Bibel

Alles, was die evangelischen Kirchen tun, muss sich an der Bibel messen lassen. Sie ist die große Offenbarungsquelle des christlichen Glaubens. Hier wird von Gottes großem Heilswerk erzählt. Darum soll jeder Mensch die Chance haben, in der Bibel zu lesen. Hier stellen wir verschiedene Übersetzungen vor, Pläne und Tipps zum Lesen und erklären die Bedeutung der Bibel für die evangelische Kirche genauer.
Sehr geehrter Herr Muchlinsky,

schon seit einiger Zeit beschäftige ich mich kritisch mit biblischen Inhalten. Diese sollen ja, zumindest nach Ansicht der Theologen und vieler Politiker, Grundlage für unsere moralischen Vorstellungen sein. Nun gibt es in der Bibel unzählige Stellen die, vorsichtig ausgedrückt, andere Menschen diskriminieren und ausgrenzen. Auch der Aufruf zum Mord ist in der Bibel zu finden.

Wer bestimmt eigentlich, dass diese Textpassagen nicht einmal ansatzweise Gültigkeit haben, andere, wie die Schöpfungsgeschichte aber schon?
Besonders schockiert hat mich die Stelle mit Lot, der seine Töchter und die Nebenfrau eines Priesters dem marodierenden Mob zur Verfügung gestellt hat und dafür noch belohnt wurde.
Ein Vater, der seine Töchter, gleich welchen Alters, anderen zum Verkehr gibt, aus welchen Gründen auch immer, ist meiner Ansicht nach niemand, der sich in meiner moralischen Wertvorstellung bewegt.

Dass dann in den 10 Geboten von den Töchtern noch verlangt wird, diesen Vater zu ehren, das ist mir unbegreiflich. Scheinbar ehren diese Töchter den Vater aber so sehr, dass sie ihm das Wissen über den Inzest noch ersparen wollen, das würde man heute mit dysfunktionalen Familienstrukturen erklären. Wie soll also ein Buch, in dem solche Taten als moralisch vorbildlich dargestellt werden, eine Orientierung in der heutigen Zeit darstellen?
Es ist mir durchaus bewusst, dass es andere Stellen gibt, die heute sicherlich noch erstrebenswert sind, es sind aber eben auch einige Passagen enthalten, bei denen es nach heutigen Wertvorstellungen einfach nur grausam zu geht.

Und dann bleibt noch die Frage, wenn jemand eine Entscheidung trifft, welche Stelle wie gedeutet werden soll, wer garantiert mir, dass dieser Mensch nicht genauso falsch liegt wie diejenigen, die Giordano Bruno auf den Scheiterhaufen gebracht haben?

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Zeit und Ihre Bemühungen.

Mit freundlichem Gruß,

M. Karlsohn