Zwei Pfarrerinnen in Weiden in der Oberpfalz haben eine besondere Herausforderung angenommen: Nachdem ein Café-Besitzer mit dem Slogan "Unser Kaffee macht wacher als der Pfarrer am Jubilate-Sonntag" warb, sind die evangelischen Theologinnen Barbara Berckmüller und Stefanie Endruweit auf den Plan getreten.
Sie bauten sich mit einer Bauchladenkirche vor besagtem Café am Marktplatz auf, um mit den Menschen über die Frage ins Gespräch zu kommen: Was macht richtig wach im Leben? Dass sie den Wettstreit sportlich und keinesfalls bierernst nehmen, macht Berckmüller im epd-Gespräch deutlich.
epd: Frau Berckmüller, das klingt nach einer spaßigen Herausforderung. Warum nehmen Sie sie an?
Barbara Berckmüller: Weil uns das Café gezielt als Pfarrerinnen herausgefordert hat, wollen wir das natürlich nicht auf uns sitzen lassen. Natürlich können auch wir wach machen am Jubilate-Sonntag, vielleicht anders als im gottesdienstlichen Kontext, worauf die Herausforderung wohl abzielte. Aber wir möchten die Menschen herauskitzeln, über das Leben nachzudenken - in einem Café und einmal ganz anders.
Welche Wachmacher führten Sie denn in Ihrem Bauchladen mit - Kaffee wird es wohl eher nicht sein?
Berckmüller: Wir hatten die großen Fragen des Lebens dabei. Wir verteilten Kärtchen, auf denen etwa steht: Was macht dich glücklich, was gibt dir Schwung, was schenkt dir innere Ruhe? Oder: Was macht dich richtig wach? Wir wollten von den Leuten wissen, ob es dann tatsächlich der Kaffee ist, der die Menschen in ihrem Leben wach macht.
Nachdem die Leute eine Frage gezogen haben, konnten sie mit uns darüber reden, die Frage selbst beantworten oder darüber nachdenken. Das klingt banal, aber die meisten kommen erst einmal ins Nachdenken, denn so einfach sind die Antworten nicht.
Wir sind provokativ: Nachdem wir gefragt haben, was die Leute richtig wach macht, verteilten wir natürlich keinen Kaffee, denn sie sitzen ja schon im Café - sondern verschenkten eine kleine Trillerpfeife. Was macht wach im Leben? Da gibt es bestimmt noch weitere Antworten auf diese tiefergehende Frage.
Sie machen solche provokanten Sachen nicht zum ersten Mal. Sie waren mit Ihrer Bauchladenkirche auch auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs: Wie reagieren die Menschen auf zwei Pfarrerinnen neben einem Karussell am Marktplatz?
Berckmüller: Wir gehen gern in Kontexte, wo man uns nicht erwartet. Eigentlich wäre unsere Aufgabe als Pfarrerinnen mit einem Gottesdienst erfüllt, aber weil wir in die Lebenswelt der Menschen gehen, reagieren die Leute wahnsinnig positiv. Niemand muss mitmachen, Nein sagen ist okay.
Aber viele sind im ersten Moment irritiert, dass wir da sind. Daraus entsteht etwas Positives. Oft wird gesagt, dass es schön sei, wenn die Kirche zu den Menschen hinausgeht und am normalen Leben teilnimmt. Wir haben am Ende der Gespräche auch immer eine Überraschung parat: Es wird Glitzer ausgestreut und viel Segen mitgegeben.





