"Das alles und noch viel mehr, würd ich machen, wenn ich König von Deutschland wär", singt Rio Reiser in einem seiner bekanntesten Lieder. Die Lottozahlen eine Woche vorher sagen? Jeden Tag im Jahr Geburtstag haben? Was würdet ihr tun, wenn ihr für einen Tag Königin oder König wärt? Gleichberechtigung, bezahlte Care-Arbeit, jegliche Gender-Gaps schließen? Mir würde da einiges einfallen, was ich ändern würde, wäre ich einen Tag Königin.
Am Dreikönigstag kann man tatsächlich für einen Tag Königin oder König sein. Also so theoretisch. Zu Hause. In den eigenen vier Wänden. Und natürlich nur, wenn man das richtige Stück Kuchen erwischt. Der Königskuchen ist ein traditionelles Gebäck, das zu Epiphanias, dem Erscheinungstag des Herrn und dem Festtag der Heiligen Drei Könige gebacken wird. In diesem Kuchen wird traditionell eine Bohne versteckt. Und wer sie entdeckt, darf an diesem Tag das Land oder zumindest das Zuhause regieren.
Zum ersten Mal schriftlich erwähnt, wurde der Kuchen im 16. Jahrhundert. Der Bohnen-Brauch aber ist schon sehr viel älter und geht mindestens bis auf die Zeit der Römer, vielleicht sogar auf die Zeit der alten Griechen zurück. Was genau der Dreikönigskuchen ist, variiert von Region zu Region bzw. von Land zu Land. So ist er im Süden Frankreichs, der Schweiz, Portugal oder Spanien ein süßer Hefeteig, der zu einem Kranz oder einer Blumenkrone geformt wird. In Nordfrankreich und hier im Elsass, wo ich lebe, da ist die Galette des Rois ein Blätterteigkuchen mit einer Mandelcreme, der Frangipane.
Und hier gibt es auch wirklich ein strenges Protokoll, wie man den eigentlich eher schlichten Kuchen zu essen hat! Und dafür muss das jüngste Kind des Hauses unter den Tisch. Was zunächst wie eine Bestrafung klingt, ist eigentlich nur ein Mittel zur Gerechtigkeit. Denn während oben der Kuchen in genauso viele gleich große Stücke geschnitten wird, wie Gäste am Tisch sitzen (plus einem "Gottesanteil"), entscheidet das Kind unten blind, an wen das nächste Stück ausgeteilt wird.
Dann die große Frage: Wer bekommt die Bohne? Ein echtes Überraschungsmoment für Groß und Klein. Denn war die Bohne früher wirklich noch eine ungekochte Bohne, ist sie heute meist eine kleine Porzellanfigur, die in vielen Familien sogar gesammelt wird. Zudem darf der oder die Sieger:in die goldene Papierkrone aufsetzen, die bei gekauften Kuchen immer dabei ist, aber auch bei einer selbstgebackenen Galette nicht fehlen darf.
Seit ich im Elsass wohne, komme ich um diese Tradition natürlich auch nicht herum, aber selbst gebacken habe ich die Galette des Rois bisher auch noch nie. Dabei braucht es dafür wirklich keine göttliche Erleuchtung, sondern nur einen guten, buttrigen Blätterteig. Und dann kann man es sich entweder leicht machen, die Konditorcreme weglassen und die Galette nur mit Frangipane füllen oder man macht es eben richtig und bereitet eine Konditorcreme zu, die den Kuchen cremiger (und besser) macht.
Zutaten:
2 runde Blätterteige mit ca. 25 cm Durchmesser
Alternativ 2 Rollen Blätterteig, aus denen Kreise ausgeschnitten werden
Für die Konditorcreme:
1 Eigelb
30 g Zucker
1 Päckchen Vanillezucker
1 Prise Salz
1 EL Speisestärke
120 ml Milch
Für die Frangipane:
50 g Butter
75 g Zucker
2 Eier
125 g Mandelpuder oder fein gemahlene Mandeln
nach Belieben Rum, einige Tropfen Orangenblüten- oder Bittermandelöl
Puderzucker zum Bestreuen
1 goldene Papierkrone
1 "Feve", kleine Porzellanfigur oder traditionell eine ungekochte Bohne
Zubereitung:
1.) Für die Konditorcreme Eigelb, Zucker, Vanillezucker und Salz schaumig schlagen, bis eine helle Masse entsteht. Die Speisestärke unterrühren. Die Milch erhitzen. Einen Teil der heißen Milch unter Rühren zur Eier-Zucker-Masse geben, dann alles zurück in den Topf gießen und unter weiter rühren, bis die Creme eindickt.
Die Creme auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech streichen und mit Frischhaltefolie bedecken, damit sich keine Haut bildet. Ihr könnt die Masse natürlich auch einfach in eine Schüssel geben, aber auf dem Blech kühlt sie schneller aus.
Tipp: Wie bereits erwähnt, lassen einige Rezepte die Konditorcreme der Einfachheit halber weg. Ihr könnt sie aber auch durch 150 g Apfelmus ersetzen. Eine Prise Zimt dazu und ihr habt eure ganz eigene Variante des Dreikönigskuchens.
2.) Für die Mandelcreme Butter und Zucker schaumig schlagen. Ein ganzes Ei, sowie ein Eiweiß unterrühren (das Eigelb nicht wegwerfen, das brauchen wir nachher noch!). Nun das Mandelpuder unterheben. Nach Belieben mit Rum, Orangenblüten- oder Bittermandelöl aromatisieren.
3.) Die abgekühlte Konditorcreme unter die Mandelcreme rühren.
4.) Einen Blätterteigkreis auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und die Creme gleichmäßig auf dem Teig verteilen. Dabei einen 2 cm breiten Rand lassen.
5.) Jetzt kommt der wichtigste Teil: die Feve! Die drücken wir jetzt nahe am Rand in die Creme, sodass wir sie beim Schneiden später nicht erwischen.
6.) Den freigelassenen Rand mit etwas Wasser befeuchten. Den zweiten Blätterteigkreis über den ersten legen und die Ränder zusammendrücken. Nur nicht so fest drücken wie ich, sonst geht der Teig am Rand nicht so schön hoch, wie er eigentlich soll. Jetzt kommt der kreative Teil: Mit einem scharfen Messer kann man nun nämlich verschiedenste Muster in den Teig ritzen und wenn ihr noch Blätterteigreste habt, weil ihr rechteckige Teige hattet, dann könnt ihr daraus Herzen, Blumen, Blätter etc. ausstechen und den Teig damit verzieren.
7.) Den Kuchen nun mit dem aufgehobenen Eigelb bestreichen und noch einmal eine halbe Stunde kalt stellen. So geht der Teig nachher besser auf. Bei 180 Grad im vorgeheizten Ofen ca. 30 – 35 Minuten goldgelb backen. Sollte der Teig schon vorher drohen zu dunkel zu werden, mit Alufolie abdecken.
Die Galette des Rois genießt ihr am besten noch lauwarm und – falls euer Muster jetzt nicht so wunderschön ist – mit mehr oder weniger Puderzucker bestreut. In Frankreich gibt es dazu statt Kaffee gern mal ein Glas süßen Wein oder halbtrockenen Champagner. In diesem Sinne: Santé!
Und auch wenn die Galette in unserem Nachbarland den ganzen Januar über genossen wird, so passt doch Epiphanias auch inhaltlich am besten zu dem Gebäck. Denn die Heiligen Drei Könige sind ja auch nicht nur zum Stall spaziert, haben ein paar Geschenke da gelassen und sind wieder abgehauen, sondern sie sind zusammengekommen, haben erzählt, vielleicht gelacht und auf jeden Fall den gefeiert, der uns geboren ist. Also lasst uns die Galette teilen und hoffen, dass die kleine Porzellanfigur nicht gerade im Gottesanteil steckt. Denn wer ist denn dann König?
Geht gesegnet und gesättigt in diesen Tag.