Debatte um Frischs Aussagen geht weiter

Studenten der Humanmedizin sitzen in einer Vorlesung
Jan Woitas/dpa
Was darf ein Hochschulprofessor öffentlich sagen? Daran hat sich in der evangelischen Kirche und an den Universitäten eine hitzige Debatte entzündet.
Kirchenkritik als Jobprofil
Debatte um Frischs Aussagen geht weiter
Der wegen seiner Aussagen von der eigenen Hochschulleitung kritisierte Nürnberger Theologie-Professor Ralf Frisch bekommt weiter Beistand: Sein Professoren-Kollege Jörg Lanckau will sich nicht von ihm distanzieren, auch wenn er anderer Ansicht ist.

Der Bibelwissenschaftler Jörg Lanckau hat sich mit seinem scharf kritisierten Professoren-Kollegen an der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN), Ralf Frisch, solidarisiert - und ihm zugleich inhaltlich widersprochen. Eine demokratisch verfasste Kirche lebe vom Diskurs, schreibt Professor Lanckau in einem Beitrag zur Debatte über Frischs Aussagen in einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Es gelte, "nicht nur andere Meinungen auszuhalten, sondern die Vielfalt der Stimmen wertzuschätzen". Er schätze Frisch seit vielen Jahren als "theologisch profilierten und leidenschaftlich streitbaren Menschen", es gebe für ihn daher "keinen Anlass, mich zu distanzieren". Damit nimmt Lanckau Bezug auf eine Mitteilung des EVHN-Präsidiums.

Darin hieß es unter anderem, bei Lesern des epd-Interviews könne durch Frischs Aussagen der Eindruck entstehen, er äußere sich im Auftrag der Hochschule: "Dem ist nicht so", teilte die EVHN weiter mit. Frisch lege in seinen Texten "seine persönliche Position" dar und schreibe sie "nicht im Auftrag der EVHN".

Kirche darf diakonischen Blick nicht verlieren

Professor Lanckau hält die Präsidiums-Stellungnahme für nicht besonders geglückt, wie er auf epd-Anfrage am Mittwoch sagte. Er wolle in seiner persönlichen Wortmeldung "dezidiert versöhnliche" Töne anschlagen, auch wenn er inhaltlich durchaus anderer Ansicht als Frisch sei.

"Das Bekenntnis zu Christus wäre unehrlich und oberflächlich, wenn die Humanität keine Rolle spielt", Kirche und Theologie dürften ihren diakonischen Blick nie verlieren. Gleichwohl tue die "Präferenz ethischer Themen" der Kirche "weniger gut" als beabsichtigt.

Kirchenkritik als Jobprofil?

Bereits am Wochenende hatte Theologieprofessor Günter Thomas von der Ruhr-Universität Bochum Partei für Frisch ergriffen. Frisch habe im epd-Gespräch auf den Theologen Karl Barth und dessen Verständnis von Theologie verwiesen: "Aktive Selbstkritik der Kirche hinsichtlich ihrer Rede von Gott." Pfarrerinnen und Pfarrer hätten über Jahrzehnte "so selbstkritisch Kirche gestaltet". Er frage sich, weshalb die EVHN sich von jemandem distanziere, "der die kirchliche Rede von Gott zum Gegenstand seines kritischen Denkens mache".

Das Präsidium hatte in seiner Stellungnahme geschrieben, anders als Frisch in seinen Kolumnen verstehe die EVHN ihre theologische Aufgabe darin, "durch kreative Korrelationen zu einer menschenfreundlichen Kirche und Gesellschaft beizutragen". Eine offene, demokratische Gesellschaft und damit auch eine demokratisch verfasste Kirche lebe vom Diskurs: "Das bedeutet, andere Meinungen auszuhalten und die Vielfalt der Stimmen wertzuschätzen", anstatt pauschal zu diffamieren, heißt es in der EVHN-Stellungnahme.

Frisch hatte im epd-Gespräch gesagt, es gehöre zu seinem Jobprofil als Theologie-Professor, Kirchenkritik zu üben. Wörtlich sagte er: "Wenn Karl Barth recht hat, dass Dogmatik die Selbstprüfung der christlichen Kirche hinsichtlich der Frage ist, ob diese Kirche eigentlich noch ihrem Gegenstand - dem Evangelium - entspricht, dann gehört das schlicht zu meinem Job." Er setze sich kritisch mit Kirche auseinander, "nicht weil ich sie ablehne oder ihr gar schaden wollte", sondern weil sie ihm am Herzen liege.