Das steckt hinter der Traufe

Ehepaar mit Baby vor Kirche
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Im weißen Kleid mit Baby auf dem Arm geht es zur Traufe. (Symbolbild)
Taufe und Trauung
Die Traufe ist eine "all-in-one Party", sagt Pfarrerin Daniela Opel-Koch. In einem Gottesdienst feiern Paare ihre Eheschließung und die Taufe des Kindes.

In einem trägerlosen Kleid aus weißem Tüll schreitet die Braut Cirstin Barthel lächelnd in die Unionskirche in Idstein. Ehemann Robert begleitet sie im schicken Anzug. Das Ehepaar hat bereits im Januar vergangenen Jahres standesamtlich geheiratet, die kirchliche Trauung sollte eigentlich viel früher folgen. Aber der glückliche Umstand, dass sich der Kinderwunsch mit Carlotta früher als erwartet erfüllt hat, hat dem Paar etwas mehr Zeit bis zur kirchlichen Zeremonie verschafft. Und hat aus der Trauung eine Traufe gemacht, die Verbindung von Trauung und Taufe.

Tochter Carlotta läuft mit noch etwas unsicheren Schritten im weißen Taufkleidchen und rotem Haarband in die Kirche. Eine Woche zuvor hat die Einjährige laufen gelernt, erzählt Mutter Barthel. Auf die Idee mit der Traufe habe sie ihr Onkel gebracht, der auch eine Traufe gefeiert habe, sagt die 34-Jährige. Für ihn sei es wichtig, dass die gemeinsame Tochter ein Teil der Zeremonie ist, fügt der Bräutigam hinzu: "Carlotta ist das schönste Produkt unserer Liebe und muss dann auch ihren Platz haben." Das Ehepaar hat sich im Unisport beim Ruderteam in Marburg kennengelernt. Für die studierte Chemikerin und den Volkswirt gehört eine kirchliche Hochzeit aus Tradition einfach dazu.

Für das Ehepaar hat die Traufe nach eigenen Worten ausschließlich Vorteile. Die Verwandten und Freunde leben teilweise weit entfernt, die Trauzeugin ist aus Flensburg angereist. Durch die Traufe sparen die Gäste sich einen Weg. Die gemeinsame Feier aus Trauung und Taufe habe einen besseren CO2-Fußabdruck als zwei einzelne Feste, betont der 28-jährige Bräutigam. Es entstehe auch weniger Müll. Zudem sei die Organisation solch eines Festes gerade mit kleinem Kind ohnehin schwierig, sodass die Kombination aus Trauung und Taufe ihnen viel Arbeit und Stress erspare.

Traufe
 

 Cirstin ist christlich aufgewachsen, während der Zeremonie gibt es viele Lieder, die Gemeinde singt mit. Pfarrerin Daniela Opel-Koch beschreibt die Traufe als eine "all-in-one Party". Sie ist seit 15 Jahren Pfarrerin in Idstein und hat bislang etwa fünf oder sechs Traufen gefeiert, das Fest sei also eher selten. Die traditionelle Chronologie werde bei der Traufe eingehalten, sodass erst getraut und dann getauft wird. Der Gesamtfokus während der Zeremonie liege stark auf der Familie, und es könne auf individuelle Wünsche eingegangen werden.

Für Comic-Fans gibt es Superhelden im Gottesdienst

Sie habe einmal eine Traufe mit einer Familie gehabt, die Fan von Marvel-Comics war, erzählt Opel-Koch. Dabei habe sie Geschichten der Superhelden in den "Taufplot" integriert, was ihr Spaß gemacht habe. Die Theologin hat unter anderem auch schon einen Yoga- und einen Fußpflegegottesdienst gefeiert.
Während der Zeremonie untersucht Carlotta mit ihren Fingern intensiv die Blütenblätter im Körbchen und lauscht der Musik. Nach dem Ja-Wort klatschen die Gäste, und das Paar entzündet seine Traukerze an der Osterkerze der Kirche. Für die Braut war die Gesangseinlage ihrer Schwester besonders schön. "Wir sind glücklich, das zweite Heiraten ist zum Genießen. Wir konnten alles mehr aufsaugen", schwärmt sie. Robert Barthel freut sich zudem, dass Carlotta so geduldig war.

Familie soll sich auch selbst feiern

Bei der Taufe ist das Mädchen insbesondere am Wasser interessiert, "das einfach aus dem Idsteiner Wasserhahn kommt", wie Opel-Koch schmunzelnd anmerkt. Die Pfarrerin wünscht der Familie, dass sie sich selbst feiert und die Worte, die gesagt wurden, in sich aufnehmen könne.

Im Anschluss an die Zeremonie gibt es eine Tauf-Tattoo-Party: Die Gäste können sich mit dem Taufwasser das Motiv einer Blume oder eines Schmetterlings auf die Haut kleben.