Viele Schuldnerberatungen in Deutschland erleben zurzeit einen Anfrage-Boom. Das betreffe auch die Beratungsstellen der Diakonie, sagte Martin Hain vom Diakonieverband Brackwede dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Bielefeld. "Es melden sich immer mehr Leute. Viele aber bekommen keine Termine, weil wir schlicht sehr belastet sind."
Als Grund für den wachsenden Beratungsbedarf nennt Hain die wirtschaftliche Entwicklung: Die Inflation mache sich bemerkbar, zudem "verlieren derzeit viele Menschen in befristeten Arbeitsverhältnissen ihren Job". Die Betroffenen wendeten sich nicht gleich an die Fachstellen, sondern versuchten zunächst, selbst mit der Lage klarzukommen, berichtete der Industriekaufmann und Betriebswirt aus Gesprächen mit Ratsuchenden.
"Weil das mit Scham behaftet ist." Oft sei es dann zu spät, weil zum Beispiel ein Haftbefehl anstehe, erläuterte der Leiter der diakonischen Schuldnerberatungen in Bielefeld-Süd sowie in den Kreisen Gütersloh und Warendorf vor Beginn der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung. Sie beginnt am Montag und steht unter dem Motto "Wie komme ich an mein Geld?".
Oft steht Privatinsolvenz an
Besonders bewegend findet Hain, wenn kranke Menschen, Familien mit Kindern oder Alleinerziehende mit Schuldenproblemen kämpfen. Allein im Kreis Gütersloh musste die Diakonie nach seinen Worten im vergangenen Jahr mit drei Vollzeitstellen rund 800 hoch verschuldete Menschen beraten und begleiten. Das sei ein großer Aufwand. "Wir schauen zunächst: Wie können Essen, Miete, Strom bezahlt werden?", erklärte der Experte. "Dann treten wir mit den Gläubigern in Verhandlungen. Das sind lange Prozesse. Vielfach steht eine Privatinsolvenz an."
Wichtig ist den Diakonie-Beratungen, dass es einen Pfändungsschutz gibt: Die Betroffenen sollten ein Konto haben, von dem die Banken nicht alles pfänden können. "Ein Pfändungsschutzkonto schützt automatisch einen gesetzlich festgelegten monatlichen Freibetrag", erläuterte Hain. Dieser Freibetrag müsse für Miete, Lebensmittel oder Medikamente zur Verfügung stehen. Wenn Banken das "nicht korrekt umsetzen, kann das existenzielle Folgen haben", warnte der Schuldnerberater. Hier müsse die Politik handeln und für Absicherung sorgen.
Recht auf Pfändungsschutzkonto
In Deutschland gilt laut Verbraucherschützern ein gesetzlich garantiertes Recht auf ein Pfändungsschutzkonto. Jeder Kunde kann jederzeit verlangen, dass sein Konto in ein sogenanntes "P-Konto" umgewandelt wird. Dies gilt auch, wenn das Konto im Minus ist. Das Konto erhält dann eine Schutzfunktion und sichert aktuell so mindestens 1.560 Euro im Monat vor dem Zugriff der Gläubiger. Dies soll dafür sorgen, dass etwa Miete, Strom und Lebensmittel bezahlt werden können und so das Existenzminimum gesichert ist.



