglut bringen konnte.

Wenn es aber um gleichgeschlechtliche Partnerschaften ging, dann haben Guido Westerwelle und Michael Mronz es ganz offensichtlich hervorragend verstanden, ihre Beziehung mit einer großen Unaufgeregtheit und Selbstverständlichkeit auch auf dem politischen und diplomatischen Parkett zu leben. Ich erinnere mich noch gut an Reaktionen zu Westerwelles erster Ernennung, in denen konservative Menschen ihre Befürchtung zum Ausdruck brachten, dass ein offen schwuler Außenminister das Ansehen der Bundesrepublik beschädigen würde. Doch Westerwelle war hoch geschätzt - auch in Regionen dieser Welt, in denen Lesben und Schwule immer noch gesellschaftlich benachteiligt oder geächtet sind. Obwohl Mronz und er auch bei Reisen in diese Länder ihre Partnerschaft nicht versteckt haben...

Dass der liberale, schwule Politiker dabei bis zum Ende seines Lebens auch Mitglied der evangelischen Kirche war, ist mir - und vielen anderen vermutlich auch - erst anlässlich des Trauergottesdienstes wirklich bewusst geworden. Der römisch-katholische Prälat Jüsten und der evangelische Prälat Dutzmann zeichneten beide ein deutliches Bild von einem Menschen, dessen liberale und humanitäre Werthaltung von der christlichen Tradition geprägt war.

Man muss nicht immer mit Guido Westerwelle einer Meinung gewesen sein. Doch als Queers verlieren wir mit ihm einen Politiker, der mit seiner ganzen Art viel dazu beigetragen hat, dass Lesben, Schwule, Transgender und Queers in unserem Land und in vielen anderen Ländern der Erde gleichberechtigt in Partnerschaft leben können.

aus dem chrismonshop

Das chrismon-Familienjahrbuch
Warum beginnt das Kirchenjahr im Dezember? Wie nennen die Astronomen den Morgenstern? Und wie geht noch mal das berühmte Lied dazu? Das neue Jahrbuch für Familien mit kleinen...