Nachhaltige Geldanlagen versprechen Großes: Gewinne machen mit gutem Gewissen. Doch welchen Anbietern kann man trauen? Und was können Privatanleger bewirken? Die wichtigsten Fragen beantworten zwei Experten für ethische Investments: Timo Halbe vom gemeinnützigen Online-Ratgeber Finanztip und der Investmentfonds-Spezialist Ludwig Rahlf von GLS Investments. Die Firma ist eine Tochter der genossenschaftlichen GLS Bank, die nach eigenen Angaben mit ihrem Geld Wirtschaft und Gesellschaft positiv verändern will.
Was ist eine ethische Geldanlage?
Eine einheitliche Definition für ethische, grüne oder nachhaltige Wertpapiere gibt es nicht. Für eine Annäherung können Verbraucher zunächst festlegen, welche Wirtschaftsbereiche sie nicht unterstützen möchten, etwa Rüstung, Tabak, Atomkraft oder die fossile Energieindustrie. Negativkriterien können auch Menschenrechtsverstöße oder fragwürdige Geschäftsmodelle wie Spekulationen auf Grundnahrungsmittel sein. Positiv können Firmen in die engere Wahl kommen, deren Geschäftsmodell als ökologisch oder sozial besonders wertvoll erachtet wird.
Was leisten die ESG-Kriterien für Nachhaltigkeit?
Grobe Orientierung bieten die sogenannten ESG-Kriterien der Vereinten Nationen zur Bewertung von Unternehmen und Institutionen. Sie wurden nach Maßgabe der UN-Nachhaltigkeitsziele entwickelt. Das Kürzel steht für die Bereiche "Environmental, Social, Corporate Governance" (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung). Klarheit sollen neuerdings auch die Leitlinien der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) schaffen. Sie regeln, unter welchen Voraussetzungen ein Fonds Nachhaltigkeitsbegriffe im Namen führen darf.
Aus Sicht von Ludwig Rahlf lassen die ESG- und ESMA-Kriterien viele Schlupflöcher. Vermeintlich nachhaltige Fonds können daher Firmen enthalten, die mit fossiler Energie oder Rüstung Profite machen. Oft würden bei ESG-Anlageprodukten falsche Versprechen gemacht, warnt Rahlf.
Warum gelten Öl- und Rüstungsfirmen zuweilen als nachhaltig?
Nach dem "Best-in-Class"-Ansatz wählt der Anbieter die nachhaltigste Firma aus einer Branche aus. Das können dann auch Unternehmen aus der Chemie- oder Ölindustrie sein. Bei Fonds hat dies laut Timo Halbe den Vorteil, dass das Risiko breiter gestreut wird. "Je mehr Branchen ich ausschließe, desto größer ist das Risiko."
Die GLS Bank definiert Nachhaltigkeit strenger und schließt ganze Branchen aus ihren Anlageprodukten aus, wie Ludwig Rahlf erläutert. Er rät jedoch zu realistischen Erwartungen: Aufgrund globaler Vernetzung und komplexer Lieferketten sei bei größeren Unternehmen nicht immer auszuschließen, dass Berührungspunkte mit kontroversen Geschäftspraktiken bestehen.
Was kann man mit ethischen Investments bewirken?
Viele Anleger glauben, dass sie mit Firmenbeteiligungen direkt die Unternehmen unterstützen. Das investierte Geld geht jedoch an den Verkäufer des Wertpapiers. Ein steigender Aktienkurs stärkt allerdings das Vertrauen in das Unternehmen. Es kann neue Aktien ausgeben und bekommt Kredite zu günstigeren Konditionen. Indirekt können Anleger also durchaus positiv Einfluss nehmen, wie Timo Halbe betont.
Inhaber von Aktien können außerdem bei der Hauptversammlung des jeweiligen Unternehmens auf eine nachhaltigere Geschäftspolitik hinwirken. Halbe rät jedoch davon ab, sich auf nur wenige Direktinvestitionen etwa in Solar- und Windparks zu beschränken. Dadurch steige das sogenannte Klumpenrisiko.
Widersprechen sich Nachhaltigkeit und Rendite?
Experten sehen keinen grundlegenden Zielkonflikt zwischen Renditeerwartung und Nachhaltigkeit. Bei breit gestreuten, ethischen Aktieninvestments sind nach Timo Halbes Erfahrung bei einer langfristigen Anlage über Jahrzehnte Renditen von durchschnittlich etwa 6 Prozent im Jahr realistisch. Er weist zudem darauf hin, dass börsengehandelte Fonds (ETFs) günstiger sind als Fonds, die aktiv von Anbietern gemanagt werden. Misstrauen ist aus Halbes Sicht bei Renditeversprechen von weit über 10 Prozent geboten.
Wo können sich Verbraucher informieren?
Orientierung und Informationen zu konkreten Anlageprodukten bieten zum Beispiel das Portal Finanztip und die Stiftung Warentest. Vertrauenswürdig sind nach Halbe auch die Berichte und Siegel des Fachverbands "Forum Nachhaltige Geldanlagen" (FNG). Ludwig Rahlf empfiehlt außerdem das Informationsportal "Fair Finance Guide", das Magazin "Eco Reporter" und die Website faire-fonds.info.



