Zwischen Wald und Weite: Der Bayerische Wald ist ein Gegenentwurf zur Sommerhitze in den Städten. Junge und ältere Besucher finden in ihm Kühle, Ruhe und Gemeinschaft, sagte die evangelische Diakonin Gabi Neumann-Beiler. Sie lebt in Spiegelau (Kreis Freyung-Grafenau) und ist für Tourismus und Kirche im Bayerischen Wald zuständig.
Selbst im eigenen Urlaub zieht es die Tourismusseelsorgerin nicht in die Ferne, sondern sie bleibt im Bayerischen Wald, wo sie alles finde, was sie sich für eine gelungene Auszeit wünscht, sagte sie im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).
epd: Frau Neumann-Beiler, in Anbetracht des Klimawandels - was können Menschen im Bayerischen Wald jetzt finden, was sie in den aufgeheizten Städten vermissen?
Gabi Neumann-Beiler: Auf alle Fälle kühle Wälder und frische Luft. Bei uns im Bayerischen Wald, einem Mittelgebirge, kühlt es auch nachts noch ab, sodass man erholsam schlafen kann. Die Temperatur ist angenehm, auch wenn es draußen warm ist. Im Wald ist es immer etwas kühler, und so kann man sich hier trotz Hitze bewegen und wandern. Hier ist es immer möglich, Weite und Stille zu erleben, Zugang zu unserer Schöpfung und Natur zu bekommen.
Zurzeit sind Schulferien in Bayern - was können Familien mit Kindern im Bayerischen Wald erleben?
Neumann-Beiler: Hier im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es neben den vorhandenen Möglichkeiten auch ein Extra-Ferienprogramm für Kinder und Jugendliche. Highlights sind die Tierfreigelände in Neuschönau und in Ludwigsthal. Eine weitere Besonderheit ist das schöne Waldspielgelände mit einer großen Vielfalt an Spielgeräten und einem Naturerlebnispfad in Spiegelau. Der Nationalpark bietet über 300 Kilometer markierte Wanderwege, von denen etwa 40 Kilometer hervorragend für Kinder geeignet sind. Wir haben überall kleine Seen, Bäche und in Spiegelau sogar eine Natur-Kneipp-Anlage. Eine weitere Besonderheit stellt der Seelensteig bei Spiegelau dar. Man kann ihn auch gut mit Kindern gehen. Der Baumwipfelpfad in Neuschönau ragt aus dem Wald heraus und ermöglicht besondere Ein- und Aussichten.
Sehnsucht nach Natur und Entschleunigung
Seit vielen Jahren bieten Sie meditative Wanderungen an und gehen mit Besuchergruppen auf den Seelensteig. Wonach sehnen sich die Menschen am meisten?
Neumann-Beiler: Die Menschen sehnen sich nach Natur, nach Entschleunigung, um aus dem Alltag zu kommen und sich Zeit für Ruhe zu nehmen, wo sie einfach schauen können, was uns die Natur schenkt. Sie sehnen sich nach gemeinsamer Zeit, dass man miteinander wandert - in Stille und im Gespräch. Die Sehnsucht nach Einfachheit ist auffallend, man sieht Wasser und Wald und begegnet Tieren. Der Bayerische Wald hat auch eine Ausstrahlung der Sicherheit und des Schutzes, in der jeder willkommen und aufgehoben ist.
Es gibt auch zahlreiche Angebote von den Kirchen, wie Berggottesdienste und meditative Wanderungen. Welche sind besonders beliebt?
Neumann-Beiler: Gerade die meditativen Wanderungen haben an Bedeutung zugenommen. Die Menschen lassen sich hier gerne führen, weil es dann leichter ist, aus der Hektik des Alltags herunterzukommen. Auch die Pilgerwanderungen finden immer mehr Zuspruch. Man geht längere Zeit miteinander, setzt sich mit sich und Gott auseinander. Pilgern, Wandern, ökumenische Gottesdienste und Andachten werden sehr gut angenommen. Gerade hatten wir einen Gottesdienst im Andenken an Franz von Assisi mit Tiersegnungen. Wir wollten uns damit auch an Menschen wenden, die Tiere daheim haben und sich einen kirchlichen Segen wünschen.
Wanderungen für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator
Was bietet der Bayerische Wald für ältere Menschen?
Neumann-Beiler: Bei den Wanderungen sind wir im Nationalpark eine der wenigen, die Wanderungen für Menschen anbieten, die nicht mehr so gut zu Fuß sind. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es bei älteren Paaren so ist, dass einer vielleicht noch gehen kann, der andere aber einen Rollstuhl oder Rollator braucht. Gerade für diese Menschen bieten wir im Sommer spezielle Wanderungen an. Dafür gibt es im Nationalpark auch barrierearme Wege. Das sind spezielle Holzbohlenwege auf denen man in den neu entstehenden Urwald hineingehen oder mit Rollator oder Rollstuhl hineinfahren kann. Diese Wanderungen sind für alle ein besonderer Moment.
Und wenn man mit dem Rad unterwegs sein möchte?
Neumann-Beiler: Man kann hier wunderschöne Radtouren durch den Wald machen. Es gibt über 200 Kilometer markierte Radwege allein im Nationalpark. Bei den meisten handelt es sich um gut befahrbare Forstwege. Kondition braucht man schon, denn wir sind im Mittelgebirge.
Laufend aktualisierte Veranstaltungen
Wenn ich nach einem bestimmten Angebot suche, wo finde ich das?
Neumann-Beiler: Fast alle Veranstaltungen findet man im Internet unter "Evangelische Termine". Meine Veranstaltungen sind unter "Dekanat Passau" und weiter "Kirche und Tourismus Bayerwald" zu finden und werden laufend aktualisiert. Alle Outdoor-Angebote sind ja wetterabhängig. Auch die Pfarrämter veröffentlichen dort ihre Veranstaltungen, wie etwa Zwiesel seine Konzerte oder Gottesdienste am Silberberg in Bodenmais. Ein häufig besuchtes Angebot gibt es seit der Landesgartenschau in Freyung. Dort hat man eine Naturkapelle am Gipfel des Geyersbergs geschaffen. Die Andachten dort sind Anziehungspunkt für Menschen aus ganz Bayern. Aber auch spezielle abendliche Gottesdienste wie "Balsam für die Seele" in der Spiegelauer Martin-Luther-Kirche sind für viele Menschen wichtig geworden.



