Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel und Weihbischof Dr. Martin Marahrens haben angesichts der bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen den hohen Wert eines freiheitlich-demokratischen Rechtsstaates unterstrichen. Eine echte Wahl zu haben, sei ein errungenes Freiheitsrecht, hiesst es in der gemeinsamen Pressemitteilung, die evangelisch.de vorliegt.
Die Demokratie stelle nicht eine bestimmte völkische oder nationale Zugehörigkeit ins Zentrum, sondern die Würde jedes Menschen. Anders sei das Menschsein im christlichen Glauben nicht zu verstehen, betonen Bammel und Marahrens im Theologischen Zentrum Braunschweig. Die leitenden Geistlichen zeigten sich besorgt über die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem und verfassungsfeindlich eingestuften Kräfte.
"Die für alle anstrengenden gesellschaftlichen Aufgaben werden nicht durch Abschottung oder rassistische Ausgrenzung gelöst." Vielfach würden demokratische Prinzipien missachtet und demokratische Politikerinnen und Politiker verächtlich gemacht: "Eine Rhetorik der Verächtlichmachung oder Einschüchterung ist mit christlichen Werten nicht vereinbar", so Landesbischöfin Bammel und Weihbischof Marahrens.
Bammel und Marahrens werben dafür, eine bewusste Entscheidung zu treffen für alle, die klar und unzweifelhaft auf dem Boden der Demokratie stehen. "Tausende von gesellschaftlich und kirchlich engagierten Menschen setzen sich täglich ein für ein menschenfreundliches Zusammenleben. Das darf nicht verloren gehen."
Kirche muss ethische Orientierung geben
Der rheinische Präses Thorsten Latzel warnt vor völkischem Denken und Verharmlosung der NS-Zeit. Das sei "nicht christlich", erklärt der leitende Geistliche der Evangelische Kirche im Rheinland in einem am Samstag veröffentlichten Beitrag auf LinkedIn und Instagram. "Als Christin, als Christ kann man politisch unterschiedlichster Meinung sein", betont er. Es sei nicht die Aufgabe der Kirche, sich parteipolitisch einzumischen. "Aber es ist unsere Aufgabe, ethische Orientierung zu geben und rote Linien zu benennen."
So sei es "nicht christlich, Menschen verächtlich zu machen, nur weil sie irgendwie anders aussehen oder leben", mahnt der evangelische Theologe. Ebenso sei es nicht im Sinne des Glaubens, die menschengemachte Zerstörung der Schöpfung zu leugnen, das Kreuz Jesu Christi für Ausgrenzung und Hass zu missbrauchen, antidemokratischen Herrschern wie Trump oder Putin nachzulaufen oder freie Wissenschaft, Medien, Rechtsprechung pauschal zu diffamieren. "Das alles ist nicht christlich, und es ist auch nicht konservativ. Das ist schlicht extremistisch, es spaltet und es schadet."
Kirchenpräsidentin warnt vor Spaltung
Dagegen sei es christlich, sich um Schwache zu kümmern, das Gemeinwohl zu stärken, sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen, betont Latzel. Über aktuelle Probleme wie etwa soziale Gerechtigkeit, die Sicherung von Arbeitsplätzen, Frieden, Klima, gelingende Integration oder Rente müsse gemeinsam offen und demokratisch diskutiert und nach Lösungen gesucht werden.
Die Kirchenpräsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche, Susanne Bei der Wieden, warnt hingegen vor einer gesellschaftlichen Spaltung durch politische Populisten. Die Unterscheidung von 'wir' und 'die' spalte Familien, Freundeskreise und Nachbarschaften, sagt die Theologin. Sie erzeuge das Gefühl, benachteiligt und ungerecht behandelt zu werden.
Aufgezählt würden Gegensätze zwischen Deutschen und Ausländern, Gesunden und Schwachen, Bürgern und Eliten sowie Männern und Frauen. Verdrängt werde dabei "die Suche nach dem Verbindenden und Schützenden und das Recht der Minderheiten". Von solchen politischen Tendenzen müsse sich die Kirche "um der Wahrheit willen" abgrenzen.
Dieses Gift der Spaltung reiche längst bis in die Mitte der Gesellschaft, mahnt Bei der Wieden. Pauschalurteile über Menschen, die "gern blau machen, krank feiern, nicht arbeiten wollen, den Sozialstaat ausnutzen", prägten zu oft Talkshows und politische Reden und diffamierten ganze Bevölkerungsgruppen. Kirche und Gemeinden seien gefragt, solche Verwerfungen mit Empathie und Barmherzigkeit zu überwinden.



