Wer christlich aufgewachsen ist, weiß natürlich, warum wir Weihnachten und Ostern feiern. Die Frage, woran das Pfingstfest erinnern soll, werden hingegen womöglich selbst manche getaufte Erwachsene nicht beantworten können. An Pfingsten, ulkt Guido Cantz, "sind die Geschenke am Geringsten". Die meisten Menschen kennen den Rheinländer als fröhlichen Komödianten, aber er ist außerdem gläubiger Katholik und aktiver Kirchgänger.
Als ehemaliger Messdiener kennt er selbstverständlich auch die die Bedeutung des Pfingstfestes. Allen anderen bringt die federführend vom MDR im Auftrag aller ARD-Sender betreute Reihe "Holy Days" mit einer speziellen Pfingstausgabe in Erinnerung, was sich einst wenige Wochen nach der Auferstehung Jesu Christi zugetragen hat.
Wie schon in den Ausgaben mit Oliver Mommsen (Ostern) und Evelyn Burdecki (Himmelfahrt) begeben sich Reiseleiter Gabriel Engel (Nicolai Tegeler) und sein Gast auf eine Tour durch Zeit und Raum, um die Ursprünge des Pfingstfests zu erforschen und einige zum Teil Jahrhunderte alte Bräuche vorzustellen.
Comedian Cantz, Karnevalist und viele Jahre lang Moderator von "Verstehen Sie Spaß?", erweist sich als ausgezeichnete Wahl. Er hat von Natur aus einen guten Draht zu den Leuten und lässt sich bereitwillig einspannen, um beispielsweise beim "Pfingstquack" mitzumachen, einem in der Pfalz und im Elsass bis heute gepflegten sogenannten Heischebrauch. Früher sind Kinder mit bunt geschmückten Handwagen durchs Dorf gezogen, um Lebensmittel zu sammeln, heute geht es in der Regel um einen guten Zweck.
Tilmann P. Gangloff setzt sich seit 40 Jahren als freiberuflicher Medienkritiker unter anderem für "epd medien" mit dem Fernsehen auseinander. Gangloff (geb. 1959) ist Diplom-Journalist, Rheinländer, Vater von drei erwachsenen Kindern und lebt am Bodensee. Er war über 30 Jahre lang Mitglied der Jury für den Grimme-Preis, ist ständiges Mitglied der Jury Kindermedien beim Robert-Geisendörfer-Preis, dem Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), und 2023 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden.
Der Name stammt vermutlich von der Mundartbezeichnung für einen Nestling, und genauso dürfte sich Cantz auch gefühlt haben, nachdem er mit einigen jungen Männern diverses Frühlingsgeäst eingesammelt hat: Am Ende der Verkleidungsprozedur ist er von Zweigen eingehüllt, auf dem Kopf trägt er eine mit Blüten besetzte Krone. Diese Blumen werden im Verlauf der Prozession durchs Dorf verkauft.
Während der Komödiant an dieser Aktion weitgehend passiv mitwirkt, stellt eine zweite Aktion eine weitaus größere Herausforderung dar, denn nun ist handwerkliches Geschick gefordert: In Niederbayern bastelt Cantz gemeinsam mit einem Holzschnitzer einen "Suppenbrunzer". Was zunächst recht deftig und entsprechend unheilig klingt, entpuppt sich als ebenfalls uralter Pfingstbrauch.
Im Christentum wird der Heilige Geist, der die Jünger laut Bibel an Pfingsten in die Lage versetzte, in fremden Zungen zu sprechen, um Menschen aus aller Herren Ländern die frohe Botschaft zu verkünden, gern als Taube dargestellt. Der "Suppenpinkler" ist eine Glaskugel, die eine geschnitzte Taube enthält.
Diese Kugel wird über dem Esstisch aufgehängt, und weil es in den ungeheizten guten Stuben früher im Frühjahr zumeist recht kalt war, beschlug die Kugel, sobald der dampfende Suppentopf auf den Tisch kam. Das Kondenswasser schlug sich an der Kugel nieder und tropfte bald darauf in den Topf; so kam der "Suppenbrunzer" zu seinen Namen.
Weitere Pfingstereignisse werden in Form von eingespielten Filmen vorgestellt, etwa das "Dreckschweinfest", eine Sitte mit mutmaßlich heidnischen Wurzeln aus dem Südharz, bei dem sich gestandene Kerle von buntgekleideten Peitschenmännern in eine Kuhle treiben lassen und sich dort fröhlich im Schlamm suhlen. Die Aktion steht symbolisch für die Vertreibung des Winters.
Ein weiterer Bericht beschäftigt sich mit der sorbischen Pfingstprozession zur Wallfahrtskirche in Rosenthal (Landkreis Bautzen). Aber es soll in "Holy Days" natürlich nicht nur um religiöse Sitten oder heidnische Wintervertreibungen gehen. Wie schon Mommsen und Burdecki setzt sich Cantz, während Gabriel ihn durch die Gegend kutschiert, zwischendurch eine VR-Brille auf, um sich (und damit auch das Publikum) über die biblischen Begebenheiten zu informieren.
Diese kurzen Einspielungen sind erneut mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erzeugt worden und von erstaunlicher optischer Qualität; ohne den entsprechenden Hinweis käme vermutlich niemand auf die Idee, dass es sich um digital generierte Bilder handelt. Sie zeigen, was sich einst nach Christi Auferstehung und Himmelfahrt in Jerusalem ereignet hat, als die Jünger Jesus vermissten: An jenen Tagen, die wir heute als Pfingsten feiern (der fünfzigste Tag der Osterzeit, daher der Name), wurde die Luft plötzlich von einem Brausen erfüllt, heißt es in der Apostelgeschichte; Zungen "wie von Feuer" ließen sich auf allen Aposteln nieder, die daraufhin mit jedem Menschen in dessen Sprache kommunizieren konnten. Den nächsten und letzten Film der vierteiligen Reihe zeigt die ARD an Weihnachten.




