Die Frau mit dem pechschwarzen, strubbeligen Bubikopf und den dunklen Augen mit starken Wimpern ist zu einer Legende geworden: Am 12. März wird Sängerin und Schauspielerin Liza Minnelli 80. Die impulsive, bewegliche, lebendige und immer neugierige Künstlerin hat Erfolge im Pariser "Olympia" und der New Yorker Carnegie Hall gefeiert, wurde durch das Film-Musical "Cabaret" weltbekannt. Als eine von wenigen Showgrößen hat sie alle vier Top-Preise erhalten: Emmy, Grammy, Oscar und Tony Award, kurz EGOT.
Aufgewachsen in Hollywoods Glitzerwelt, kennt sie Glamour und Schattenseiten des Showgeschäfts: In Los Angeles kommt sie 1946 zur Welt, ihre Mutter ist Hollywoodstar Judy Garland ("Over the Rainbow"), ihr Vater Top-Regisseur Vincente Minnelli ("Ein Amerikaner in Paris").
Es ist eine Kindheit im Traumfabrik-Milieu: Mit Mia Farrow spielt Liza in der Sandkiste, ihre Nachbarn waren Lana Turner und Humphrey Bogart. "Stellt man sich Hollywood als eine Art Königsfamilie vor, wäre sie sicher unsere Kronprinzessin" sagte Fred Astaire über Minnelli in der Dokumentation "Das gibt’s nie wieder" aus dem Jahr 1976.
"Meine Kinderjahre waren hochinteressant - nur mit Kind-Sein war da nicht viel" Liza Minnelli
Schon die dreijährige Liza steht an Mamas Hand vor der Kamera, 1949 in einer Szene des Film-Musicals "Damals im Sommer". Nach der Scheidung der Eltern 1951 bleibt Liza bei ihrer Mutter, begleitet sie auf Konzertreisen, ist bei Dreharbeiten an ihrer Seite. 1969 stirbt Judy Garland an einer Überdosis Schlaftabletten. "Meine Kinderjahre waren hochinteressant - nur mit Kind-Sein war da nicht viel", so beschrieb Minnelli später diese Zeit.
In New York besucht sie eine Highschool mit Schwerpunkt Musik und Darstellung. Die 17-Jährige mit dem intensiven träumerischen Blick beeindruckt im Revival des Musicals "Best Foot Forward", kurz darauf erscheint ihr erstes Album "Liza! Liza!". Für "Flora, The Red Menace" bekommt sie mit erst 19 Jahren den "Tony Award" als beste Musical-Darstellerin.
Zum Star durch "Cabaret"
Der Durchbruch kommt 1972 mit Bob Fosses Film-Musical "Cabaret". Die Handlung ist im Berlin der frühen 1930er Jahre angesiedelt, kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Minnelli spielt die Varietékünstlerin Sally Bowles, die im Berliner "Kit Kat Club" mit dekadenten erotischen Songs auftritt und von einer Schauspielkarriere träumt. Der Titelsong "Life is a Cabaret" wird Minnellis Markenzeichen - wie auch der Bubikopf und die großen Augen, mit denen sie ihre Sally charakterisiert. Für ihre Leistung bekommt sie einen Oscar, einen Golden Globe und den Britischen Filmpreis.
1977 singt sie in Martin Scorseses Musikfilm "New York, New York" den Titelsong, und Robert De Niro spielt Saxofon dazu. Doch am liebsten steht Liza Minnelli auf der Bühne, genießt den direkten Kontakt zum Publikum, die Live-Atmosphäre. Auch beim Singen setzt sie ihr darstellerisches Talent ein, verkörpert, ja "schauspielert" ihre Songs, wie schon 1972 in der Show "Liza with a 'Z'". Diese Technik hat sie sich als Teenager erarbeitet, weil sie damals meinte, sie könne nicht gut genug singen. Häufig tritt sie mit Frank Sinatra auf. Er ist es auch, der ihren "New York, New York"-Song zum Klassiker macht.
Höhenflüge, Krisen, Abstürze
Minnellis Konzertauftritte werden zur wichtigen Konstante in einem Leben, das Höhenflüge bereithält, aber auch Krisen und Abstürze: vier gescheiterte Ehen, Fehlgeburten, Drogen und Alkohol. Im kalifornischen Betty-Ford-Center, einer Drogen- und Alkoholentzugsklinik, findet sie 1984 Hilfe.
Es ist der Auftakt für ihr erfolgreiches Comeback. Sie geht mit der Show "Liza's Back" auf Tour und steht auch vor der Kamera, so in "Sex and the City". In der Sitcom-Serie "Arrested Development" über eine bizarre Unternehmer-Familie ist sie in 21 Folgen zu sehen. Minnelli spielt von 2003 bis 2005 die Diva Lucille Austero, die wegen "Gleichgewichtsproblemen" ärztliche Behandlung braucht - eine Anspielung auf die Medikamenten- und Alkoholprobleme der Schauspielerin, mit denen sie immer offen umging.
Vor ein paar Jahren trennte Minnelli sich von zahllosen Erinnerungsstücken aus ihrer Karriere, darunter von ihrem legendären "Cabaret"-Kostüm mit Bowler-Hut und Stiefeln. Sie wolle ihr Leben vereinfachen, erklärte sie damals laut Medienberichten. Dazu gehörte auch 2015 der Umzug von New York zurück in die Stadt ihrer Kindheit, Los Angeles: "Das war wie ein Nachhausekommen."
Vor allem wegen gesundheitlicher Probleme an Hüfte, Knie und Rücken lebt der Star heute zurückgezogen. Liza Minnelli hat sich Zeit genommen für ihre Autobiografie, die sie gemeinsam mit dem Musiker Michael Feinstein verfasste. Minnelli erzählt darin nach Verlagsangaben von Kindheit und Karriere, ihren Kämpfen mit dem Alkohol, von gescheiterten Ehen, dem unerfüllten Kinderwunsch und dem Alltag als Star. Geplanter Erscheinungstermin der deutschen Ausgabe unter dem Titel "Kids, Wait Till You Hear This!" ist der 11. März.


