Vor 500 Jahren wurde den Evangelischen beim Speyerer Reichstag von 1526 erstmals die religiöse Freiheit zugestanden. Die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst erläutert, warum das Ereignis für die Entwicklung der evangelischen Kirche bis heute wichtig ist.
epd: Welche Bedeutung hat der Speyerer Reichstag von 1526 für die Pfälzer Kirche, die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und den Protestantismus?
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst: Der Speyerer Reichstag von 1526 war ein Schlüsselereignis auf dem Weg zur evangelischen Kirchenbildung. Er lockerte die Durchsetzung des "Wormser Edikts" von 1521 und überließ den Reichsständen faktisch, in Religionsfragen so zu handeln, wie sie es "vor Gott und Kaiser" verantworten konnten.
Dadurch entstand ein politischer und rechtlicher Spielraum, in dem reformatorische Ordnungen, Visitationen und landeskirchliche Strukturen entstehen konnten. Für die Pfälzer Kirche ist Speyer deshalb ein Erinnerungsort eigener reformatorischer Anfänge. Für die EKD steht 1526 für einen frühen Schritt hin zur pluralen evangelischen Kirchenlandschaft.
Für den Protestantismus bereitete 1526 den Boden für die Speyerer Protestation von 1529, aus der später der Name "Protestanten" abgeleitet wurde.
Was bleibt vom Speyerer Reichstag von 1526 in der landeskirchlichen Erinnerungskultur?
Wüst: In der Erinnerungskultur bleibt vor allem Speyer als symbolischer Ort evangelischer Freiheit, Gewissensverantwortung und kirchlicher Eigenständigkeit. Allerdings steht oft die Protestation von 1529 stärker im Vordergrund als der Reichstag von 1526.
Gerade deshalb ist 1526 wichtig: Es erinnert weniger an den offenen Protest, sondern an den vorausgehenden Freiraum, in dem evangelisches Kirchenleben überhaupt Gestalt gewinnen konnte. Für die Pfälzer Landeskirche kann dieser Reichstag daher als Anlass dienen, das Verhältnis von Evangelium, Gewissen, politischer Verantwortung und kirchlicher Ordnung neu zu erzählen.
Sind Veranstaltungen zum 500. Jubiläum geplant?
Wüst: Es haben bereits Veranstaltungen stattgefunden, die dem Engagement des Vereins für pfälzische Kirchengeschichte zu verdanken sind. Ein landeskirchliches Programm zum Jubiläum 2026 wird es nicht geben, aber das Protestationsjubiläum 2029 haben wir im Blick.




