Ihre Fragen, unsere Antworten - Folge 49: Was ist eigentlich eine Filterblase?

Ihre Fragen, unsere Antworten - Folge 49: Was ist eigentlich eine Filterblase?
Wissen Sie, was eine Filterblase ist?

Liebe evangelisch.de-Nutzerinnen und -Nutzer,

was ist eigentlich eine "Filterblase"? In meinem Kommentar zu den Landtagswahlen am vergangenen Montag habe ich das Wort ganz selbstverständlich benutzt, aber nicht alle von euch und Ihnen konnten etwas damit anfangen.

"Filterblase" - oder "filter bubbles" - ist ein Konzept, das im Internet an vielen Stellen diskutiert wird und auch in der Beobachtung der AfD auf Facebook eine wichtige Rolle spielt.

Es geht darum, dass die Algorithmen sozialer Netzwerke dafür sorgen, dass dem Nutzer nur eine ganz bestimmte Art von Inhalten zugespült wird, nämlich die, die er besonders mögen oder besonders viel damit interagieren könnte. Das führt dazu, dass man in einer bestimmten Blase liest und keinen Input außerhalb dieser sich selbst bestärkenden Echokammer erhält.

Der Begriff geht zurück auf Eli Pariser, der dazu ein Buch geschrieben hat. Eine Zusammenfassung der Theorie hat er auch in einem TED-Talk von 2011 dargelegt:

Am Wahlabend war sehr deutlich zu sehen, dass in vielen FIlterblasen (zum Beispiel meiner) ganz viel Aufschrei war: "Oh nein, oh nein, die AfD!", obwohl das nicht überraschend war. Und wenn man dann sieht, dass in den eigenen Timelines alle gegen die AfD sind, fragt man sich: Wie konnte das passieren, wir sind doch alle dagegen? Aber das Konzept, wer "alle" ist, wird eben durch soziale Plattformen anders geformt als durch die Kohlenstoff-Öffentlichkeit. Denn im Netz haben die Leute immer das Gefühl, alles mitzukriegen, weil ja alles online ist. Das stimmt aber eben nicht.

In den letzten Wochen sind zwei Texte erschienen, in denen die Autorinnen diesem Phänomen nachgegangen sind: Die Spurensuche von Malte Henk in der "Zeit", in der er auch offline mit AfD-Mitgliedern spricht, und Felice Vagabonde, die sich auf Facebook ein AfD-Pseudonym gegeben hat. Im Ergebnis hat sie die unterschiedlichen Filterblasen als unterschiedliche Welten bezeichnet. Das Internet ist eben nicht überall das gleiche Internet, wenn es um Facebook, Google+, YouTube, Twitter, Instagram und sonstige soziale Medien geht.

So lange die Betreiber dieser Plattformen es nicht als einen Teil ihrer Verantwortung begreifen, Nutzern auch ab und zu Meinungen zu präsentieren, die ihnen nicht von vornherein zusagen, muss man selbst aus dieser Filterblase ausbrechen - ganz bewusst. Das geht auch, indem man bei Journalisten nachliest, die eine andere Haltung als man selbst vertreten, einfach um zu wissen, was da abgeht. Sonst gerät jeder in Gefahr, ein Weltbild zu inhalieren, das den eigenen Horizont mit jedem Post kleiner macht.

Ich wünsche ich euch und Ihnen ein gesegnetes Wochenende!


Wenn Sie weitere, andere oder neue Fragen zu evangelisch.de oder unseren Themen haben, sind die Redaktion und ich auf vielen verschiedenen Kanälen erreichbar:

- unter diesem Blogeintrag in der Kommentarfunktion

- evangelisch.de auf Twitter unter @evangelisch_de

- ich selbst auf Twitter unter @dailybug

evangelisch.de auf Facebook

E-Mail für alle inhaltlichen Fragen und Anregungen

Alle Fragen zu Kirche und Glauben beantwortet Ihnen unser Pastor Frank Muchlinsky auf fragen.evangelisch.de.

Ich werfe immer am Samstag an dieser Stelle einen Blick auf die vergangene Woche und beantworte außerdem Ihre Fragen zu evangelisch.de, so gut ich kann. Ich wünsche euch und Ihnen einen gesegneten Start ins Wochenende!

aus dem chrismonshop

Das chrismon-Familienjahrbuch
Warum beginnt das Kirchenjahr im Dezember? Wie nennen die Astronomen den Morgenstern? Und wie geht noch mal das berühmte Lied dazu? Das neue Jahrbuch für Familien mit kleinen...

weitere Blogs

Das erfolgreiche Ja zur eigenen sexuellen Identität ist für viele Queers wie eine neue Geburt. Wolfgang Schürger denkt in der Woche des Sonntags, der die neue Geburt in seinem Namen trägt, über das Verhältnis von christlichem Glaube und sexueller Identität nach.
Viele glauben an eine Kraft, die einem überall entgegenkommen kann. Die ist sehr groß, und man hat dafür keine Verantwortung. Sowas glauben eine Menge Menschen. Aber deswegen glauben sie noch nicht an einen persönlichen Gott. Wie gehört eins zum anderen?
österlicher Wackeljesus
Auslaufen der "Sea-Watch 4"
Das von der Evangelischen Kirche initiierte Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 4" startete im Sommer seine Mission im Mittelmeer. Für evangelisch.de schrieb die Journalistin Constanze Broelemann in ihrem Blog "Seenotizen": "Wir sind auf See. Endlich. Gut vorbereitet, nimmt die "Sea-Watch 4" Kurs auf die libysche Küste. Ich nutze die Zeit vor den ersten Rettungsmanövern, um mit einigen meiner Crew-Mitglieder über ihre Motivation für die Mission zu sprechen."