Von einem hereinbrechenden Iran-Krieg ahnte der frühere Nürnberger Regionalbischof Ark Nitsche vor einem halben Jahr noch nichts, als er sein Thema für einen Gottesdienst an diesem Sonntag (15. März, 10 Uhr) in Nürnberg in St. Lorenz festlegte. Er predigt über "Die Bibel und der Krieg" anlässlich der Ausstellung im Bibelmuseum "Wer hat das letzte Wort? Die Bibel lesen - zwischen Deuten und Verdrehen".
epd: Man sagt, im Alten Testament geht es kriegerisch und unversöhnlich zu, im Neuen Testament steht von Feindesliebe und Frieden geschrieben. Ist die Bibel inkonsequent?
Stefan Ark Nitsche: Diese Aufteilung in Altes und Neues Testament ist eine christliche Erfindung im Gottesbild. Die Nächstenliebe gründet in der Thora, in der auch schon davon die Rede ist, liebe den Fremden wie dich selbst, aber auch davon, die Gottlosen auszurotten. Jesus zitiert da seine eigene Bibel. Es gibt in der ganzen Bibel die Rede vom Krieg. Diese Sätze nenne ich die teuflischen Verse in der Bibel. Sie sind teuflisch, wenn sie in die Hand von Tätern kommen, die die Macht haben, Rachefantasien gegen Wehrlose in die Tat umzusetzen. Wenn ich Gott solche Sätze in den Mund lege, ist das Gotteslästerung.
Sie halten den Gottesdienst in der Reihe "Die Bibel lesen - zwischen Deuten und Verdrehen" zum Thema "Die Bibel und der Krieg". Wer verdreht beim Thema Krieg die Bibel und wer deutet richtig?
Nitsche: Jeder, der für sich in Anspruch nimmt, dass er auf Gottes Geheiß hin Gewalt ausübt, der verdreht den Kern der biblischen Botschaft - außer es sei Notwehr. Die Bibel ist voller Schilderungen von Gewalt. Das geht los bei Kain und Abel. Aber das sind keine Aufforderungen, sondern sie haben das Ziel zu zeigen, wohin es führt, wenn man die Kommunikation verweigert oder seine Aggressionen nicht beherrschen kann. Wenn die Propheten diese Situationen schildern, geht es darum, wie wir dem entgegengehen und umkehren können. Das ist eine konkrete ethisch-politische Botschaft.
Bibel fordert nicht zur Gewalt auf
Es gibt in der Bibel in einer zweiten Spur die Vision von der Welt, wie sie sein könnte. Dazu zählt die Vision des Schmiedens der Schwerter zu Pflugscharen oder vom Tierfrieden. Und am Ende der Bibel steht, Gott wird da sein und alle Tränen abwischen und es wird kein Geschrei mehr sein.
Wenn man sich die heutige Weltlage mit vielen kriegerischen Konflikten ansieht, fragt man sich, warum ist diese Botschaft nicht angekommen und können ein Gottesdienst und eine Ausstellung etwas bewirken?
Nitsche: Eine Predigt oder das Bibelmuseum können die Welt nicht vor dem Untergang retten und wir werden die Aggressoren nicht dadurch zu Friedenslämmern machen. Aber wir können in unserer eigenen Umgebung dafür sorgen, dass wir mit uns und der Welt realistisch umgehen: Wir sollten weder sagen, alles ist doch gut, noch, alles ist fürchterlich. Wir müssen die Ambivalenz aus dem Geschenk der Freiheit, das mit Verantwortung verbunden ist, wahrnehmen.
Aufgabe einer Predigt und eines Bibelmuseums ist, zu erklären, dass wir aufhören müssen, uns das Leben bequem zu machen und alles der Unfähigkeit Gottes in die Schuhe zu schieben: Es ist unsere eigene Sache. Wir würden uns schön beschweren, wenn es umgekehrt wäre und wir alle nur Marionetten von einem gut meinenden Gott wären.
Der Gottesdienst zur Ausstellung des Bibelmuseums "Wer hat das letzte Wort? Die Bibel lesen - zwischen Deuten und Verdrehen" am Sonntag, 15 Uhr in der Lorenzkirche mit dem früheren Regionalbischof Stefan Ark Nitsche.


