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Bibel
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
Ich denke sowohl Atheisten als auch Christen sind sich einig, dass sich in der Bibel vorbildliche moralische Vorgaben finden lassen (bspw. die Bergpredigt oder die goldene Regel).
Es ist aber ebenfalls unbestritten, dass es äußerst grausame Stellen gibt (bspw. 5. Mose, 21, 18-21).
Nähme man alles wörtlich käme man nicht nur zu mit unserer Gesellschaft unverträglichen Moralvorstellungen sondern auch zu zahlreichen Widersprüchen.
Wie ich in einem Ihrer Posts gelesen habe, sind Sie der Meinung, man müsse den Bibelstellen Relevanz geben, die man nach heutigem Wissensstand für richtig hält (" Nun muss man sich tatsächlich fragen: Welcher Stelle gebe ich den Vorzug vor einer anderen. [...]So wird entschieden, welche Stellen der Bibel uns direkt vorschreiben können, wie wir uns verhalten sollten. Wir nehmen die Bibel nicht in die Hand und legen los und machen nach, was darin steht.").
Dem stimme ich völlig zu. Meine Frage ist nun:
Warum besitzt die Bibel moralisch betrachtet mehr Relevanz als Shakespeare oder Dickens?
In beidem finde ich moralisch wertvolle Zitate, in beidem aber auch grausame. Warum also soll die Bibel (oder Literatur allgemein) für Moral herhalten, wenn wir unsere Moral nicht direkt aus ihr beziehen, sondern aus schon vor dem Lesen vorhandenen Wertvorstellungen?
 
Mit freundlichen Grüßen
J. Kullen
Hallo Herr Muchlinsky,
vielen Dank, dass ich Ihnen eine Frage stellen darf, und zwar: Heute im Gottesdienst wurde die Bibelstelle im Lukasevangelium mit dem Gleichnis vom verlorenen Schaf als Predigttext gelesen. Nun müssen sie wissen, ich gehe gerne in die Kirche wegen Musik und Liturgie und so. Aber wenn es um den Glauben geht, hadere ich. Aber es beschäftigt mich. Daher lese ich die Texte auch noch mal. So auch heute. Was finde ich da? Lukas hat dasselbe Gleichnis in einen ganz anderen Kontext gestellt als Matthäus. Nämlich schildert nur Lukas, dass Jesus mit Zöllnern und Sündern am Tisch saß. Matthäus sagt das nicht. Nun weiß ich, dass die Frage, ob man mit Unreinen am Tisch essen darf, ein zentrales Streitthema nach Jesu Tod war. Paulus sagte, ja. Petrus nein. Und Lukas war der Arzt von Paulus. So weit richtig?
Nun beschleicht mich ein Verdacht: Könnte Lukas das mit den Sündern reingeschmuggelt haben, um Paulus' Position zu stärken? Wenn das aber so wäre (und eigentlich ist es doch klar, dass es so war, weil Matthäus ein Zeitzeuge von Jesus war und er Paulus nicht kannte, also ist er authentischer): Müssten wir dann nicht die betreffende Stelle als kirchenpolitisch motiviert kennzeichnen?
Vielen Dank für eine Antwort.
Tobias Keller
Hallo Herr Bezold, bei der Revision der Lutherbibel 1984, wurde im Vergleich zur Lutherbibel 2017 einiges an Änderungen vorgenommen. Mich würde interessieren: Nach welchen theologischen Ansätzen wurden diese Änderungen vorgenommen? (Welche Gründe gab es für die Änderungen?) Und: Was bewog die, an der Revision beteiligten Theologen, insbesondere bei folgendem Bibelvers zur Änderung? Siehe, ich habe dir geboten, daß du getrost und unverzagt seist. (Josua 1,9 Lutherbibel 1984) Habe ich dir nicht geboten: Sei getrost und unverzagt? (Josua 1,9 Lutherbibel 2017) Ich habe mir da nicht einfach mal so einen Bibelvers herausgepickt. Bei diesem Vers handelt es sich um meinen Konfirmationsspruch. Und darum denke ich, seit der Herausgabe der Lutherbibel 2017, über den Grund der Änderung bei diesem Vers nach, und finde keine Antwort darauf. Ich hoffe sehr, dass Sie mir eine Antwort geben können. Herzliche Grüße Susanne