Volkan Çidam erhält als erster Forschender die neu geschaffene Paulskirchen Professur für Demokratieforschung. Der Wissenschaftler sei die "ideale Erstbesetzung", man setze damit ein deutliches Zeichen für die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit, sagt Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD).
Ab dem kommenden Wintersemester lehrt Çidam für ein Jahr an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden. Çidam studierte in der Türkei und Deutschland und wurde an der Goethe-Universität Frankfurt bei Axel Honneth und Rahel Jaeggi promoviert.
Bis Ende 2025 lehrte er als Politikwissenschaftler an der Boğaziçi Universität in Istanbul. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Zusammenhang zwischen Demokratietheorie und Kritischer Theorie. In Wiesbaden will er unter anderem radikaldemokratische Bewegungen erforschen.
Demokratieforschung basiert auf Erfahrungen
Der Wissenschaftler betont, Fragen der Demokratieforschung nicht nur theoriegeleitet verfolgen zu wollen, sondern ausgehend von konkreten Erfahrungen. Er selbst sei in der Türkei politisch verfolgt worden, die Wissenschaftsfreiheit werde dort gezielt angegriffen. "Auch in etablierten Demokratien sind entsprechende Entwicklungen nicht ausgeschlossen", sagt Çidam.
Die Paulskirchen Professur ist Teil des Programms "Stärkung der Demokratieforschung Hessen". Sie spricht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, die zu Demokratie in Geschichte und Gegenwart forschen und internationale Perspektiven mitbringen. Sie können ein Jahr an einer hessischen Hochschule forschen und lehren. Teil der Professur ist ein wissenschaftliches und in die Zivilgesellschaft reichendes Rahmenprogramm. Die Hochschule ReinMain wird deshalb unter anderem ein Demokratiefestival organisieren.




