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Bibel
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,
schon seit einiger Zeit beschäftige ich mich kritisch mit biblischen Inhalten. Diese sollen ja, zumindest nach Ansicht der Theologen und vieler Politiker, Grundlage für unsere moralischen Vorstellungen sein. Nun gibt es in der Bibel unzählige Stellen die, vorsichtig ausgedrückt, andere Menschen diskriminieren und ausgrenzen. Auch der Aufruf zum Mord ist in der Bibel zu finden.
Wer bestimmt eigentlich, dass diese Textpassagen nicht einmal ansatzweise Gültigkeit haben, andere, wie die Schöpfungsgeschichte aber schon?
Besonders schockiert hat mich die Stelle mit Lot, der seine Töchter und die Nebenfrau eines Priesters dem marodierenden Mob zur Verfügung gestellt hat und dafür noch belohnt wurde.
Ein Vater, der seine Töchter, gleich welchen Alters, anderen zum Verkehr gibt, aus welchen Gründen auch immer, ist meiner Ansicht nach niemand, der sich in meiner moralischen Wertvorstellung bewegt.
Dass dann in den 10 Geboten von den Töchtern noch verlangt wird, diesen Vater zu ehren, das ist mir unbegreiflich. Scheinbar ehren diese Töchter den Vater aber so sehr, dass sie ihm das Wissen über den Inzest noch ersparen wollen, das würde man heute mit dysfunktionalen Familienstrukturen erklären. Wie soll also ein Buch, in dem solche Taten als moralisch vorbildlich dargestellt werden, eine Orientierung in der heutigen Zeit darstellen?
Es ist mir durchaus bewusst, dass es andere Stellen gibt, die heute sicherlich noch erstrebenswert sind, es sind aber eben auch einige Passagen enthalten, bei denen es nach heutigen Wertvorstellungen einfach nur grausam zu geht.
Und dann bleibt noch die Frage, wenn jemand eine Entscheidung trifft, welche Stelle wie gedeutet werden soll, wer garantiert mir, dass dieser Mensch nicht genauso falsch liegt wie diejenigen, die Giordano Bruno auf den Scheiterhaufen gebracht haben?
Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Zeit und Ihre Bemühungen.
Mit freundlichem Gruß,
M. Karlsohn
Lieber Herr Muchlinsky,
am letzten Sonntag hatten wir im Gottesdienst 2 Lesungen vom Weinberg: das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Markus 12,1-12) und die Geschichte vom unfruchtbaren Weinberg (Jesaja 5,1-7). Das Gleichnis kannte ich, der Text bei Jesaja war mir nicht so geläufig. Trotz der sehr spannenden Predigt (die aber ganz andere thematische Wendungen nahm) ist mir v.a. der Text bei Jesaja fremd geblieben. Er klingt wie eine Warnung, dass Menschen, die sich nicht Gott zuwenden, dann auch von Gott im Stich gelassen werden. Das passt aber nicht so richtig in das Bild vom "lieben Gott", der sich den Menschen freundlich zuwendet, oder? Das Gleichnis verstehe ich dann wie eine Weitererzählung der Geschichte bei Jesaja, dass Gott sich immer wieder den Menschen zuwendet, wir aber nicht auf seine Boten bzw. Botschaften achten, sondern am Ende sogar Gottes Sohn getötet haben. Was bedeutet dann aber, "er wird kommen und die Weingärtner umbringen" und wie ist dann der Zusammenhang mit dem "Stein, den die Bauleute verworfen haben..."? Oder haben die Texte gar nichts miteinander zu tun? Einzeln genommen verstehe ich sie aber auch nicht...Es wäre sehr freundlich, wenn Sie etwas zu den Texten schreiben könnten. Ihre Erklärung darf auch gern kürzer sein als meine etwas umständliche Frage. Vielen Dank!