Segensroboter ja, Seelsorge-Chatbots nein

Portrait Judith Armbruster
privat/Ev. Landeskirche in Württemberg
Judith Armbruster ist KI-Managerin für die hessische und württembergische Landeskirche.
Kirchliche "KI-Managerin"
Segensroboter ja, Seelsorge-Chatbots nein
Künstliche Intelligenz und Kirche - das passt für Judith Armbruster bestens zusammen. Kein Wunder: Sie ist die erste "KI-Managerin" in der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Sie hat einen Job, den es erst seit ein paar Monaten gibt: Judith Armbruster aus dem württembergischen Walddorfhäslach ist seit diesem Frühjahr kirchliche "KI-Managerin". Ihre Stelle ist ein Gemeinschaftsprojekt: Die württembergische Landeskirche und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) haben sie gemeinsam angestellt.

"Künstliche Intelligenz ist ein Thema, das Kirchen beschäftigt. Denn KI geht nicht mehr weg, und sie verändert, wie wir arbeiten und leben. Deshalb ist es wichtig, dass es eine Stelle gibt, die sich mit der KI auseinandersetzt", erklärt die 37-Jährige, die unter anderem Informationsdesign und interaktive Medien und Projekt- und Transformationsmanagement studiert hat.

In ihrem Job schult sie kirchliche Mitarbeiter, bietet einen "KI-Führerschein" an und erarbeitet KI-Richtlinien. Außerdem überlegt sie mit, wie man Verwaltungsprozesse vereinfachen kann, damit mehr Zeit für das "Kerngeschäft", die Arbeit mit Menschen, bleibt. So hat sie etwa Pfarramtssekretärinnen geschult, und danach konnte eine Sekretärin mithilfe von KI die Beschlüsse der letzten Jahre aus öffentlichen Protokollen in nur einer halben Stunde zusammenfassen - eine Aufgabe, für die sie sonst wohl zwei Arbeitstage gebraucht hätte.

Ehrenamtlich ist Judith Armbruster als Prädikantin (Laienpredigerin) tätig. Davon, sich von der KI vollständig eine Predigt schreiben zu lassen, hält sie allerdings nichts. Doch könne die KI beim Vorbereiten helfen, bei der Recherche eines theologischen Fachbegriffs oder Feedback geben: "Wie wirkt dieser Text auf einen Konfirmanden oder jemanden, der noch nie in der Kirche war?" Auch bei der Suche nach neuen Ideen für den 15. Trautext zum gleichen Bibelvers helfe die KI enorm, wie eine Pfarrerin in einem Austausch berichtete.

Gottes Segen kann auch ein Roboter sprechen

In der EKHN arbeitet die KI-Managerin an einem Projekt mit, bei dem es um den Wissenstransfer bei Mitarbeitern geht. Wenn jemand in Rente geht, muss er sein Wissen für den Nachfolger nicht aufschreiben, sondern kann ein Interview mit der KI führen, das diese dann zusammenfasst und daraus für den Nachfolger eine To-do-Liste erstellt.

Für Experimente wie einen Segensroboter, ähnlich wie er damals für die Weltausstellung beim Reformationsjubiläum in Wittenberg entworfen wurde, ist Judith Armbruster offen. "Einen Segensroboter würde ich total gern selbst mal erleben." Letztlich denke sie, sei es ja Gottes Segen, der zugesprochen wird - ob von einem Menschen oder einer Maschine. Also warum nicht, wenn der Roboter gut gemacht ist und man sich durch ihn tatsächlich gesegnet fühlt?

Seelsorge: Zuspruch von Mensch zu Mensch

Einen Predigt-Roboter im Gottesdienst könne sie sich allerdings nicht vorstellen. "Weil Verkündigung auch sehr von dem Menschen lebt, der auf der Kanzel steht." Auch ein Roboter als Seelsorger am Krankenbett oder einen Seelsorge-Chatbot sieht sie kritisch. Zwar könne ein Chatbot erste Fragen klären oder Hilfe vermitteln, bevor etwa jemand in der Warteschleife der Telefonseelsorge verzweifle. Aber dann brauche es menschliche Seelsorge: "Ich glaube, es braucht viel Trost und Zuspruch von Mensch zu Mensch. Und das sollte auch erhalten werden."

Die Kirche muss mutig sein und beim Thema KI mitreden, ist Judith Armbruster überzeugt. Das besondere Merkmal sei dabei die menschenorientierte Haltung, die die Kirche seit Jahrhunderten lebe. "In einer Welt, die immer stärker von Technologie getrieben wird, kann die Kirche als Partner im Dialog wichtige Werte einbringen und sicherstellen, dass der Mensch nicht auf der Strecke bleibt."