Hilfswerke beklagen soziale Misstände bei WM-Gastgeber Brasilien

Hilfswerke beklagen soziale Misstände bei WM-Gastgeber Brasilien
Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft an diesem Donnerstag haben Hilfswerke soziale Schieflagen im Gastgeberland Brasilien beklagt. Der Hauptgeschäftsführer der katholischen Organisation Adveniat, Bernd Klaschka, kritisierte, die WM in Brasilien koste mit ungefähr zwölf Milliarden US-Dollar so viel wie die Weltmeisterschaften 2006 in Deutschland und 2010 in Südafrika zusammen.

"Für die brasilianische Gesellschaft gibt es im Augenblick wichtigere Dinge", sagte Klaschka der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Dringend nötig seien Verbesserungen bei Arbeitsbedingungen sowie im Bildungs-, Transport und Gesundheitswesen.

Klaschka kündigte zusammen mit brasilianischen Bischöfen die Übergabe einer Petition an Brasiliens Regierung an. Zu den Unterzeichnern gehörten Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), der frühere Bundespräsident Horst Köhler und die deutschen Kardinäle Reinhard Marx und Karl Lehmann. "Mehr Fairness brauchen insbesondere die Armen", sagte Klaschka. Viele hätten wegen der Stadionbauten ihre Häuser verloren. "Sie sind keine Zuschauer der Weltmeisterschaft, weil sie die Karten für die Spiele nicht bezahlen können."

UNICEF beklagte anhaltende Kinderarbeit im größten Land Südamerikas. Fast 640.000 brasilianische Mädchen und Jungen zwischen fünf und 14 Jahren müssten mindestens 28 Stunden in der Woche schuften, etwa in der Landwirtschaft, erklärte das UN-Kinderhilfswerk.

Viele von ihnen gingen nicht zur Schule. In den Metropolen São Paulo und Rio de Janeiro werden den Angaben zufolge Heranwachsende aus armen Familien von kriminellen Gangs als Drogenkuriere rekrutiert.

In Modelagenturen und im Profifußball sind laut UNICEF Arbeitsschutz und Kinderrechte bislang kaum Thema. Eine Studie zeige, dass Jugendliche an vielen Fußballschulen in Brasilien wegen langer Trainingszeiten und vieler Turniere regelmäßig den Schulunterricht verpassten.

Kinder müssen nach Einschätzung von terre des hommes besser vor negativen Auswirkungen von großen Sportereignissen wie der Fußball-WM geschützt werden. Bei der Vorbereitung seien arme Familien und deren Kinder vor allem als Investitionshemmnis und Sicherheitsrisiko gesehen worden, erklärte das Hilfswerk in Osnabrück. 

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