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Glaube und Theologie
Lieber Herr Muchlinsky!
Ich habe ein Video Interview vom aktuellen Leiterkongress der Willow Creek in Stuttgart angeschaut. Interviewt wurde der prominente Redner
Peter Scazzero, Pastor einer Multi ethnischen Gemeinde in New York.
Der Pastor hat mitgeteilt, dass das Willow Konzept unter anderem,
"den Reichtum des klösterlichen Lebens" in die evangelischen Kirchen -Gemeinden bringen soll. Dazu gehören:
1. tägliche "Offizien" (?)
2. feste Gebetszeiten
3. mindestens zwei bis drei Mal beten, als auch
4. "den Sabbat halten"
5. OHA! OHA!
Wenn ich mich richtig erinnern kann, dann ist der Sabbat im Judentum der siebte Wochentag, ein Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden darf. Der Sabbat beginnt wie alle Tage im jüdischen Kalender gemäß Gen 1,5 am Abend und dauert von Sonnenuntergang am Freitag bis zum Eintritt der Dunkelheit am folgenden Samstagabend.
Soll das nun bedeuten, dass ein radikaler sozialer Wandel durch Deutschland weht??? Mit allem Drum und Dran???
Dass also der übliche (verkaufsoffene) Sonntag ein richtiger arbeitsreicher Werktag werden soll? Für Alle, also nicht nur für den Sonntags-Bäcker,.....usw.?
Dann werden wohl bald, ab Freitagabend bis Samstagabend, andere Gesetze gelten? Sabbat-Gesetze? Diese Gesetze sind ja ziemlich umfangreich, wenn ich nur an die Essensvorschriften denke, kein Schweinefleisch usw...Fleisch vom Schwein ist eh nicht gesund. Der Pastor sagt, dass wir mehr auf unsere Gesundheit achten müssen!
Im Islam hat das Freitagsgebet den Sabbat abgelöst.
Im Christentum wird also unser guter alter Sonntag, von Gott als Ruhetag empfohlen, vom Sabbat abgelöst?
Ursache unserer Existenz ist der Wille Gottes, die unbedingte Zuwendung der Liebe Gottes, die jeden einzelnen Menschen von Anbeginn der Zeit ins seiner Individualität so "gewollt" hat. Durch Jesus Christus ist uns ein ewiges Leben verheißen. Die Zeit zwischen Leben und Tod ist die Zeit, in der wir - mit einer relativen Freiheit versehen - uns entwickeln, uns - im Gegenüber zu unseren Mitmenschen und zu Gott - bewähren sollen. Rechenschaft für unser Tun und unser Unterlassen sind wir - im Angesicht der Liebe Gottes - uns vor allem selbst schuldig. Gottes Gnade ist unbedingt und unendlich.
Nur: Warum ist der Mensch erlösungsbedürftig, der Gnade bedürftig? Wenn unsere Existenz im Willen Gottes ihren ersten und letzten Grund hat, warum sind wir dann so "gnadenbedürftig", wie wir sind? Warum dieser unvollkommene Augenblick, wenn wir doch für eine vollkommene Ewigkeit bestimmt sind? Ist Gott ein strenger "Vater" (oder welcher Begriff auch immer), der seine Geschöpfe zuerst durch die Mühle eine strengen, ja sadistischen "Internatsschule" jagen muss, damit es "rechte" Menschen werden und die dann erst für ihr eigentliches Dasein - die "Ewigkeit" - taugen?
Entspringt die Sehnsucht nach Gnade und Erlösung nicht der zunächst einmal nicht hinterfragten und ungefragt bejahten Tatsache "wir existieren" und dem durchaus rein biologisch begründeten "Existieren wollen" (wie jedes Lebewesen!)? Daraus folgt dann- angesichts der offensichtlichen Unzulänglichkeit dieses Daseins - dem Prinzip der "Selbsterhaltung" folgend und die im Bewusstsein des "sterben Müssens" - die Idee "göttlicher Gnade" als einzig realistische Chance für diesen Selbsterhalt?
Hallo Herr Muchlinsky,
ich habe Ihre Aussage nicht ganz verstanden, dass man durch die Taufe Christ wird. Was sagen sie zu den folgenden Situationen, mit denen ich konfrontiert bin.
Ich habe einen sehr guten Freund, der nicht als Kind getauft wurde, aber sehr gläubig ist und bald taufen lassen will. Ist er kein Christ?
Der Verbrecher, der neben Jesus am Kreuz hing und dem zugesagt wurde, er wäre noch heute im Paradies. Er war nicht getauft - war er kein Christ?
Ich habe zwei Freunde, die als Kind getauft wurden, sich heute als Moslem verstehen. Sind sie Christen?
Ein landeskirchliches Paar bekommt ein Kind, das Kind wird getauft. Ein baptistisches Paar bekommt ein Kind, es wird gesegnet. Ist erstes Christ, das zweite nicht?
Wenn ein Kind getauft wird und dadurch "Christ" wird. Was verändert sich dadurch. Ist es mehr von Gott geliebt, mehr von Gott angenommen, ist es mehr gerettet?
Vielen Dank für Ihre Antworten!
Heiko Lachmann
Vielen Dank für Ihre Antworten.
Hallo Herr Muchlinsky,
zu Beginn des Lutherjahres "500 Jahre Reformation 2017" habe ich zum ersten Mal etwas von "Die Freiheit eines Christenmenschen" gehört. Was ist das für eine Freiheit von der da die Rede ist, habe ich mich gefragt. Ist Christen eine Freiheit beschert, die nicht allen Menschen zuteil wird?
Inzwischen habe ich durch Recherchen im Internet herausgefunden, dass es sich bei "Die Freiheit eines Christenmenschen" um ein Schriftstück handelt, das Martin Luther 1520 verfasst hat. Auch das Schriftstück selbst habe ich im Internet ausfindig machen können. Ein langer Text in 30 Thesen unterteilt.
Das gesamte Schriftstück habe ich nun schon mehrmals durchgelesen, aber so richtig verstanden habe ich es nicht. Es ist für mein Empfinden sehr kompliziert geschrieben.
Können Sie einem theologischen Laien, wie ich es bin, erklären, was Martin Luther mit seiner Schrift "Die Freiheit eines Christenmenschen" zum Ausdruck bringen will?
Ich bin gespannt auf dass, was ich in Ihrer Antwort auf meine Frage zu lesen bekomme und freue mich schon sehr darauf.
Susanne