Der Wal Timmy ist auf dem Weg in die Nordsee, auf der Ostseeinsel Poel kehrt der Alltag ein. Die Rettungsaktion hat Spuren hinterlassen: "Die Rettung für Timmy war von viel Respektlosigkeit und sogar Aggression begleitet, sodass der Gemeinschaftsgeist gelitten hat", sagte der evangelische Inselpastor Roger Thomas dem in Hamburg und Berlin ansässigen Portal evangelische-zeitung.de.
Es war "schon ziemlich schräg", seine Gemeinde Kirchdorf sei genervt gewesen, "weil sich so viele Leute von außerhalb respektlos auf der Insel verhalten haben", sagte Thomas. Derzeit werde diskutiert, eine Gesprächsrunde in der Gemeinde zu organisieren. Es gehe darum, die Ereignisse zu reflektieren.
Die "richtigen Krawall-Leute" lebten zu 90 Prozent nicht auf der Insel, schätzt Thomas. Viele seien bereits weg. "Aber wir bleiben auf der Insel zurück." Die Aggression erklärt sich der Pastor damit, dass man ein Panorama der Gesellschaft erlebt habe. "Unterschiedliche Meinungen werden leider nicht mehr in einer angemessenen Weise diskutiert, es gibt unglaublich viel Besserwisserei", sagte Thomas.
Besserwisserei und Streit rund um den Wal
Dabei müsse doch die Meinung von Leuten akzeptiert werden, die eine Expertise besitzen und sogar studiert haben. "Da sind Selbstüberschätzung und mangelnde Toleranz im Spiel, schnell wird der anderen Partei Lüge und Betrug unterstellt", bedauerte der Pastor.
Im Gebetsbuch der Kirche hätten Menschen sogar von "Terror" geschrieben. Thomas: "Da habe ich gedacht: Mensch, Leute, was sind das für Worte? Da läuft es mir kalt den Rücken runter." Seine Kirche sei während der ganzen Rettungsaktion offen gewesen. Sie sei als Raum genutzt worden, um sich zu artikulieren. "Da sind viele Menschen gekommen. Sie haben Kerzen angezündet, Wal-Umrisse in den Sand gemalt oder sich ins Buch der Gebete eingetragen", sagte der Pastor.
Er habe zudem aus ganz Deutschland E-Mails mit Gebeten bekommen, die er in das Buch seiner Kirche eingetragen habe. Auch der Pastor selbst hat für den Wal gebetet. "Die leidende Schöpfung ist natürlich ein großes Thema, gerade hier an der Ostsee. Wir leben mit erheblichen Schädigungen der Natur." Es gebe zum Beispiel nur noch wenig Hering und Dorsch. Thomas: "Für den Klimawandel ist der Wal jetzt zu einem riesigen Symbol geworden."





