168 Millionen Kinder müssen arbeiten

168 Millionen Kinder müssen arbeiten
Der weltweite Kampf gegen Kinderarbeit zeigt offenbar erste Wirkungen. Die Zahl der Betroffenen ist in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel gesunken, wie das UN-Kinderhilfswerk UNICEF am Mittwoch in Köln mitteilte.

Noch immer müssten jedoch rund 168 Millionen Kinder arbeiten. 85 Millionen litten unter ausbeuterischen und gefährlichen Bedingungen. Papst Franziskus rief zu mehr Engagement bei der Bekämpfung der Kinderarbeit auf. An diesem Donnerstag ist der Welttag gegen Kinderarbeit.

Die Kindernothilfe erklärte, Kinder müssten zum täglichen Überleben Geld verdienen, "wenn die Eltern krank oder ohne Arbeit sind, wenn nur extrem niedrige Löhne gezahlt werden oder die Ernte ausfällt". Damit werde ihnen die Möglichkeit zum Lernen und zur freien Entfaltung genommen. Die sei "eine schlimme Kindesrechtsverletzung" mit dramatischen Folgen für die Persönlichkeit und die Entwicklungschancen der betroffenen Kinder, sagte der Chef des Hilfswerks, Jürgen Thiesbonenkamp.

"In nahezu jeder Schokolade steckt Kinderarbeit"

Der Papst erklärte bei seiner wöchentlichen Generalaudienz, Millionen Minderjährige seien gezwungen, "unter entwürdigenden Bedingungen zu arbeiten". Zahllose Kinder und Jugendliche seien Opfer von Sklaverei, Ausbeutung, Missbrauch, Misshandlungen und Diskriminierungen. Der Schutz von Flüchtlingen müsse auf minderjährige Opfer von Sklavenhandel ausgeweitet werden, "um die Plage der Ausbeutung von Kindern auszumerzen", unterstrich Franziskus.

Auch im WM-Gastgeberland Brasilien ist das Problem der Kinderarbeit laut UNICEF trotz Verbots und staatlicher Kontrollen nicht überwunden. Fast 640.000 Mädchen und Jungen zwischen fünf und 14 Jahren müssten mindestens 28 Stunden in der Woche schuften, etwa in der Landwirtschaft. Viele gingen nicht zur Schule oder müssten diese abbrechen. Ein bisher kaum wahrgenommenes Problem ist nach Einschätzung des Hilfswerks die Arbeit in Modelagenturen und im Profifußball.

Nordrhein-Westfalens Sozialminister Guntram Schneider (SPD) nannte den fairen Handel einen Schlüssel zur Bekämpfung von Kinderarbeit, weil er die Entlohnung der Erwachsenen verbessere. Er appellierte an die EU, sich weltweit für gerechte Arbeitsbedingungen einzusetzen. Bei internationalen Handelsabkommen müsse sichergestellt werden, dass arbeitsrechtliche Mindestnormen verbindlich festgeschrieben würden.

Das entwicklungspolitische INKOTA-Netzwerk forderte die Schokoladenindustrie auf, faire Preise für Kakao zu zahlen und damit einen Beitrag zur Bekämpfung von Kinderarbeit zu leisten. Noch immer müssen Hunderttausende Kinder auf Kakaoplantagen schuften. "70 Prozent des Kakaos in europäischer Schokolade stammt aus Westafrika und damit steckt in nahezu jeder Schokolade Kinderarbeit", erklärt Evelyn Bahn, Koordinatorin der Kampagne "Make Chocolate Fair!"

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