Glaube und Theologie

Wissenschaft, Überlieferung, Auslegung, Diskussion, Bibel und zentrale Texte - nur einige Facetten der Theologie.
Lieber Herr Muchlinsky,

ich schätze Sie und Ihre Arbeit hier sehr, finde ich ganz toll, bin ein großer Fan. Ich habe heute eine, ja, Laien-Frage zur Gottesbeziehung, wie man alleine aus ihm mit allem fertig wird. In meinem Leben läuft gerade etwas ganz gewaltig schief. Ich halte das im Grunde nicht aus. Seit Jahren ging es mir dreckig, eine Weile lang habe ich Hoffnung auf ein friedlicheres Dasein geschöpft und darauf, Akzeptanz und Freunde zu finden.

Als ich vor über einem Jahr danach gefragt habe, was bietet eigentlich das Christentum als Hilfe an, wie ist das mit dem Gottvertrauen, da habe ich mühsam begreifen sollen - so schien es mir - dass im Zweifelsfall bloß Gott hilft. Aber dazu braucht man doch - wie es uns durch Jesus auch so ermöglicht wurde durch Gott - menschliche Bilder und Vorstellungsvermögen. Ich denke mir, die können emotionale Impulse setzen, in der Not auf Gott zu vertrauen und durchzuhalten. Und sich dadurch anders zu verhalten, dass man vielleicht wieder menschliche Anerkennung findet. Oft habe ich, (wenn eben auch fälschlicherweise) den Eindruck, fast niemand würde mich auf Dauer mögen können, und ich habe Angst, Menschen, wieder zu verlieren, ich versuche es seit Jahren. Und prof. Hilfe hilft auch nicht, das greift zu wenig. Wenn es mir gut geht und ich konnte Gott dann danken, fühlte ich mich fast schon schäbig, weil ich dachte, das ist ja einfach....

Aber egal, ob das nun psychologische Zusammenhänge sind, ich dachte mir, Gott freut sich ja mit mir, was auch immer er bewirkt, oder was nicht, man weiß es nicht, wenn ich mich auf ihn konzentriere und es geht mir dann besser, freut er sich. Und ich halte es tatsächlich möglich, dass er etwas bewirken kann, es ist sein Versprechen. Aber nun zweifle ich an dieser Theorie. Es geht einfach nicht ohne ein menschliches Gegenüber. Nur im Tod ist man ohne diese emotionale Verstricktheit, ohne den Zwang der seelischen Folter bei Depression und Kummer wirklich in der Verfassung Gott ganz zu gehorchen. Aber da man nach Gottes Wille leben soll, wäre man dann ja in der Hölle, was ja dann kein Trost ist, sondern wenn man denkt, es gäbe ein Weiterleben, wäre man in der Hölle.

Wie funktioniert also Gott, wenn es mir abgrundtief schlecht geht, das ist meine Frage an Sie. Ich sah es bisher als Impulsgebung, als Bilder, die Menschen sich machen dürfen und Hoffnung, die sie von Gott erhoffen dürfen, wenn man seine Existenz als Angebot annimmt. Wenn man auch nicht weiß, was er macht und was nicht, er freut sich mit einem, wenn man es im Vertrauen auf ihn schafft. Aber nach jahrelangem Leid bin ich mittlerweile verzweifelt. Ich kann nicht mehr und will an Gott festhalten, aber es geht nicht. Ich will es natürlich und will lernen, mit weniger zufrieden zu sein, wenn es sein muss. Und ich brauche Gott, ich klammere mich da geradezu an ihn. Aber wie kann ich ihn bloß spüren? Wie nur?  Ich dachte es geht, wenn ich es mir ganz arg vorstelle. Er ist komplett anwesend immer, wenn auch abstrakt. Dass er meine Sorgen von mir weghält, weil er mich mag. Aber das bricht mir weg. Mir taten auch andere Menschen in Not diesbezüglich immer so leid, weil ich das gut nachvollziehen kann. Was raten Sie?

Ich würde mich echt sehr freuen, wenn Sie mir die Frage beantworten können Ich finde das ganz toll, was hier alles gerade so geboten wird. Wie spürt man im Leid, dass Gott da ist? Kann ich überhaupt im Leid Gott für mich in Anspruch nehmen? Es wäre mir furchtbar wichtig. Herzliche Grüße!