Bundestagswahl: Was die Parteien zur Reformationsfeier sagen

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Bundestagswahl: Was die Parteien zur Reformationsfeier sagen
Am 31. Oktober 2017, dem 500. Jahrestag des berühmten Thesenanschlags von Martin Luther (1483-1517) in Wittenberg, dürfte die übernächste Bundestagswahl vorbei sein. Doch bereits im aktuellen Wahlkampf für die Entscheidung vom 22. September spielt das Reformationsjubiläum eine gewisse Rolle. Wir haben die im Bundestag vertretenen Parteien gefragt, welche historische und kirchenpolitische Bedeutung sie Luthers Thesenanschlag für Geschichte und Gegenwart beimessen - und ob sie finden, dass der Reformationstag 2017 ein bundesweiter Feiertag werden soll.
26.08.2013
Bernd Buchner und Paul Crone
evangelisch.de

CDU/CSU

"CDU und CSU unterstützen die Vorbereitung und Durchführung des Reformationsjubiläums", erklärt die Beauftragte der Unionsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Maria Flachsbarth. Die Feiern böten auch in der gegenwärtigen Lutherdekade Gelegenheit, daran zu erinnern, "dass unser Land und unsere Wertordnung insbesondere christlich geprägt sind". Die Reformation sei nicht nur ein nationales Ereignis, sondern habe "weltweit bedeutende Auswirkungen" gehabt, so die CDU-Politikerin.

Die Bundesregierung fördert nach Flachsbarths Worten seit 2011 den Erhalt und die Sanierung der bedeutenden Reformationsstätten in Deutschland sowie kulturelle Projekte, etwa Ausstellungen, musikalische Veranstaltungen oder Tagungen. Das Förderprogramm “Reformationsjubiläum 2017“ sei dazu mit fünf Millionen Euro im Jahr ausgestattet. Auch die Zivilgesellschaft solle ermuntert werden, sich an der Gestaltung des Reformationsjubiläums zu beteiligen.

Als "persönlichen Wunsch" fügt die Kirchenbeauftragte hinzu, dass es bei den Gedenkfeiern gelingen möge, "auch die ökumenischen Geschwister nicht aus dem Blick zu verlieren und die evangelischen Gruppierungen außerhalb der Landeskirchen aktiv mit einzubinden. Was den 31. Oktober 1517 als möglichen Feiertag betrifft, so verweist Flachsbarth darauf, dass die Regelung den einzelnen Ländern obliege. Wie Innenminister Hans-Peter Friedrich würde sie es begrüßen, wenn es dort einen entsprechenden Beschluss gebe.

SPD

Als ein "umwälzendes Ereignis nicht nur für die Kirche und die Christen, sondern auch für die Entwicklung Deutschlands und Europas insgesamt" bezeichnet Kerstin Griese, Beauftragte der SPD-Fraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, die Reformation. "Sie hat unsere Kultur und unser Bildungsverständnis nachhaltig bestimmt und geprägt." Die Erinnerung daran sei deshalb von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. "Es ist wichtig und richtig, das Kirche und Staat das Reformationsjubiläum begehen."

Die SPD im Bundestag engagieren sich nach den Worten der Kirchenbeauftragten gemeinsam mit den Kollegen der anderen Parteien breit für das 500-jährige Reformationsjubiläum. So habe sie den Antrag "Das Reformationsjubiläum im Jahre 2017 - Ein Ereignis von Weltrang" unterstützt, mit Iris Gleicke eine eigene Beauftragte für das Reformationsjubiläum benannt und im vergangenen Frühjahr eine Veranstaltung mit dem Titel "Reformation heute – Herausforderungen und Verantwortung für das Gemeinwesen" durchgeführt.

Kerstin Griese unterstützt die Idee, den Reformationstag 2017 zu einem bundesweiten Feiertag zu machen, "aber die Umsetzung liegt auf Länderebene". Mehrere sozialdemokratisch regierte Länder hätten bereits angekündigt, den 31. Oktober 2017 zu einem einmaligen arbeitsfreien Feiertag zu machen. Wie Flachsbarth veweist auch die SPD-Frau darauf, dass der Reformationstag in den ostdeutschen Bundesländernbereits jetzt arbeitsfreier Feiertag ist.

Nahaufnahme des Lutherdenkmals auf dem Wittenberger Marktplatz. In wenigen Jahren feiern Protestanten in aller Welt die 500. Wiederkehr des berühmten Thesenanschlags vom 31. Oktober 1517, mit dem die Reformation begann.

FDP

Von einem "Ereignis von enormer religiöser, kultureller und politischer Bedeutung" spricht Stefan Ruppert, Beauftragter der FDP-Fraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, mit Blick auf die Reformation. Sie sei ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Geschichte und Gegenwart Europas. Deshalb sei die Entscheidung der gegenwärtigen Bundesregierung, die Lutherdekade mit mehr als 5,5 Millionen Euro aus dem Bundesetat zu fördern, wesentlich durch die Liberalen geprägt worden.

Einem arbeitsfreien Tag am 31. Oktober 2017 steht Ruppert persönlich positiv gegenüber. "Ein solcher einmaliger Feiertag würde die Bedeutung des 500. Reformationsjubiläum im Bewusstsein der Bevölkerung verankern." Einen Parteitagsbeschluss gebe es dazu aber nicht.

Bündnis 90/Die Grünen

"Die Reformation war ein sehr bedeutendes Ereignis, das die religiöse Landschaft vor allem in Mitteleuropa erheblich beeinflusst und verändert hat", betont auch Josef Winkler, Sprecher für Kirchenpolitik und interreligiösen Dialog der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen. Deutschland spüre bis heute die Folgen der konfessionellen Teilung "in Form von zwei annähernd gleich großen christlichen Kirchen". Insofern finde es seine Partei richtig, dass der 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Martin Luther gesamtgesellschaftlich begangen wird.

In Anbetracht der Bedeutung der Reformation bis zur Gegenwart spreche aus Sicht seiner Partei nichts dagegen, den Reformationstag 2017 einmalig als bundesweiten Feiertag zu begehen, erläutert Winkler weiter. "Die starke Rolle der christlichen Kirchen als wichtigen Kräften der Zivilgesellschaft rechtfertigt dies überdies." In Teilen der Partei, so räumt er ein, gebe es jedoch grundsätzliche Vorbehalte gegen weitere religiöse Feiertage.

Die Linke

Wie die anderen Parteien wird auch Die Linke mit Vertreteren an den Feierlichkeiten zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Wittenberg teilnehmen. "Wir sind der Auffassung, dass das Reformationsjubiläum ein für Deutschland kulturell und historisch bedeutsames Ereignis ist", so Raju Sharma, religionspolitischer Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion. Zusätzliche finanzielle Unterstützung dafür lehnt die Partei jedoch ab. Dazu sind die Kirchen selbst nach den Worten von Sharma vermögend genug.

Zur Frage eines allgemeinen Feiertags am Reformationstag 2017 gibt es bei der Linken nach Angaben des Sprechers keine einhellige Meinung. Dass man den Tag freinehmen kann, wenn man dies wolle, "finde ich richtig", unterstreicht Sharma. "Einem gesetzlichen Feiertag, der bezahlt werden muss, stehe ich eher kritisch gegenüber. Und bei der Frage nach bundesweiten Feiertagen sollten zunächst Feiertage anderer Religionen als Geste ermöglicht werden.“

Infos zur Serie
Was sollen Christen wählen? evangelisch.de hat mit den Parteien gesprochen, in ihre Programme geschaut und die Positionen zu den Themen zusammengefasst, die evangelische Christen derzeit beschäftigen. Eine Hilfe zur Entscheidung bei der Frage: Was soll ich wählen?

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