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Glaube und Theologie
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
lange schon beschäftigt mich diese eine Frage: Können/dürfen ungläubige Selbstmörder bei Jesus sein?
Ich hatte zwei Freunde, (beide leider nicht bei Jesus gewesen, nach meinem Kenntnisstand), die sich leider selbst getötet haben (beide waren depressiv). Mich treibt diese Frage täglich um; ich habe Angst, dass ich jene zwei Freunde nicht wiedersehen werde. Das macht mich sehr traurig. Einmal habe ich intensiv gebetet, fiel danach in Schlaf und hatte einen sehr realen Traum; - es war eher wie eine Szene, an der ich teilhaben durfte - dort vernahm ich die Stimme eines meiner Freunde, die nur zwei Worte sagte: Trennung und Dunkelheit. Dann vernahm ich eine Stimme von oben her, die sagte: Es gibt keine Dunkelheit, die nicht erhellt werden kann durch Jesus Christus. Es gibt keine Trennung, die nicht überbrückt werden kann durch Jesus Christus. Danach endete der Traum. Es hat sich dergestalt zugetragen. Dies waren eindeutig die Worte, die gesagt wurden. Es klingt wie eine Antwort bzw eine Zusicherung.
Was denken Sie? Ich weiß, dass das Urteil Jesu gerecht ist und sein wird.
Vielen Dank für ihre Antwort.
Herzlichste Grüße
Anne-Kathrin
Lieber Herr Muchlinsky,
gerade eben habe ich folgendes in einer Antwort von Ihnen gelesen (aus 2017):
Ja, wir wissen es nicht, ob wir ins Himmelreich kommen oder nicht. Wir können uns nicht sicher sein, und wir sollen uns auch nicht sicher sein, denn das würde uns träge und selbstgerecht machen. Es würde uns aufblähen wie alle, die sich allzu sicher sind, auf der richtigen Seite zu stehen.
Ich muss sagen, da bin ich gerade sehr erschrocken. Wenn man an die Vergebung der Schuld durch Jesus glaubt, ist man doch im Himmel dabei! Das sagt Jesus ja sogar selbst. Da kann ich mir doch sicher sein, dass ich in den Himmel komme!
Vielleicht habe ich da auch etwas missverstanden. Aber der Text oben von Ihnen macht mich schon traurig jetzt.
Danke für Ihre Antwort.
Herzliche Grüße
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
zunächst einmal vielen Dank an Sie und Ihre KollegInnen für die Pflege diese Forums und die Beantwortung der vielen Fragen. Es ist beruhigend zu lesen, wie viele Menschen doch ähnliche Fragen in allen möglichen Bereichen haben wie man selbst, und dazu schon gleich Antworten zu finden.
Folgende Frage hat sich aber bei mir kürzlich ergeben, als ich aufgrund eines Bibelleseplans auf den Jakobusbrief (genau: Jak 2,14-26 ) gestoßen bin, in dem eine Nachfolge in Form guter Werke gefordert wird.
Diese Stelle bereitet mir doch einige Fragen.
Bisher vertraue ich auf doch sehr auf die Gerechtigkeit, die mir Gott aufgrund des Glaubens und seiner Gnade schenkt. Im Jakobusbrief werden doch sehr die guten Werke eines Christen gefordert. Ist das ein Widerspruch? Was erwartet Gott von mir?
Ich habe nach dem Lesen dieses Textes zu diesem recherchiert und nach Antworten gesucht. Für mich als Laien ergab sich da aber noch keine klare Lösung.
Bei der Recherche erfuhr ich, dass wohl auch schon Martin Luther Probleme mit dem Jakobusbrief hatte, da er gerade den Zuspruch der Gnade aufgrund des Glaubens, wie es in den Paulusbriefen steht, betonte.
Andere Reformatoren hatten wohl nicht so große Probleme damit. Auch scheinen heute Theologen beides eher als Ergänzung anstelle eines Widerspruches zu sehen. Dabei habe ich aber immer noch so einige Probleme:
Mir ist klar, dass sich aus einem wahren Glauben, zu dem auch die Nächstenliebe gehört, auch die gute Werke selbst ergeben. Aber wie weit geht das? Wann kann man sagen, dass man glaubt und diesen Glauben auch lebt?
Wenn ich in meinen Alltag, mein Familien- und Freundesleben, meinem Beruf usw. lebe, sollte ich dann in diesem Umfeld versuchen, die Nachfolge mit der Nächstenliebe zu leben? Oder ruhe ich mich da doch zu sehr aus?
Sollte ich stattdessen mein Leben vollkommen umkrempeln wie die Jünger Jesu oder wie viele Heilige, ursprünglich auch Martin Luther oder andere Menschen (auch heute), die ihr Leben ganz ihrem Glauben und den daraus folgenden guten Werken für ihre Nächsten widmen, indem sie z.B. für Menschen in Not arbeiten? (Bei einigen ging/geht das ja sogar soweit, dass sie dabei sogar ihr Leben dafür aufs Spiel gesetzt haben/setzen, wie Jesus selbst.)
Aber auch im alltäglichen Leben, bekommt man immer wieder mit, wo auch im täglichen Umfeld unterschiedlich großer Hilfsbedarf bei Menschen, die man mehr oder weniger kennt, besteht. Auch dieser nimmt ja oft kein Ende. Daraus ergibt sich andauernd die Frage: Wo und wie kann und sollte ich noch meinem Nächsten helfen? Kann es überhaupt eine „Grenze“ geben um zu sagen: „Jetzt habe ich genug getan.“ Kann man überhaupt irgendwann sagen: "Jetzt habe ich meinen Glauben wirklich gelebt."
Bei meinen Recherchen zur Frage zu Glauben, Gnade und Nachfolge in Werken stieß ich auch auf Dietrich Bonhoeffers Unterscheidung zwischen „billiger“ und „teurer Gnade“. (Dies zu verstehen wurde für mich als Laien schon ziemlich schwer.) Für mich wirkte dies so, dass auch er wohl meinte, dass sich ein Christ nicht einfach auf die Gnade Gottes verlassen solle, sondern dass von einem Christen schon mehr erwartet wird.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir bei diesen Fragen etwas helfen könnten.
Vielen Dank!
Jan