USA: Seit 70 Jahren offiziell auf Gott vertrauen

US-Dollar mit Motto: In God we trust"
Christiane Stock / epd-bild
Tagtäglich haben US-Amerikaner das nationale Motto vor Augen.
"In God we trust"
USA: Seit 70 Jahren offiziell auf Gott vertrauen
"In God we trust": 1956 hat die US-Regierung die Worte "Auf Gott vertrauen wir" zum nationalen Motto erhoben. Die damalige Hoffnung, mit dem Glauben das Land zu einen, ist heute in den Kulturkampf gerutscht.

Das offizielle Motto der Vereinigten Staaten lautet "Auf Gott vertrauen wir". Das hat der US-Kongress vor 70 Jahren beschlossen: Am 30. Juli 1956 unterzeichnete der republikanische Präsident Dwight Eisenhower das "In God we Trust"-Gesetz.

Ein weiteres Gesetz regelte, dass der Satz auf die Geldscheine gedruckt werden sollte. Das ist bis heute so. Doch in Zeiten von US-Präsident Trump ist die Aussage über Gottvertrauen Teil eines Kulturkampfes geworden, in dem manche Politiker so tun, als stünde Gott aufseiten konservativer Politik.

1956, das war gut ein Jahrzehnt nach Ende des Zweiten Weltkriegs, mit Eisenhower als Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa, und wenige Jahre nach dem Waffenstillstand in Korea. Die Wirtschaft boomte.

Historiker: Motto sollte die Bevölkerung einen

Geschichtswissenschaftler Kevin Kruse von der Princeton University in New Jersey hat sich in seinem Werk "One Nation Under God" (Eine Nation unter Gott, 2015) mit dem religiösen Charakter der USA befasst. Dem Evangelischen Pressedienst sagte Kruse, Eisenhower habe mit dem Motto die Bevölkerung zusammenbringen wollen. Während des amerikanischen Bürgerkriegs war "In God we trust" schon auf manche Münzen geprägt worden, und es ist Teil der - nur selten gesungenen - vierten Strophe der US-Nationalhymne.

In den 1950ern waren nach Angaben des Umfrageinstituts Gallup rund 70 Prozent der US-Amerikaner Mitglieder einer Kirche. Der junge Baptistenprediger Billy Graham, der häufig mit Präsident Eisenhower zusammentraf, versammelte viele tausend Menschen medienwirksam zu riesigen Evangelisierungskampagnen. Eisenhower selbst ließ sich wenige Tage nach Amtsantritt im Januar 1953 in der Nationalen Presbyterianerkirche in Washington taufen.

Gemeinsamer Glaube im Kalten Krieg

Der Glaube sei "die größte Ressource" der Nation, sagte Eisenhower in einer Rundfunkansprache. Und während Graham von Jesus Christus sprach, formulierte der Präsident den Glaubensbegriff offener: "Was auch immer unsere individuelle Kirche ist, unser persönliches Glaubensbekenntnis, uns verbindet unser gemeinsamer Glaube an Gott", der Geist sei ein und derselbe.

Es herrschte damals Kalter Krieg. Das Narrativ lautete: das christliche Amerika gegen die angeblich "gottlose" Sowjetunion. Zu einer Zeit, in der "materialistischer Kommunismus" die Freiheit zerstören wolle, sollten Amerikaner "beständig nach Wegen suchen, die Grundfeste unserer Freiheit zu stärken", sagte der demokratische Kongressabgeordnete Charles Bennett. "In God we Trust" sei "in den USA heimisch".

Trump reklamiert "In God we trust" zu seinen Gunsten

Anfangs habe das Motto wohl Eisenhowers Hoffnungen erfüllt, sagte Historiker Kruse. Viele Menschen in USA waren - und sind - überzeugt, ihr Land sei eine "auserwählte Nation". Es blieb jedoch nicht bei der Überparteilichkeit des nationalen Leitspruchs. Der 1968 gewählte republikanische Präsident Richard Nixon habe das Konzept umgebaut, erläuterte Kruse. Aus "Gott steht aufseiten Amerikas" sei geworden: Gott steht politisch gesehen aufseiten der konservativen Republikaner. Auch die aufkeimende rechts-christliche Bewegung habe diese Auffassung vertreten.

Aktuell interpretiert Präsident Trump "In God We Trust" zu seinen Gunsten, im Sinne von: Nicht nur Amerika ist auserwählt, sondern auch er selbst. In einer Rede zur rechts-christlichen "Faith and Freedom Coalition" Ende Juni betonte der Präsident, er werde immer an den "wunderschönen Worten 'In God We Trust'" festhalten.

In seiner Ansprache im Weißen Haus zu Ostern 2026 hatte Trump das Motto bekräftigt. Seine Glaubensberaterin Paula White verkündete, Trump werde "wegen Jesu Auferstehung" als Präsident in allen Dingen "siegreich sein".

Bekenntnis künftig in allen Regierungsgebäuden?

Im Kongress liegen gegenwärtig Gesetzesentwürfe vor, "In God we Trust" in allen Regierungsgebäuden anzubringen. Das Motto leite die USA seit beinahe 70 Jahren, sagte die republikanische Abgeordnete Mary Miller. "Wir werden uns nie dafür entschuldigen, dass wir eine Nation sind, die auf den allmächtigen Gott vertraut."

Die religiöse Landschaft hat sich freilich verändert in den vergangenen 70 Jahren. Laut einer Umfrage des Pew Research Center gehören derzeit nur noch 37 Prozent der US-Amerikaner der Gemeinde einer Kirche oder Glaubensgemeinschaft an.