Wie lebt es sich in einer Stadt ohne Autos?

Mann auf Fahrrad in der Stadt
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Nicht überall sind die Wege für Fahrradfahrer:innen so gut gekennzeichnet. (Symbolbild)
Verkehrswende in Deutschland
Leuchtend rot sind die neuen Fahrradspuren vor dem Lessingtunnel in Hamburg-Altona. Wo sich früher oft zwei Autos nebeneinander durch den engen Tunnel schoben, gibt es jetzt eine Fahrbahn für Autos und eine für Räder. Gut so, meint Leo Strohm vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC).

"Das ist wirklich ziemlich gut geworden. Es ist eindeutig erkennbar. Viel besser als es vorher war, da war es viel unübersichtlicher", sagt der 65-jährige Fahrradaktivist. Er lebt schon mehr als drei Jahrzehnten in Hamburg und kennt die Stadt mit deutlich weniger Infrastruktur für Zweiräder.

"An den roten Spuren ist klar erkennbar, wo wir Radfahrenden eben fahren können und durch die Einfärbung werden die Autofahrenden auch viel aufmerksamer. Die wissen genau, da kann was passieren, da muss ich aufpassen. Das ist ein großer Vorteil", findet Strohm.

In Hamburg werden im ganzen Stadtgebiet neue Radwege angelegt. In den ersten sieben Monaten des Jahres gut acht Kilometer. Parkplätze und Fahrspuren für Autos müssen dafür weichen. "Eine wirklich wichtige Forderung von uns als Fahrradclub ist: Mehr Platz für das Rad. Auf den Straßen, aber auch in den Köpfen der Menschen", sagt Strohm.

Diese Mobilitätswende, mit dem Fokus auf Fahrrad und öffentlichen Nahverkehr, gibt es nicht nur in Hamburg. Deutschlandweit wollen viele Städte weg vom Autoverkehr. Internationale Vorbilder sind die französische Hauptstadt Paris, oder das dänische Kopenhagen. Aber ganz auf Autos verzichten? Das geht nicht, mahnt der ADAC.

Das Auto niemals ganz verbannen

"Natürlich ist Autofahren wichtig und in einigen Bereichen ist es auch nicht wegzudenken. Wir denken an den Lieferverkehr, wir denken aber auch an Polizei, Feuerwehr und soziale Dienste", erklärt Menno Gebhardt vom ADAC Hansa. "Bei der Auslieferung kann man teilweise auf Lastenräder setzen, aber ganz verbannen wird man das Auto nie können."

80 Prozent des täglichen Verkehrs sollen bis 2030 mit dem Fahrrad, zu Fuß, oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden, so das Ziel des Hamburger Senats. Dafür braucht es Bewegung vor allem in den Köpfen, meint die Fahrradlobby.

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"Ein Auto wird im Schnitt eine Stunde pro Tag bewegt. 23 Stunden pro Tag steht es irgendwie rum. Und viel zu viele Autos stehen auf öffentlichem Grund und Boden", klagt Leo Strohm vom ADFC. Er war vor Kurzem in Paris und hat erlebt, dass dort in der Innenstadt viele neue Radwege und Grünanlagen entstanden sind.

"Ich glaube, dass am Ende alle davon profitieren werden, wenn mehr Menschen dazu bereit wären zumindest gedanklich den Schritt zu machen: Wie wäre es, wenn ich kein eigenes Auto mehr hätte?" Das Auto hat einen Vorteil, gibt auch Strohm zu: Es ist bequem. Durch den harten Winter 2026 mit viel Eis und Schnee, war der Radverkehr in Hamburg im ersten Halbjahr um sechs Prozent geringer, als im Jahr zuvor.

Insgesamt sind die Zahlen zur Verkehrswende gemischt. Deutschlandweit sind mehr als 20 Millionen Menschen nur schlecht an einen öffentlichen Nahverkehr angebunden. Das ergab eine Umfrage der Denkfabrik Agora Verkehrswende. Das gilt insbesondere im ländlichen Raum.

Aber auch in der Großstadt Hamburg ist die Verkehrswende noch nicht erreicht. Laut Verkehrsbehörde hat sich zwar der Radverkehr seit dem Jahr 2000 fast verdoppelt, gleichzeitig geht die Zahl der zugelassenen Autos aber kaum zurück. Und der Straßenverkehr in der Hansestadt fließt immer langsamer, zeigt eine Studie von TomTom Traffic. In keiner norddeutschen Stadt braucht man so viel Zeit für zehn Kilometer Strecke, wie in Hamburg.