TV-Tipp: "Zwei Frauen für alle Felle: Neues Glück"

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13. März, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Zwei Frauen für alle Felle: Neues Glück"
Es geht bei "Zwei Frauen für alle Felle" stets um mehr als nur die akute Herausforderung, die die Handlung ins Rollen bringt. In diesem Fall befasst sich Reihenschöpferin Flade-Kruse mit einer typischen Patchwork-Problematik.

Wer nie ein inniges Verhältnis zu einem Haustier hatte, kann nur schwer verstehen, was es bedeutet, wenn ein geliebter Hund oder eine Katze lebensbedrohlich erkranken. Autorin Anja Flade-Kruse hat sich daher eines Tricks bedient, damit auch Menschen ohne solche Erfahrungen die Nöte des dreizehnjährigen Jannik nachvollziehen können: Die beiden Kaninchen Theo und Thea waren das letzte Geschenk seiner verstorbenen Mutter. Entsprechend groß ist seine Sorge, als Thea nicht mehr fressen will.

Das Problem ist rasch erkannt, doch das in medizinischen Fragen bestens geschulte Stammpublikum der Freitagsfilme im "Ersten" weiß natürlich: Körperliche Symptome haben oft psychische Ursachen. Es gibt zwar keinen kausalen Zusammenhang zwischen Theas Überbiss und den seelischen Nöten ihres Besitzers, aber mit dem Gespür einer Ärztin, deren Engagement nicht mit den Öffnungszeiten ihrer Tierarztpraxis endet, ahnt Maja Freydank: Da steckt mehr dahinter.

"Neues Glück", der insgesamt vierte Film der ARD-Reihe "Zwei Frauen für alle Felle" mit Bettina Zimmermann und Meriel Hinsching, entspricht somit dem gewohnten Muster der meisten "Medicals". Es geht stets um mehr als nur die akute Herausforderung, die die Handlung ins Rollen bringt. In diesem Fall befasst sich Reihenschöpferin Flade-Kruse mit einer typischen Patchwork-Problematik: Marvin (Timur Isik) und Susanne (Lucie Heinze) haben sich verliebt und möchten zusammenziehen; so weit, so gut.

Er hat einen Sohn, Jannik (Felix Nölle), sie hat eine Tochter, Flora (Clara Vondey), und das ist der kritische Punkt: Die beiden jungen Teenager geraten ständig aneinander, erst recht, wenn sich Flora wieder mal über Janniks ausdrückliches Verbot hinwegsetzt und mit den Kaninchen kuschelt. Gegen den Trend vieler solcher Filme, Mädchen als positive Figuren zu gestalten, lässt sich Flora zu einer heimtückischen Lüge hinreißen: Angeblich hat sie plötzlich eine Tierhaarallergie.

Jannik glaubt ohnehin, dass die designierte Stiefschwester, die er keineswegs als Bonus betrachtet, das Kaninchen vergiftet hat. Das stimmt zwar nicht, doch Flora hat in der Tat einen zwar versehentlichen, aber dennoch erheblichen Anteil daran, dass sich das Tier nach überstandener Operation nicht mehr bewegt. Weil sich zumindest die weiblichen medizinischen Kräfte auf diesem Sendeplatz stets auch dazu berufen fühlen, psychotherapeutisch tätig zu werden, mischt sich die Tierärztin natürlich in die familiären Verwicklungen ein. Hilfe von außen ist bitter nötig: Jannick hält seinem Vater vor, die Mutter hätte sich nie neu verliebt. Seine Tirade gipfelt in der größtmöglichen Verletzung, die ein Kind einem verwitweten Elternteil antun kann: "Warum bist du nicht gestorben?"

Dass es am Ende dank Majas Intervention zur tränenreichen Versöhnung kommt, versteht sich von selbst. Kitschig ist die Szene trotzdem nicht, weil Regisseur Stefan Bühling neben den erwachsenen auch die jungen Ensemble-Mitglieder sehr gut geführt hat. Im wichtigsten Nebenstrang setzt Flade-Kruse die Hin- und Hergerissenheit der zweiten Titelfigur fort: Die Praxis ist pleite, Maja muss das Gehalt ihrer Kollegin kürzen, aber Julia braucht das Geld, weil sie ihren Bruder unterstützt. Leo (Matti Schmidt-Schaller) ist ein begnadeter Koch und käme Majas Mann wie gerufen für dessen Weinlokal, hat bei seiner Bewerbung jedoch nicht erwähnt, dass er im Rollstuhl sitzt.

Einen Küchenumbau kann sich Steffen (Kai Schumann) nicht leisten, aber auch in dieser Hinsicht weiß Maja Rat, zumal sie Julia nicht an die ausschließlich auf Profit ausgerichtete Filiale des Konzerns Sanaripets verlieren will. Ihre Auseinandersetzungen mit Tierklinikchef Pfeifer (Max von Pufendorf) weisen deutliche Parallelen zu einem ganz ähnlichen roten Faden der ARD-Reihe "Praxis mit Meerblick" auf: Auch dort hat die Heldin regelmäßig Stress mit dem ärztlichen Klinikleiter, der zumindest anfangs trotzdem ein Auge auf sie geworfen hatte. Das ist hier nicht anders und beschert den Filmen eine heitere Note.

Davon abgesehen liegt der komische Anteil von "Neues Glück" voll und ganz in der Hand von Thorsten Merten: Majas Onkel Bodo ist ins Haus seines abwesenden Bruders gezogen, was sich für alle Beteiligten als äußerst vorteilhaft erweist; erst recht fürs Publikum, weil Merten seine Dialoge herrlich trocken vorträgt. Am Schluss fügt sich alles derart zum Guten, dass "Zwei Frauen für alle Felle" nun tatsächlich enden könnte, aber das wäre zu schade um das Potenzial des Handlungsgefüges; wenn nichts dazwischen kommt, wird die Reihe fortgesetzt.