Fernfahrer sind oft wochenlang unterwegs und sehen ihre Familien selten. Gesellschaftliche Anerkennung erfahren sie dabei wenig. Martin Heubach, früher evangelischer Diakon und heute verantwortlich für den Truckertreff an der Autobahnkapelle an der Kochertalbrücke der Autobahn 6 sagt "Wir wollen denen etwas Gutes tun".
Der Truckertreff findet einmal im Monat statt. Es gibt kostenlos etwas vom Grill, dazu Getränke. Ein Mitarbeiterteam ist vor Ort und versucht, mit den Fahrern über das ins Gespräch zu kommen, was ihnen auf dem Herzen liegt, wie Heubach erläutert.
Damit das gelingt, braucht es Sprachkenntnisse. Für Rumänisch steht ein Kollege bereit. Doch nicht immer klappt die Kommunikation, da ein Großteil der Fahrer aus Polen, Litauen und Bulgarien stammt.
Angesprochen werden die Fahrer direkt an ihren Fahrzeugen. Im Team arbeite allein Schwester Inge von den Christusträger-Schwestern hauptberuflich, sagt Heubach; die Schwesternschaft ist auch Trägerin der Autobahnkapelle. Alle anderen seien in ihrer Freizeit dabei.
Auch im Gespräch geht es manchmal um die Wurst
Wie lange die Fahrer beim Truckertreff bleiben, ist unterschiedlich: Manche sind die vollen zwei Stunden da, andere nur so lange, bis Wurst und Getränk verzehrt sind. Trotzdem führe man jedes Mal bis zu zehn tiefe Gespräche, erläutert Heubach. Fahrer, die bedrückt gekommen seien, bedankten sich für die erfahrene Wertschätzung.
Die meisten Fahrer, die dort vorbeikommen, stammen laut Heubach aus Osteuropa, "weil es billige Arbeitskräfte sind". Sie seien oft Wochen oder Monate lang unterwegs und kämen unter schwierigen Arbeitsbedingungen auch menschlich sehr schlecht weg.
Ein Fahrer sagt, es sei sehr schwer, so weit weg von Familie und Zuhause zu sein. Ein anderer bilanziert: "Die Arbeit ist hart, aber da kann man nichts machen." Als typische Belastungen des Berufs nennt die kirchliche Fernfahrerseelsorge lange Abwesenheit von zu Hause, Zeitdruck, Staus, fehlende Parkplätze, niedrige Bezahlung, Einsamkeit und geringe gesellschaftliche Anerkennung.
Kirchliche Angebote im Südwesten
Der Treff an der Kochertalbrücke ist nicht das einzige Angebot dieser Art. In Baden-Württemberg gibt es keine zentral organisierte Trucker-Seelsorge, sondern mehrere Projekte aus Fernfahrer- und Betriebsseelsorge sowie Autobahnkirchen, vor allem entlang der Autobahnen 6 und 81.
Im Raum Heilbronn ist Josef Krebs als Trucker-Seelsorger im Dienst der Diözese Rottenburg-Stuttgart unterwegs. Im Hegau läuft seit 2018 das ökumenische Projekt "Lenkpause für Körper und Seele" an Rastplätzen und am Zollamt zur Schweiz. Pro Aktion werden dort nach Angaben des Projekts bis zu 100 Fahrerinnen und Fahrer erreicht.
Für Heubach entscheidet sich der Sinn des Engagements im Einzelfall: "Der Aufwand lohnt sich für mich immer dann, wenn ein Mensch hier fröhlicher und entlasteter weggefahren ist."



