Der Marktplatz im rheinland-pfälzischen Diez an der Lahn ist um 19 Uhr voll von Menschen. Es ist warm, die Sonne sinkt langsam hinter dem Grafenschloss. Für viele Diezer gehört der Donnerstagstreff, der alle zwei Wochen von Mai bis September stattfindet, zum Feierabendprogramm. Hier tauscht man sich aus, trifft Bekannte und Freunde, genießt einen Wein, Wurst oder eine Pizza - vom Stand der evangelischen Kirchengemeinde Diez.
Seit 2018 ist Pfarrer Ingo Lüderitz mit seinem Team aus Ehrenamtlichen ein fester Bestandteil des abendlichen Markttreffs. "Wenn ich den Menschen von Diez erzähle, erzähle ich ihnen zuerst vom Donnerstagstreff", berichtet der Pfarrer. "Man geht hier hin, man trifft sich."
Die Kirche müsse an genau so einem Ort präsent sein, sagt Lüderitz. Oft sei der Blick auf die Kerngemeinde fokussiert, die in Gottesdienste geht oder an kirchlichen Veranstaltungen teilnimmt. Dabei sei die Gemeinde mit all ihren Mitgliedern viel mehr. "Diese Menschen nicht aus dem Blick zu verlieren und zu zeigen, wir sind da, wo ihr seid, und wir sind ansprechbar, das ist ganz wichtig."
Wie Pizza Menschen verbindet
"Pizza kann Menschen zusammenbringen", findet der Pfarrer und Hobby-Pizzabäcker. Vor und hinter dem Pizzastand, denn beim Pizzabacken brauche man viele unterschiedliche Fähigkeiten, erläutert Lüderitz: Teig machen, belegen, backen, verkaufen und all das organisieren. Deshalb kam er auf die Idee, einen Pizzastand auf dem Donnerstagstreff anzubieten. Mitstreiter waren schnell gefunden. Mit Konfirmandinnen und Konfirmanden und einigen Ehrenamtlichen realisierte die Kirchengemeinde das Projekt, die "PizzaConnection".
Von einem extra gefertigten Pizza-Anhänger wird Pizza gebacken und verkauft. Drei Gas-Pizzaöfen sind auf dem Hänger montiert, damit die Kunden am Stand nicht so lange auf ihre Pizza warten müssen. Den Teig für die Pizzen macht der Pfarrer selbst, etwa zwei Tage vor den Treffen. Rund 100 Pizzen backt das Team an einem Abend. Während des Abends mischt sich Lüderitz unter die Leute. Er unterhält sich und kennt viele der Anwesenden persönlich.
Jedes Eck für einen guten Zweck
Bernd Holzhäuser ist schon seit Anfang an als Ehrenamtlicher dabei. Routiniert wendet er die Pizza im Ofen, trinkt dabei einen Wein vom Stand gegenüber, den er im Tausch für eine der Pizzen bekommen hat. "Ich backe gerne hier am Stand Pizza. Mir macht das Spaß, die Gemeinschaft zu erleben und in dieser Gesellschaft auch noch etwas Sinnvolles zu tun und nicht nur Wein zu trinken", sagt er lachend mit Blick auf sein Weinglas, während er eine Pizza aus dem Ofen holt.
"Wir backen auch nicht alleine, jeder Verein hier kann sich bei uns bewerben, um mit uns zu backen", erklärt Holzhäuser. Ein Pizzaviertel am Stand kostet 3 Euro. Dafür sei aber "jedes Eck für einen guten Zweck". Die Erlöse gehen direkt an wohltätige Organisationen und Vereine, die mitbacken. Bernd Holzhäuser und Ingo Lüderitz haben etwa mit dem DLRG oder der Telefonseelsorge Pizza gebacken.
Auch Konfirmanden backen
Manchmal backt die Pizza-Connection gemeinsam mit Konfirmanden oder dem Kämmerchenchor aus der eigenen Gemeinde. Dann gehen die Erlöse in die Chorkasse oder werden für die Segelfreizeit der Konfirmandinnen und Konfirmanden genutzt. Konfirmand Johannes Hess ist regelmäßig mit dabei. Ihm
mache das Pizzabacken Spaß, die Gemeinschaft, und dass er anderen Menschen zeigen könne, wie man eine gute Pizza macht, erzählt er.
Die Pizzen sind heiß begehrt auf dem Marktplatz. Viel Zeit für Pausen haben die Ehrenamtlichen nicht. Gegen 21 Uhr sind alle Pizza-Rohlinge aufgebraucht. Das Team ist zufrieden. Auf die Frage, wie andere Gemeinden so etwas auf die Beine stellen können, antwortet Pfarrer Lüderitz: "Als Kirchengemeinde schauen, was es schon gibt, und fragen: Finde ich darin einen Platz? Die anderen
Mitspieler hier auf dem Marktplatz zeigten eine große Offenheit, für die Kirche auch einen Platz zu schaffen. Dass wir hier mit dabei sind, wird als Bereicherung gesehen."




