Theologe sieht Parallelen von Fankultur und Gottesdienst

Theologe sieht Parallelen von Fankultur und Gottesdienst

Foto: Getty Images/iStockphoto/filipefrazao

Theologe sieht Parallelen von Fankultur und Gottesdienst
Das Fanverhalten in Fußballstadien hat nach Einschätzung des Bielefelder Theologen Constantin Klein viele Bezüge zu christlichen Ritualen. Die Wechselgesänge zwischen verschiedenen Akteuren seien jenen im Gottesdienst nicht unähnlich, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Klein äußerte sich positiv zu kirchlichen Angeboten in Stadien, skeptisch zeigte er sich hingegen mit Blick auf spezielle Gräberfelder für Fußballfans. Der Theologe erforscht an der Universität Bielefeld die Beziehungen zwischen Religion und Fußball.

Mit muslimischen Gebetsgesten oder dem christlichen Bekreuzigen brächten Spieler ihre Frömmigkeit bewusst auf dem Spielfeld zum Ausdruck, erklärte Klein. So nutzten einige Spieler den Fußball und ihre Prominenz, um für den eigenen Glauben zu werben. In diesen Fällen biete Fußball lediglich die Kulisse für die religiösen Äußerungen. Anders sei es hingegen bei den Gefühlen kollektiver Begeisterung oder Gemeinschaftsritualen. "Auch wenn manches daran implizit an Religion erinnert: Hier geht es allein um den Fußball.

Fußball-Gräberfelder sieht Klein kritisch

Angebote wie die Kapelle im Gelsenkirchener Stadion begrüßte der Theologe und Psychologe als zeitgemäß. Dies seien unaufdringliche Einrichtungen an Orten, "wo viele Menschen einen wesentlichen Teil ihrer Zeit zubringen, ähnlich wie Kapellen an Autobahnen, in Flughäfen, Einkaufszentren oder Krankenhäusern". Mehr als 300 Trauungen und über 1.000 Taufen seit der Einrichtung der Kapelle im Jahr 2001 seien Zahlen, "über die sich viele Kirchengemeinden freuen würden", sagte Klein.

Mit Blick auf Fußball-Gräberfelder äußerte der Forscher Verständnis dafür, dass Menschen gern an einem Ort begraben werden wollten, der ihnen im Leben viel bedeutet habe. Einen grundsätzlichen Trend hingegen würde er jedoch kritisch sehen. "Sich auf öffentlichen Friedhöfen demnächst danach 'einsortieren' zu müssen, wer im Leben Fußballfan, Oldtimer-Liebhaber, Wagnerianer oder Philatelist gewesen ist, finde ich keine besonders befriedigende Vorstellung."

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