Thomas Meyer
Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch
So lässt sich Vertrauen in die Politik wiederherstellen
chrismon: Herr Schuch, Sie haben in den vergangenen Monaten "Verständigungsorte" besucht, das sind Veranstaltungen, bei denen Menschen mit sehr unterschiedlichen Positionen miteinander ins Gespräch kommen können. Die Diakonie unterstützt diese Idee. Was haben Sie dort erlebt?
Rüdiger Schuch: Ich war in Sachsen und in Thüringen bei je einer solchen Veranstaltung, beide drehten sich um Corona. Eingeladen waren Menschen mit sehr unterschiedlichen, oft stark polarisierten Meinungen und Gefühlen. Wir saßen in kleinen Gruppen zusammen und hörten einander zu. Jeder hatte eine Stimme, jeder durfte erklären, warum er so denkt, wie er denkt. An so einem Verständigungsort einigt man sich nicht – aber man lernt, sich besser zu verstehen. Wer spürt, dass ihm jemand wirklich zuhört, fühlt sich ernst genommen.
Corona ist nun aber echt lange her …
Die Pandemie ist aber immer noch ein Thema! Eine Frau erzählte mir, wie sehr es sie bis heute schmerzt, dass ihre Mutter im Krankenhaus starb und sie nicht bei ihr sein durfte. Eine Pflegekraft sagte, gefühlt seien viele Menschen eher an der Einsamkeit gestorben als an Corona. Medizinisch stimmt das vielleicht nicht, doch die Isolation hat viele Menschen tief verletzt. Manche Gespräche gingen bis an die Schmerzgrenze. Mich hat das nachhaltig geprägt.


