Nach Suspendierung: Kirche stellt sich Kritik

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epd-bild/Angelika Warmuth
Was steckt hinter der plötzlichen Dienstenthebung im Dekanat Neumarkt? (Symbolbild)
Großes öffentliches Interesse
Nach Suspendierung: Kirche stellt sich Kritik
Die vorläufige Dienstenthebung eines beliebten Pfarrers spaltet das Dekanat Neumarkt. Bei einem emotionalen Informationsabend musste sich die Kirchenleitung den Fragen stellen. Warum wurde der Geistliche suspendiert, und warum geriet sein Name an die Öffentlichkeit?

Die Kirche war zu klein für das Interesse: Zur Informationsveranstaltung der bayerischen evangelischen Landeskirche über die vorläufige Dienstenthebung eines Pfarrers im Dekanat Neumarkt kamen am Dienstagabend mehr Menschen, als im Gotteshaus Platz fanden. Einige warteten vor der Kirche. Drinnen stellten Besucherinnen und Besucher der Kirchenleitung kritische Fragen.

Zwei Fragen standen im Mittelpunkt: Warum wurde der Pfarrer vorläufig des Dienstes enthoben, obwohl das zeitgleich eingeleitete Disziplinarverfahren noch nicht abgeschlossen ist? Warum veröffentlichte die Landeskirche in einer Mitteilung an die Presse vom 14. Juli den Klarnamen des Geistlichen, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch ermittelt werden sollte, ob überhaupt ein dienstliches Fehlverhalten vorliegt? Nicht alle Fragen der Versammelten konnten zufriedenstellend beantwortet werden.

Der Kirchenjurist Dirk Deneke wies Berichte zurück, wonach der Regensburger Regionalbischof Klaus Stiegler oder die Neumarkter Dekanin Christiane Murner das Disziplinarverfahren gegen den Pfarrer angestoßen hätten. Beide seien erst nach der Eröffnung des Verfahrens informiert worden und hätten keine Initiative dazu ergriffen, erläuterte er.

Ausgelöst worden sei das Verfahren durch eine "Meldung von außerhalb der Kirche", die unmittelbar an die zuständige Stelle im Landeskirchenamt gerichtet worden sei. Wenn das passiere, habe die Kirche keinen Ermessensspielraum: "Das Verfahren ist zu eröffnen", sagte Deneke. Zum Inhalt dieser Meldung machte der Jurist keine Angaben. Die Landeskirche weist nach seinen Worten auch den Eindruck zurück, die Kirchenleitung oder die Dekanin hätten eine Demontage des Pfarrers betrieben. Das Verfahren diene ausschließlich der rechtlichen Klärung des Sachverhalts. Auch Stiegler und Murner waren anwesend und stellten sich den Fragen der Besucher.

Sicherheitspersonal und Solidaritätsaktionen

Viele Menschen im Kirchenraum trugen einen Schal mit der Aufschrift "ehrlich, respektvoll, miteinander" und wollten damit an die Eigenschaften des betroffenen Pfarrers erinnern. Der Theologe ist in der Gemeinde sehr beliebt. Seit seiner vorläufigen Dienstenthebung gab es mehrere Solidaritätsaktionen. Unterschriften wurden gesammelt, vor der Kirche wurde demonstriert, zwei Mesner legten aus Protest ihr Amt nieder. Bürgermeister und Museumsleiter setzten sich für den Pfarrer ein. Fast täglich erschienen in den beiden Lokalzeitungen Leserbriefe, in denen sich Menschen für den Geistlichen aussprachen.

Nicht alle Aktionen verliefen besonnen. Aufsehen und Unmut bei der Kirchenleitung erregte beim Sonntags-Gottesdienst eine Flugblatt-Aktion von der Empore der Neumarkter Christuskirche. Bei der Veranstaltung am Dienstagabend sorgte Sicherheitspersonal für einen geordneten Ablauf.

Nennung des Klarnamens wird abgeklärt

Die Fragen an die Kirchenleitung wurden überwiegend ruhig und sachlich formuliert. Den meisten Fragestellern ging es um die Verhältnismäßigkeit der vorläufigen Dienstenthebung und um die Persönlichkeitsrechte des Pfarrers. Ob der Pfarrer nun für den Rest seines Lebens gebrandmarkt sei, wollte eine Besucherin wissen. Was passiert, wenn sich der Tatvorwurf nicht erhärtet, fragte ein Besucher. Andere wollten wissen, ob die Landeskirche verhältnismäßig gehandelt habe. Auch die Veröffentlichung des Namens wurde thematisiert: Wie lassen sich die Persönlichkeitsrechte des Pfarrers schützen, wenn der konkrete Vorwurf nicht genannt wird, der Betroffene für die Öffentlichkeit aber identifizierbar ist?

Die Kirchengemeinde erlebe eine innere Zerreißprobe und er habe Verständnis dafür, dass die Menschen manchmal "an der evangelischen Kirche irre" würden, erklärte Regionalbischof Klaus Stiegler am Dienstagabend. Dennoch müsse diese Spannung ausgehalten werden. Er versicherte, dass das Verfahren "weder mutwillig noch leichtfertig" eingeleitet worden sei. Ob mit der Nennung des Klarnamens ein Fehler begangen wurde, werde derzeit bei der Datenschutzstelle der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einem ordnungsgemäßen Verfahren abgeklärt, erläuterte Kirchenjurist Deneke.

Zusätzliche Fragen wirft die Auskunft der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth auf. Dort liegt nach deren Angaben kein aktuelles Verfahren gegen den Pfarrer vor. Was dem Geistlichen auch immer vorgeworfen werde, könne nach dem derzeitigen Kenntnisstand keine strafrechtliche Relevanz besitzen, nur eine kirchenrechtliche, erklärte die Staatsanwaltschaft auf epd-Anfrage. Bis jetzt habe sich auch kein Geschädigter oder keine Geschädigte an die Behörde gewandt.

Eine Mitteilung der Landeskirche an die Staatsanwaltschaft liege ebenfalls nicht vor. Bei einem Verdacht auf sexuellen Missbrauch wäre eine solche Mitteilung laut Staatsanwaltschaft zwingend erforderlich.

Die Landeskirche machte zum konkreten Gegenstand des Disziplinarverfahrens bislang keine Angaben. Eine Entscheidung über das Verfahren liegt bisher nicht vor. Offen bleibt damit, welches konkrete Fehlverhalten dem Pfarrer vorgeworfen wird.

Mit diesen unbeantworteten Fragen wird die Kirchengemeinde bis zum Abschluss des Verfahrens leben müssen. Die Landeskirche wolle sich bemühen, dass es zeitnah zu Ergebnissen kommt, versprach der Regionalbischof. "Aber es gibt auch Fälle, da hat es Jahre gedauert."