Die ultrakonservative katholische Piusbruderschaft hat am Mittwoch gegen die ausdrückliche Warnung Roms vier Priester zu Bischöfen geweiht. "Diese Zeremonie soll ein Glaubensbekenntnis sein", sagte der Generalobere Davide Pagliarani vor Tausenden von Gläubigen während der Freiluftmesse im schweizerischen Écône. Man habe die Pflicht, den Glauben zu bewahren, so wie ihn die "Kirche immer gelehrt hat". Mit Spannung wird nun erwartet, wie Papst Leo XIV. als katholisches Oberhaupt darauf reagieren wird.
Der Akt kommt nach geltendem Kirchenrecht einer Spaltung gleich und kann mit der automatischen Exkommunikation der Beteiligten bestraft werden. Die neuen Bischöfe der Piusbruderschaft sind Pascal Schreiber (Schweiz), Michael Goldade (USA), Michel Poinsinet de Sivry sowie Marc Hanappier (beide Frankreich). Die Bischofsweihe mit Salbung führte Bischof Alfonso de Galarreta als Hauptkonsekrator, assistiert von Bischof Bernard Fellay aus.
Papst Leo XIV. hatte den Oberen der Piusbrüder, Pagliarani, zuvor eindringlich dazu aufgerufen, auf die Bischofsweihen zu verzichten. "Ich bitte euch und fordere euch von ganzem Herzen auf: Kehrt um!" Als Antwort schrieb der Generalobere am Dienstag an Papst Leo: "Fern liegt uns der Gedanke, uns von der Römischen Kirche zu trennen." Die Bruderschaft sei weder schismatisch noch der Kirche feindlich gesinnt.
Die Piusbruderschaft, der aktuell nach eigenen Angaben weltweit rund 700 Priester angehören, wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) gegründet. Weil die Piusbrüder viele dieser Reformen als zu liberal zurückweisen, stehen sie im offenen Konflikt mit dem Vatikan.




