Kardinal Lehmann warnt vor Übereifer in der Ökumene

Kardinal Lehmann warnt vor Übereifer in der Ökumene
Kardinal Karl Lehmann hat vor Unbeweglichkeit, aber auch vor Übereifer in der evangelisch-katholischen Ökumene gewarnt. "Ökumene braucht einen langen Atem", sagte der Mainzer Bischof am Donnerstag auf dem Katholikentag in Regensburg. Die ökumenischen Partner seien nicht selten in der Gefahr, eine Ökumene ohne theologischen Tiefgang zu betreiben und es bei wechselseitigen Forderungen zu belassen.

Ungedeckte Schecks im evangelisch-katholischen Dialog seien besonders gefährlich, da nach ihrer Entlarvung die Enttäuschung besonders groß ausfalle. "Wer die gewachsenen Differenzen in ihrer Tiefenwirkung zu gering schätzt und auf ihre Aufarbeitung meint verzichten zu können, wird nur Scheinerfolge erreichen können", warnte Lehmann.

Theologieverlust und das Schwächerwerden der ökumenischen Impulse führten zu einer abnehmenden Veränderungsbereitschaft, argumentierte der katholische Theologe. Ein wichtiger Grundsatz für das ökumenische Miteinander besteht Lehmann zufolge darin, dass man sich an den Stärken des Anderen freuen könne. Auch die Kirchenleitungen müssten sich fragen lassen, ob sie sich mit der erforderlichen Dynamik für die Suche nach mehr Einheit zwischen Protestanten und Katholiken einsetzten.

Gemeinsamkeiten vor allem in Sozialethik

Den nachlassenden ökumenischen Schwung führte der Mainzer Kardinal auch darauf zurück, dass die Differenzen in den vergangenen Jahrzehnten geringer geworden seien. Es wäre allerdings fatal, wenn eine resignative Grundstimmung unbeabsichtigt dazu beitrage, das ökumenische Feuer zu löschen, sagte Lehmann.

In den vergangenen 50 Jahren seien beträchtliche Fortschritte im Bereich der Glaubenslehre erreicht worden. Für die sozialethische Übereinstimmung von evangelischer und katholischer Kirche gebe es außerhalb Deutschlands keine Parallelen, sagte der Bischof von Mainz. Allerdings seien in bioethischen Positionen auch Risse zu verzeichnen. Als Beispiel nannte Lehmann die Haltung zur embryonalen Stammzellforschung. Auch bei der ethischen Bewertung des assistierten Suizids "knistert es im Gebälk". Dennoch sei die Gemeinsamkeit in der Bioethik ein "kostbarer Schatz", der gehütet werden müsse.

Mit Blick auf das Reformationsjubiläum 2017 hält es Lehmann für denkbar, dass die Katholiken dabei "eine wichtige Rolle mitübernehmen, auch wenn wir nicht Veranstalter sind". Dann könnte auch dieses Jubiläum ökumenisch weiterführen.

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