Lehrplan für Islamunterricht in NRW steht - Khorchide: Es fehlen Lehrer

Lehrplan für Islamunterricht in NRW steht - Khorchide: Es fehlen Lehrer
Die Schulen in NRW haben jetzt einen offiziellen Lehrplan für islamischen Religionsunterricht. Um das Fach aber bundesweit einzuführen, fehlen die Lehrer, sagen Experten.

An den nordrhein-westfälischen Grundschulen tritt ab sofort der Lehrplan für den islamischen Religionsunterricht in Kraft. An einigen Schulen sei dieser Unterricht bereits selbstverständlicher Bestandteil des Stundenplans, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Sonntag.

Nordrhein-Westfalen hat zum Schuljahr 2012/13 als erstes Bundesland den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht als ordentliches Unterrichtsfach an den Grundschulen eingeführt. Derzeit wird der Unterricht nach Ministeriumsangaben an 36 Grundschulen und 25 weiterführenden Schulen angeboten. Insgesamt nehmen rund 4.500 Schülerinnen und Schüler am islamischen Religionsunterricht teil. In Nordrhein-Westfalen leben etwa 320.000 muslimische Schüler.

Insgesamt haben laut Ministerium derzeit rund 100 Lehrkräfte die Unterrichtserlaubnis erhalten. Sie hatten zuvor bereits das Fach Islamkunde unterrichtet und wurden für die Erteilung des islamischen Religionsunterrichts weiterqualifiziert. In dessen Mittelpunkt stehen das Kennenlernen und die Reflexion von Glaubensinhalten, Traditionen und Werten. Vermittelt werden soll auch interreligiöses Wissen, um Toleranz und den religionsübergreifenden Dialog zu stärken.

Theologen: Für islamischen Religionsunterricht fehlen Lehrer

Für einen islamischen Religionsunterricht in ganz Deutschland müssen nach Meinung muslimischer Theologen aber erst noch grundlegende Voraussetzungen geschaffen werden. "Uns fehlen die Lehrkräfte und die Strukturen, um islamischen Religionsunterricht schnell flächendeckend einzuführen", sagte der Leiter des Münsteraner Zentrums für Islamische Theologie, Mouhanad Khorchide. Nur in wenigen Ländern gebe es eine islamische Religionspädagogik mit eigenen Konzepten, erklärte er bei einer Tagung zu "Islam gestern, heute, morgen" am Wochenende in Münster. Vieles müsse aus der evangelischen und katholischen Religionsdidaktik entlehnt und überarbeitet werden.

"Wir stehen erst am Anfang", betonte der im Libanon geborene Khorchide. Dennoch sieht er gute Fortschritte. Der Theologe war in den vergangenen Wochen von islamischen Verbänden kritisiert worden, die ihm vorwerfen, mit einem liberalen Verständnis den Grundzügen des Islams zu widersprechen.

Jan Felix Engelhardt vom Münsteraner Zentrum rief die islamische Theologie zur gesellschaftspolitischen Einmischung auf. Muslime sollten sich aus ihrer Religion heraus zu Fragen der Wirtschafts- und Medizinethik oder der Flüchtlingspolitik äußern. Das könne helfen, die oft negative Wahrnehmung des Islams zu korrigieren.

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