Private Spendenaufrufe stets kritisch prüfen

Eine Person hält Geldscheine in den Händen.
Zacharie Scheurer/dpa
Wichtige Frage: Wer ruft zur Spende auf?
Spenden-Experte warnt
Private Spendenaufrufe stets kritisch prüfen
Das Mitgefühl mit den Opfern der Gewalttat von Stade und die Spendenbereitschaft sind groß. Wirtschaftswissenschaftler Burkhard Wilke rät, die Seriosität von Spendenportalen kritisch zu prüfen - insbesondere beim Spendenaufruf von Privatpersonen.

Unglücke/Spenden/Finanzen/INT

epd-Gespräch: Julia Pennigsdorf
Hinweis: epd-Gespräch

Hannover, Berlin (epd). Anlässlich der großen Bereitschaft der Menschen, für die Opfer der Gewalttat von Stade zu spenden, rät das "Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen" (DZI) genau zu prüfen, wem Spender ihr Geld zukommen lassen. "Die Hilfsbereitschaft ist beeindruckend, aber privaten Spendenaufrufen sollte man stets mit einer gesunden Portion Skepsis begegnen", sagte der wissenschaftliche Leiter des Instituts, Burkhard Wilke, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das DZI mit Sitz in Berlin leistet seit 1893 unabhängige Spendenberatung und vergibt seit 1992 das DZI Spenden-Siegel für seriöse gemeinnützige Spendenorganisationen in Deutschland.
Seit der Tötung von sechs Jugendhilfe-Mitarbeitenden aus Hannover und Stade haben mehrere Institutionen und Menschen zu Spenden aufgerufen. Auf besondere Resonanz stieß eine private Spendensammlung auf der Plattform "GoFundMe" für eines der Opfer. Die 32-jährige Mutter hinterlässt dem Aufruf zufolge zwei kleine Kinder, die nun Vollwaisen sind.
Wichtige Frage: Wer ruft zur Spende auf?
Auf "GoFundMe" waren bis Dienstag mehr als 790.000 Euro für die Kinder eingegangen. Wilke wies darauf hin, dass sich Spender immer darüber informieren sollten, "wem, wie, wann und durch wen geholfen werden soll". Dies gelte insbesondere für Notlagen, die einem besonders nahegehen, und spontane, private Spendensammlungen, die direkt von einer Person an eine andere erfolgen - ohne Beteiligung von Vereinen oder Stiftungen.
Gemeinnützig oder gewinnorientiert?
"Achten Sie zunächst darauf, ob es ein gemeinnütziges Portal ist, wie zum Beispiel betterplace.org, oder ein kommerzielles Unternehmen wie GoFundMe", unterstrich Wilke. Das Unternehmen aus Kalifornien, das seinen Europa-Sitz in Irland hat, gibt auf seiner Homepage an, dass es 2,9 Prozent des Spendenbetrags als "Transaktionsgebühr" sowie 25 Cent pro Spende einbehält. Von 50 Euro kommen also 48,30 Euro beim Projekt an. GoFundMe ist im Unterschied etwa zu betterplace.org nicht befugt, steuerlich abzugsfähige Spendenquittungen auszustellen.
Große Summe bedeutet auch große Verantwortung
Die hohe Summe, die bisher auf der Crowdfunding-Plattform für die Kinder der in Stade getöteten Mutter zusammengekommen ist, verwunderte Wilke nicht. Das sei bei solch dramatischen Geschehnissen nicht ungewöhnlich. Es sei deshalb wichtig, dass Spendenplattformen dann auch Beratung leisteten - wirtschaftlich und psychologisch.
"Diese hohen Summen bringen eine große Verantwortung mit sich - sowohl für denjenigen, der zum Spenden aufruft, als auch für den Spendenempfänger und es wäre tragisch, wenn der richtige Umgang mit den enorm hohen, gut gemeinten Spenden bei den Betroffenen letztlich neue Probleme schafft", sagte Wilke.