Justin Sullivan / Getty Images
Glaube und Politik in den USA
Was glaubt eigentlich J. D. Vance?
J. D. Vances neues Buch "Communion: Finding My Way Back to Faith" löst bei mir zwiespältige Gefühle aus. Vielem, was der US-amerikanische Vizepräsident in ihm preist und als wünschenswert beschreibt, stimme ich gern zu. Intakte Familien, eine Gesellschaft, die zukunftsoffen für Kinder ist, und das Bemühen, Kinder zu tugendhaften Menschen zu erziehen, sind auch mir wichtig. Das Buch, das seiner Frau gewidmet ist, liest sich auch als eine schöne Liebeserklärung an Usha.
Wenn er gegen eine vorherrschende Pseudoreligion unter den Mächtigen und Reichen betont, dass die Kirche "Gnade und Vergebung" bietet, so kann ich dazu nur Ja und Amen sagen. Natürlich freut es mich als katholischen Theologen auch, dass Vance einen Weg zurück zum christlichen Glauben und sogar in die katholische Kirche gefunden hat. Aus sozialethischer Sicht beeindruckt sein Plädoyer für das Gemeinwohl, seine Befürwortung von Gewerkschaften und die Forderung nach einem gerechten Lohn. Es überrascht daher auch nicht, dass er sich als großen Verehrer von Papst Leo XIII. gibt, der 1891 mit der Enzyklika "Rerum novarum" die Tradition der katholischen Soziallehre begründete.
Am meisten überraschte mich aber seine radikale Absage an den Libertarismus, wie ihn die russisch-amerikanische Schriftstellerin und Philosophin Ayn Rand begründete.


