Piusbruderschaft: Die Ruhe nach der Exkommunikation

Baz Ratner/AP/dpa/Baz Ratner
Die Piusbruderschaft sieht sich als Hüter der katholischen Tradition.
Gottesdienstbesuch in Berlin
Piusbruderschaft: Die Ruhe nach der Exkommunikation
Die ultrakonservative Piusbruderschaft sorgt wegen ihres Ausschlusses aus der katholischen Kirche für Schlagzeilen. Doch nicht alle Katholiken scheint das von einem Besuch der lateinischen Messe abzuhalten. Ein Besuch in Berlin.

Die Seiten des weißen Altartuchs wehen im Luftzug eines Ventilators hin und her. Obwohl es draußen kühl ist, staut sich die Wärme in der St.-Petrus-Kirche im Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Im Kirchraum ist es still.

Zwölf Menschen knien mit gesenktem Blick in den Kirchenbänken. Die Menschen in der Kirche tragen Büro-Outfits, neonfarbene Arbeits- oder Alltagskleidung. Eine Frau trägt einen schwarzen Schleier. Sie besuchen an diesem Nachmittag eine Heilige Messe der Piusbruderschaft - wenige Tage nach dem Ausschluss der Glaubensgemeinschaft aus der katholischen Kirche. Der Priester macht einen Knicks vor dem Altar und beginnt leise auf Latein zu sprechen, mit dem Rücken zu den Gläubigen.

Für die meisten katholischen Gläubigen ist das ein ungewohnter Anblick. Denn normalerweise zelebrieren katholische Priester der Gemeinde zugewandt. Doch bei den Piusbrüdern ist das anders, sie feiern die alte Messe auf Latein.

Exkommunikation wegen Bischofsweihe

Der Vatikan hat alle Geistlichen der Bruderschaft sowie alle formellen Mitglieder aus der katholischen Kirche ausgeschlossen. Anlass war eine unerlaubte Bischofsweihe am 1. Juli am Hauptsitz der Piusbrüder in der Schweiz.
"Hartnäckige Antimodernisten"

Die ultrakonservative Priesterbruderschaft Pius X. steht seit ihrer Gründung im Jahr 1970 im Konflikt mit Rom. Sie lehnt die Kirchenreformen ab, die der Vatikan Ende der 1960er Jahre beschlossen hatte - darunter auch die Neugestaltung der Messfeier. Diese Messe sollte die Gemeinde stärker einbinden, die Verwendung der Landessprache ermöglichen und Riten vereinfachen, sagt der katholische Theologe Georg Essen. Diese wurden von den Piusbrüdern nicht akzeptiert: "Sie sind hartnäckige Antimodernisten im Geiste des 19. Jahrhunderts", sagt der Professor an der Berliner Humboldt-Universität.

Die Exkommunikation sei die schwerste Strafe im katholischen Kirchenrecht. Exkommunizierte dürften beispielsweise Sakramente wie Ehe oder Beichte nicht empfangen oder kirchliche Ämter ausüben, sagt Essen. Auch für katholische Laien, die die traditionelle Messe schätzen, hat das Folgen.

Warnung vor Messbesuch

Viele Bistümer in Deutschland warnen vor einem Messbesuch bei den Piusbrüdern. Denn mit der Exkommunikation sind auch alle Sakramentenspendungen der Piusbrüder ungültig, darunter auch die Eucharistie, die Feier des Abendmahls. Sie ist Mittelpunkt jeder katholischen Messe und damit besonders wichtig für viele Gläubige. Die zwölf Besucher in der Berliner Kirche stört das nicht. "In Zeiten von rasantem gesellschaftlichem Wandel suchen Menschen nach Halt, Gewissheit und Beständigkeit", erklärt der Theologe Essen.

Hostie direkt auf die Zunge

Der Priester in seinem weißen Gewand, der Albe, mit der beigefarbenen Kasel, die mit Stickereien verziert ist, beugt sich über den Altar und nimmt die Schale mit den geweihten Hostien in die Hand. Wie in einer ihnen bekannten Choreografie kommen die Gläubigen zur Austeilung in den Altarraum, knien sich nebeneinander, der Priester legt ihnen die Hostie direkt auf die Zunge.

Diese Art des Abendmahls wird Mundkommunion genannt und ist eine ältere, nicht verbotene Form der heute geläufigen Handkommunion. Einerseits drücke sie Ehrfurcht aus, andererseits Furcht davor, dass nur ein Krümelchen der Hostie in schmutzige Hände oder auf den Boden falle, sagt der Theologe Essen.

Hüter der katholischen Tradition?

Die Piusbrüder sehen sich als wahre Hüter der katholischen Tradition. Die Priesterbruderschaft, der weltweit gut 720 Priester angehören, sieht sich daher auch nicht im Bruch mit der katholischen Kirche. "Wir sind und bleiben römisch-katholisch", heißt es in einer Erklärung.

Das Ende der Messe kommt plötzlich. Kein großer Segen. Kein Abschlussgebet. Das Latein ist nur schwer zu verstehen. Der Priester verschwindet, die Gläubigen nicken sich zu und verlassen rasch die Kirche, als gäbe es keine Exkommunikation. Mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) will an diesem Tag niemand sprechen. Auch der Priester, der nach der Messe direkt in der Sakristei verschwindet, ist auf Anfrage nicht zu sprechen.

Ein Sprecher des Erzbistums Berlin bestätigt, dass das Interesse auch von jungen Menschen an der lateinischen Messe in Berlin wächst. Doch dafür müsse man nicht zu den Piusbrüdern. Das Erzbistum verweist auf das Institut Philipp Neri - eine katholische Sondergemeinschaft.