Theologe Moltmann klagt über Ökonomisierung der Kirche

Theologe Moltmann klagt über Ökonomisierung der Kirche
Der Theologieprofessor Jürgen Moltmann hat am Samstag in Nürnberg den zunehmenden Einzug wirtschaftlichen Denkens in der Kirche beklagt. "Wir erleben heute eine ideologische Ökonomisierung der Kirche", sagte Moltmann am 80. Jahrestag der Barmer Theologischen Erklärung.

Wer danach frage, wie Kirche auf ihr Kerngeschäft verlegt und effizienter gestaltet werden könne, der "entmündigt die aktiven Brüder und Schwestern in den Gemeinden". Stattdessen müsse die Autonomie der Gemeinden gestärkt werden, die von Hauskreisen geprägt werden sollten und auch auf Kirchensteuern verzichten könnten.

"Eine Kirche, die nicht fordert, tröstet nicht"

Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung für die Barmer Erklärung sprach sich Moltmann für eine von den Gemeinden getragene Kirche aus, die von ihren Mitgliedern aktive Gestaltung einfordert. Wer sich vor 80 Jahren zu dem Dokument bekannte, riskierte gesellschaftliche Ächtung. "Eine Kirche die nicht fordert, tröstet auch nicht", erläuterte der reformierte Theologe Moltmann.

Die Barmer Theologische Erklärung aus dem Jahr 1934 wandte sich gegen die nationalsozialistische Ideologie und die Gleichschaltung der Kirche. Die maßgeblich von dem Schweizer reformierten Theologen Karl Barth (1886-1968) verfassten sechs Thesen richten sich gegen die an Rasse und Boden orientierte Theologie der dem NS-Staat ergebenen Deutschen Christen.

Moltmann sprach bei einem Studientag der leitenden Gremien der bayerischen evangelischen Landeskirche. Er war der Auftakt zu einer Diskussion darüber, ob die Barmer Erklärung in die Bekenntnistexte der Kirche aufgenommen werden soll.

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