TV-Tipp: "Einspruch, Schatz! Kinderliebe"

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25. September, ARD, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Einspruch, Schatz! Kinderliebe"
Juristisch geht es in diesem Fall der Anwältin Eva Schatz ums Recht am eigenen Bild - in Zeiten von Social Media immer aktuell. Abgesehen davon steckt die Verteidigerin mittendrin in den Wechseljahren - mit allen Konsequenzen für sich und ihre Umgebung.

Die wissenschaftliche Bezeichnung gibt es erst seit gut zwanzig Jahren, aber die sogenannte Frequenzillusion ist vermutlich so alt wie die Menschheit: Plötzlich erscheint etwas allgegenwärtig, was vorher gar keine Rolle spielte. Bekanntestes Beispiel ist das Baby-Phänomen: Verspürt eine Frau einen Kinderwunsch, sieht sie überall Schwangere oder Mütter mit Kinderwagen.

Die Leipziger Anwältin Eva Schatz erlebt in ihren Wechseljahren allerdings eine Kehrseite dieser Wirklichkeitsverzerrung. Ihr Körper fühle sich an "wie ein Schlachtfeld", wenn die Hormone verrückt spielten; und jetzt scheint sie auch noch schwanger zu sein. Das passiert zwar selten, ist biologisch aber durchaus möglich.

Prompt schockiert Reihenschöpfer Torsten Lenkeit seine Heldin mit einer besonders erschreckenden Form der Frequenzillusion: Der Film beginnt im Schwimmbad. Eva (Christine Urspruch) bevorzugt das Kinderbecken, weil das Wasser dort wärmer ist, fühlt sich allerdings durch die vielen Mütter mit Baby gestört. Später, als ihre Schwangerschaftsbefürchtung zur vermeintlichen Gewissheit geworden ist, wird sie in einem Albtraum von den Babys attackiert. Das Drehbuch behandelt damit auf heitere Weise ein ernstzunehmendes Thema: Frauen jenseits der dreißig ohne Nachwuchs gelten in dieser Gesellschaft immer noch als unvollständig. Auch Eva, der die beruflichen Ambitionen wichtiger waren, fragt sich, ob das Leben ihr mit den vielen Baby-Begegnungen zeigen will, was sie verpasst hat.

Eine weitere Ebene dreht sich ebenfalls um einen Säugling. Der ist zwar nicht echt, hält seine Umgebung aber dennoch auf Trab: Lili (Lola Höller), die sechzehnjährige Tochter von Evas Lebensgefährten Hanno Bertram (Wolfram Grandezka), soll sich im Rahmen einer schulischen Projektwoche um ein Simulationsbaby kümmern. Diese Puppen sind, was ihr Verhalten angeht, täuschend echt: Sie schreien, wenn sie Hunger haben (auch nachts natürlich), müssen anschließend ein Bäuerchen machen und wollen gewickelt werden. Zu Hannos Entsetzen empfindet Lilis Freund Lucas (Benedikt Kalcher) derart große Freude am Leben zu dritt, dass er sich in den Kopf setzt, mit Lili eine Familie zu gründen.

Später geraten die Bertrams in helle Aufregung, als der Karton mit der Babypuppe allem Anschein nach im Auto der Sperrmüllabfuhr gelandet ist. Über den "üblichen Familienwahnsinn" hatte Hanno schon vorher geseufzt und sich umso mehr darüber gefreut, dass er und Eva altersmäßig "aus dem Gröbsten raus" sind. Als er ihren positiven Schwangerschaftstest im Müll entdeckt, geht er natürlich davon aus, dass er Großvater wird.

Diese beiden Handlungsstränge sorgen zwar nicht für die Betroffenen, aber von außen betrachtet doch für einige Heiterkeit. Das juristische Thema des Films ist dagegen nicht lustig: Es geht um das Recht am eigenen Bild sowie um Persönlichkeitsrechte. Episodenhauptfigur ist eine von Wolke Hegenbarth allerdings unnötig überzogen verkörperte "Momfluencerin": Anke Scholz verbreitet im Internet kurze Filme über die scheinbar perfekte Welt ihres Familienlebens und verdient damit viel Geld, weil sie regelmäßig bestimmte Produkte in ihre Videos integriert.

Auf diese Weise, erklärt sie später, profitiere sie von der "wahnsinnig großen Sehnsucht nach der perfekten Familie". Mit der Wirklichkeit hat das nichts zu tun, wie sich nach und nach zeigt: Ehemann Matthias (Christoph Letkowski) hat seine Stelle am Flughafen verloren und macht nun im Bärenkostüm Werbung für einen Supermarkt, was er Anke jedoch geflissentlich verschwiegen hat.

Bislang fand Sohn Fabian (Arthur Gropp) das Treiben seiner Mutter bloß lästig, aber nun hat er erstmals erlebt, dass die Zurschaustellung peinlicher Momente auch negative Konsequenzen haben kann. Bei einem Vorstellungsgespräch für eine Lehre als Bankkaufmann wurde er mit einem "Kotzvideo" konfrontiert, das nicht mal echt war: Seine Mutter hatte es inszeniert, um Werbung für ein Waschmittel zu machen.

Weil sie seine Aufforderung, die Filme zu löschen, ignoriert hat, bittet er Eva um rechtlichen Beistand. Richter Schmidt (Stephan Grossmann) ist ebenfalls befremdet. Trugen im ersten Film noch einige Mitwirkende viel zu dick auf, so gilt dies nun allein für Wolke Hegenbarth (Regie hier wie dort: Josh Broecker). Allerdings passt die überkandidelte Art zur Rolle, ebenso wie Ankes antifeministische Überzeugung, jede Frau wolle einen Mann, "der rausgeht und den Bären erlegt." Sehr sympathisch ist dagegen eine Reminiszenz am Rande: In der Kneipe, in der sich das Ehepaar Scholz zur Aussprache trifft, wird das Herbert-Bier aus der Brauerei des letzten Films getrunken. Alle vier neuen Episoden stehen in der ARD-Mediathek.